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Wahlwissen : Wie Swing States und Wahlmänner über den Sieger entscheiden

  • -Aktualisiert am

Trump am Samstag in Denver Bild: AFP

Trump liegt in einigen landesweiten Umfragen nur knapp hinter Clinton, in anderen schneiden die Kandidaten sogar gleich ab. Dennoch wird es für ihn schwerer, die Präsidentschaft zu gewinnen. Der Grund ist das Wahlsystem Amerikas.

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          Vorbei sind die Zeiten, in denen Hillary Clinton sich auf ihren komfortablen Vorsprung in den Umfragen verlassen konnte. Gerüchte um ihre angeblich schlechte Gesundheit und die abermaligen Ermittlungen des FBI haben die Demokratin diesen Luxus gekostet. Ihr Gegner im Rennen um die Präsidentschaft, Donald Trump, holt auf. In manchen Umfragen liegen er und Clinton gleichauf. In anderen ist der prozentuale Unterschied zwischen den Kandidaten so gering, dass er im Fehlerbereich liegt — und somit schlichtweg statistischer Zufall sein könnte.

          Dennoch wird es für den Republikaner ein harter Kampf ums Weiße Haus. Selbst wenn er die Mehrheit der Stimmen gewinnen sollte, heißt das nicht, dass er automatisch die Wahl gewinnt. So funktioniert das Wahlsystem in Amerika nicht, das hat die Wahl im Jahr 2000 zwischen George W. Bush und Al Gore gezeigt. Der Demokrat Gore bekam damals zwar mehr Stimmen — trotzdem verlor er.

          Umfragen

          Das liegt daran, dass der amerikanische Präsident nicht einfach durch die Mehrheit aller abgegebenen Stimmen bestimmt wird. Wer den Platz im Oval Office haben will, der muss mindestens 270 der insgesamt 538 Wahlmänner des sogenannten „Electoral College“ hinter sich haben. Diese werden pro Staat vergeben und orientieren sich in ihrer Anzahl an der Größe der Bevölkerung der jeweiligen Region. Wer die Mehrheit der Stimmen in einem Staat holt, der gewinnt alle Wahlmänner — „Winner takes all“ nennt sich dieses System. (Eine Ausnahme bilden nur die Staaten Nebraska und Maine, die jedoch mit ihren fünf beziehungsweise vier Wahlmännern relativ unwichtig sind.) Theoretisch könnte somit in Amerika ein Kandidat mit nur 23 Prozent der Wählerstimmen Präsident werden. Das haben die Journalisten des Radiosenders „National Public Radio“ ausgerechnet.

          Und hier liegt Trumps Problem. Die amerikaweite Zahl an Wählern, die am Dienstag für ihn stimmen werden, bringt ihm wenig. Trump muss 270 Wahlmänner holen, und das bedeutet nach aktuellen Umfragen, dass er die vier größten „Swing States“ gewinnen muss: Florida mit 29, Ohio mit 18, North Carolina mit 15 und Pennsylvania mit 20 Wahlmännern. Ansonsten wird es Trump kaum ins Weiße Haus schaffen.

          In Ohio hat Trump bislang einen relativ komfortablen Vorsprung in den Umfragen, die 18 Wahlmänner des Staates kann er also wahrscheinlich gewinnen. In Florida hat Clinton die Nase in den Umfragen knapp vorn, allerdings deuten die vorzeitig abgegebenen Wahlzettel aktuell auf einen hauchdünnen Sieg der Republikaner hin. Das könnte sich am Dienstag aber noch ändern, denn nur ein Bruchteil der wahlberechtigten Bevölkerung Floridas hat seine Stimme bisher abgegeben.

          In North Carolina und Pennsylvania wird es immer knapp

          North Carolina und Pennsylvania sind dagegen den Umfragen zufolge eher demokratisch gesinnt, wenn auch nicht übermäßig. Philadelphia wählte 1988 zum letzten Mal einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten, damals für Präsident George W.H. Bush. North Carolina stimmte zwar 2004 noch mehrheitlich für George W. Bush, half bei den letzten beiden Wahlen aber Barack Obama ins Amt. Stets war es dort ein knappes Ergebnis, 2008 sogar von weniger als einem Prozentpunkt.

          Wählerstimmen von der Ostküste : Trumps fanatische Anhänger in Pennsylvania

          Trumps Terminkalender zeigt, dass er es auf diese beiden Staaten besonders abgesehen hat. Am Freitag versuchte seine Frau Melania bei einem ihrer seltenen öffentlichen Reden an die weiblichen Wähler in Pennsylvania zu appellieren. Aber auch Clinton und ihre Fürsprecher sind dort sehr präsent.

          Sollte es Trump nicht gelingen, alle vier großen „Swing States“ zu gewinnen, muss er die kleineren Staaten holen, und zwar sehr viele davon. New Hampshire hat zum Beispiel nur vier Wahlmänner, Nevada und Iowa nur sechs. Es wäre dann ein mühseliges Sammeln bis hin zu den 270 Wahlmännern — auf jeden noch so kleinen Staat wäre der Republikaner dabei angewiesen. Ein Sieg Clintons in selbst einem kleinen „Swing State“ könnte dann schnell das Aus für ihn bedeuten.

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