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UN-Vollversammlung : Trump fühlt sich nicht ausgelacht

  • Aktualisiert am

„Respekt“: Donald Trump bei einer Pressekonferenz in New York Bild: AFP

Seine Rede in der UN-Vollversammlung sei Spaß gewesen, sagt der amerikanische Präsident. Vorher hatte er China Einmischung in die Kongresswahl vorgeworfen und sich über Respekt vor seinem „sehr, sehr großen Gehirn“ gefreut.

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          Das laute Gelächter bei seinem Auftritt bei der UN-Generaldebatte ficht den amerikanischen Präsidenten nicht an. „Sie haben mich nicht ausgelacht, sie haben mit mir gelacht“, zeigte sich Donald Trump am Mittwoch in typischer Manier vor Journalisten in New York überzeugt. „Die Leute hatten eine gute Zeit mit mir. Wir hatten Spaß.“

          Trump hatte am Dienstag bei der UNO im Stil einer Wahlkampfrede seine eigenen Leistungen gepriesen: „In weniger als zwei Jahren hat meine Regierung mehr erreicht als jede andere Regierung in der Geschichte unseres Landes.“

          Als sich bei diesen Worten im Rund der Vollversammlung Kichern vernehmen ließ, quittierte dies ein verdutzter Trump mit den Worten: „Das ist wahr.“ Das daraufhin im Plenum aufbrandende, große Gelächter ließ Trump kurz in seiner Rede innehalten. „Ich habe diese Reaktion nicht erwartet, aber es ist okay.“

          In der Pressekonferenz bezog sich Trump auch auf ein Lob, das ihm „die führende Autorität in Sachen China“ gemacht habe. Michael Pillsbury, Autor des Buchs „The Hundred Year Marathon: China’s Secret Strategy to Replace America as the Global Superpower” und Mitarbeiter am Hudson Institute, einer konservativen Denkfabrik in Washington, hat nach Trumps Worten gesagt: „China hat totalen Respekt für Donald Trump und Donald Trumps sehr, sehr großem Gehirn.“ Pillsbury hatte auf Trumps Lieblingssender Fox News die Chinesen betrachteten Trump als seinen „fünf oder sechs Vorgängern“ überlegen. Trump sei so klug, sagte Pillsbury, er spiele dreidimensionales Schach.

          Vor seiner Pressekonferenz hatte Trump in seiner Sitzung des Sicherheitsrats zum Thema Massenvernichtungswaffen China vorgeworfen, sich in die im November anstehende Kongresswahl einmischen zu wollen. „China hat versucht, in unsere bevorstehende Wahl 2018 einzugreifen, die im November ansteht“, sagte Trump. „Sie wollen nicht, dass ich oder wir gewinnen, weil ich der erste Präsident bin, der China beim Handel herausgefordert hat und wir beim Handel gewinnen, wir gewinnen auf allen Ebenen.“ Einen Beleg legte Trump nicht vor. Beim Verlassen des Sicherheitsrates rief er Reportern auf deren Frage nach Beweisen zu, es gebe einen Haufen Belege.

          Chinas Außenminister Wang Yi verwahrte sich noch im UN-Sicherheitsrat gegen Trumps Behauptung. Sein Land habe sich nicht und werde sich nicht in die inneren Angelegenheiten irgendeines Landes einmischen. „Wir lehnen es ab, irgendwelche ungerechtfertigten Anschuldigungen gegen China zu akzeptieren“, sagte der Minister.

          Auf Twitter warf Trump China anschließend vor, „Propaganda-Werbung in den ,Des Moines Register‘ und andere Zeitungen“ zu plazieren, die als Nachrichten getarnt seien. Dazu veröffentlichte er Bilder einer vierseitigen Beilage der Sonntagsausgabe der Zeitung aus dem Bundesstaat Iowa. Darin beschwört ein von China geführtes Medien-Unternehmen die Vorteile des Handels zwischen beiden Staaten. Die Chefredakteurin, Carol Hunter, sagte, es sei nicht überraschend, dass China in ihrer Zeitung Anzeigen schalte: Die Bauern in Iowa seien überproportional von den Folgen von Trumps Handelspolitik betroffen.

          Aus Regierungskreisen verlautete, China benutze politische, wirtschaftliche, militärische und informationstechnische Werkzeuge, um die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten zu beeinflussen und die Interessen der chinesischen Regierung und der kommunistischen Partei zu fördern. In der kommende Woche werde Vize-Präsident Mike Pence in einer Rede Einzelheiten zu den Vorwürfen bekanntgeben.

          Erst am Montag hatten die beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt ihren Handelsstreit abermals verschärft. Es traten Zölle der Vereinigten Staaten auf chinesische Importgüter in einem Wert von 200 Milliarden Dollar in Kraft. Zugleich wurden chinesische Gegenzölle im Volumen von 60 Milliarden Dollar wirksam. Trump ist das hohe Defizit im Handel mit China sein Dorn im Auge. Er wirft der Volksrepublik unter anderem Marktabschottung, unfaire Beihilfen für die eigene Wirtschaft und Technologie-Diebstahl vor. China weist dies zurück.

          Am 6. November finden in den Vereinigten Staaten Kongresswahlen statt, bei denen Trumps Republikanern Umfragen zufolge eine Niederlage droht. Er selbst will bei der Präsidentenwahl 2020 für eine zweite Amtszeit antreten. In Amerika prüfen mehrere Ermittler Vorwürfe, dass sich Russland zugunsten von Trump in die Präsidentenwahl 2016 eingemischt hat oder es eine Zusammenarbeit mit seinem Wahlkampf-Team gab. Der Präsident sprach dies vor der UN in seiner etwa zehnminütigen Rede nicht an. Er und die Regierung in Moskau haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

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