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Umfrage zur Corona-Pandemie : Amerikas Ansehen stürzt ab

Ein Anhänger der Bewegung Blue Lives Matter demonstriert am Samstag in Salt Lake City im amerikanischen Bundesstaat Utah. Bild: AP

Die Reputation der Vereinigten Staaten ist in vielen befreundeten Staaten auf einen Tiefpunkt abgesackt. Dort vertrauen mittlerweile sogar mehr Bürger Xi Jinping und Putin als Trump.

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          Die Zeiten, in denen Amerika unter seinen Freunden und Verbündeten Begeisterungsstürme entfachte, sind schon eine Weile her. Auf der letzten Sympathiewelle ritten die Vereinigten Staaten, zu Recht oder zu Unrecht, während der Präsidentschaft Barack Obamas. Also bis vor dreieinhalb Jahren. Mit dem Einzug von Donald Trump ins Weiße Haus änderte sich das quasi über Nacht. Im Jahr der Corona-Krise aber stürzt das Ansehen der Vereinigten Staaten in vielen Ländern noch einmal richtig ab. Das geht aus der jüngsten Umfrage des „Pew Research Centers“ hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

          Die Meinungsforscher der renommierten amerikanischen Denkfabrik mit Sitz in Washington befragten zwischen dem 10. Juni und dem 3. August über 13.000 Menschen in 13 befreundeten Staaten in Nordamerika, Europa und Asien nach ihrer Einstellung zu den Vereinigten Staaten und ihrem Präsidenten. Das Ergebnis ist ernüchternd. In sieben Staaten ist es auf den tiefsten Punkt seit der ersten vergleichbaren Pew-Umfrage vor knapp zwanzig Jahren gesunken. Beobachten lässt sich das zum Beispiel im Vereinigten Königreich; nominell immerhin einer der engsten amerikanischen Verbündeten. Seit damals hat sich das Ansehen der Vereinigten Staaten dort - in Prozentpunkten ausgedrückt – mehr als halbiert.

          Inzwischen verfügen nur noch 41 Prozent der Briten über eine vorteilhafte Sicht auf Amerika. In Frankreich (31 Prozent) und Deutschland (28 Prozent) sieht es ähnlich aus. In beiden Ländern sind zwar keine neuen Negativrekorde zu verzeichnen. Aber die Vereinigten Staaten sind dort nun ungefähr so beliebt wie zu Zeiten des Dritten Golfkriegs, den die Vereinigten Staaten unter George W. Bush 2003 begannen und der seinerzeit den Westen zu spalten drohte. Schlechter als in Deutschland schneidet der große Verbündete von der anderen Seite des Atlantiks nur noch in Belgien ab. Durchschnittlich sieht noch einer von drei Befragten in allen Staaten Amerika in positivem Licht. Und nur in einem Land, Südkorea (59 Prozent), ist es eine Mehrheit der Befragten.

          Bild: F.A.Z.

          Die Gründe für das geringe Vertrauen in die langjährige Führungsmacht des Westens mögen zahlreich sein; der Umgang mit Sars-CoV-2 spielt offenkundig eine wichtige Rolle. Dem Krisenmanagement der Regierung Trump stellt eine überwältigende Mehrheit der Befragten ein vernichtendes Zeugnis aus. Gerade einmal jeder fünfte Spanier attestiert Washington bei der Bewältigung der Pandemie gute Arbeit - und das ist der absolute Spitzenwert. Im Schnitt aller Länder teilen nur 15 Prozent der Menschen diese Ansicht. Anderen attestieren die Befragten deutlich häufiger gute Arbeit im Umgang mit Corona, von China (37 Prozent), über die EU (57 Prozent) und die WHO (64 Prozent) bis hin zum eigenen Land. Dem attestieren im Schnitt Drei Viertel aller Befragten gute Arbeit.

          Noch negativer als Amerika wird sein Präsident gesehen. Donald Trump misstrauen durchschnittlich 83 Prozent aller Befragten, ähnlich viele also, wie seinem Vorgänger Obama während seinen beiden Amtszeiten vertrauten. Am höchsten ist der Anteil der Skeptiker in Mittel- und Westeuropa mit rund neun von zehn Befragten, in Japan (68 Prozent) und Australien (76 Prozent) ist er am geringsten. Zwar ist Trump nicht der erste amerikanische Präsident, der so schlechte Vertrauenswerte in westlichen Staaten erhält – ähnlich rauh war das Meinungsklima auch gegenüber George W. Bush, vor allem in seiner zweiten Amtszeit. Bemerkenswert aber ist, dass die Befragten in den 13 westlichen Staaten seiner Fähigkeit, weltpolitisch richtige Entscheidungen zu treffen, so wenig vertrauen wie niemandem sonst. Gerade einmal 16 Prozent setzen in internationalen Belangen auf ihn – noch weniger als bei Chinas Staatspräsident Xi Jinping (19 Prozent) und Russlands Staatspräsident Wladimir Putin (23 Prozent). Die größte internationale Reputation genießt der Umfrage zu Folge Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihr vertrauen über drei Viertel alle Befragten, vor Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (64 Prozent) und Großbritanniens Premierminister Boris Johnson (48 Prozent).

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