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Vorwahlen in Amerika : Schon wieder Plagiatsvorwürfe gegen Trump-Familie

  • Aktualisiert am

Bestimmt keine Reminiszenz an Bernie Sanders: Donald Trump junior bei seiner Rede über seinen Vater. Bild: AP

Nachdem Melania Trump überführt worden war, in ihrer Rede bei Michelle Obama abgekupfert zu haben, werden nun Plagiatsvorwürfe gegen den Sohn von Donald Trump laut. Doch die Sache ist etwas anders gelagert.

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          Nach der Rede von Donald Trump Jr. auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner in Cleveland wurden auch gegen den Sohn des Nominierten Donald Trump Plagiatsvorwürfe laut. Er soll zwei Sätze seiner Rede aus einem Essay in einer konservativen Zeitschrift abgekupfert haben, lautet der Vorwurf, den zuerst „The Daily Show“ auf Twitter erhob.

          Tatsächlich gleichen sich die beiden Sätze. Donald Trump junior sagte: „Unsere Schulen waren einmal der Fahrstuhl zur Mittelklasse, doch mittlerweile stecken sei im Erdgeschoss fest. Sie sind wie sowjetische Einkaufsläden, die zum Nutzen der Verkäufer und nicht der Käufer Geschäfte machen, für die Lehrer und die Verwalter, nicht die Schüler.“ In dem Artikel aus der Mai-Ausgabe der Zeitschrift „The American Conservative“ heißt es: „Was ein Fahrstuhl zur Oberklasse sein sollte, ist im Erdgeschoss steckengeblieben. [...] Unsere Schulen und Universitäten sind wie alte sowjetische Einkaufsläden, deren Aufgabe es war, die Interessen der Verkäufer und nicht die der Kunden zu bedienen.“

          Der Autor des Artikels Frank Buckley meldete sich jedoch kurz nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe ebenfalls zu Wort und schrieb auf Twitter, dass es kein Plagiat sei. Dem „Business Insider“ sagte Buckley nach Angaben des Chefredakteurs, dass er einer der Schreiber der Rede von Trump junior gewesen sei, es deshalb also kein Plagiat gebe.

          Wie die „Washington Post“ schreibt, liegt also höchstens ein sogenanntes „Eigenplagiat“ vor. Dieses falle in eine ethische graue Zone. In Deutschland wird die Wiederverwendung eigener Textteile meist nicht als Plagiat gewertet. Die „Washington Post“ weist jedoch daraufhin, dass es für Buckley ein anderes Problem geben könne, denn er sei von den Trumps ja schließlich bezahlt worden, originelle Ideen in die Rede einzubauen, also keine alten Textbausteine zu nutzen.

          Trump Junior selbst bezeichnete die Vorwürfe als „lächerlich“, berichtet „Time“. Er sei neu auf der politischen Bühne und habe deshalb auf die Hilfe des professionellen Redenschreibers Buckley zurückgegriffen. Der größte Teil der Rede seien jedoch seine Worte, da er über seinen Vater spreche. Deshalb gebe es auch eigentlich nichts zu berichten, doch die Menschen versuchten eine Geschichte zu finden, wo keine sei. Die Leute hätten einfach ihre Vorurteile, sagte er.

          Donald Trumps Sohn Donald Jr. verkündete die Stimmen seines Heimatstaates New York, die Trump endgültig die Nominierung sicherten. Bilderstrecke
          Vorwahlen in Amerika : „Über die Hürde“

          Die Vorwürfe gegen Trump Junior kommen nur einen Tag nachdem Donald Trumps Frau Melania überführt wurde, in ihrem Vortrag bei der Rede von Michelle Obama auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten aus dem Jahr 2008 abgekupfert zu haben. Mehrere Sätze waren direkt übernommen worden. Die Trump-Kampagne hatte versucht, das als Petitesse abzutun, doch gab es zumindest genügend Interesse an der Geschichte, um die Hintergründe aufzuklären.

          So schreibt die „New York Times“, dass die beiden professionellen Redenschreiber Matthew Scully und John McConnell, die schon für George W. BNush gearbeitet hatten, von den Trumps mit der Aufgabe betraut worden waren, Melania Trumps Beitrag für den Parteikonvent zu verfassen. Trumps Frau habe aus der ursprünglichen Rede jedoch nur wenige Sätze beibehalten und den Rest mit der Hilfe einer bekannten überarbeitet. Offensichtlich haben sich beiden frühere Reden von Gattinnen der Kandidaten angesehen, um sich inspirieren zu lassen. Herausgekommen ist dabei jedoch ein eindeutiges Plagiat.

          Cleveland : Tumult und Plagiatsvorwürfe bei Parteitag der Republikaner

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