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TV-Duell Trump gegen Biden : „Würden Sie mal die Klappe halten, Mann?“

  • -Aktualisiert am

Angriffslustig: Joe Biden im TV-Duell mit Donald Trump Bild: AFP

Eine unfreundlichere Präsidentschaftsdebatte hat es wohl selten gegeben: Donald Trump und Joe Biden beschimpften sich bei der ersten Live-Auseinandersetzung gegenseitig – und beide zeigten ihre Schwächen.

          7 Min.

          Zum ersten Mal sind sie als Kandidaten persönlich aufeinander getroffen: Joe Biden und Präsident Donald Trump trafen sich am Dienstagabend in Cleveland in Ohio zur ersten Wahlkampfdebatte. War der Auftakt noch einigermaßen freundlich – Joe Biden lächelte und sagte „How you doin', man“ zum Präsidenten – lieferten sich beide dann anderthalb Stunden lang zum Teil bittere Wortgefechte.

          Sie stritten sich über die Themen, die die Amerikanerinnen und Amerikaner in den vergangenen Wochen am meisten bewegt hatten: das Missmanagement der Coronakrise, die Waldbrände an der Westküste, die Proteste gegen Rassismus und die Nominierung der Richterin Amy Coney Barrett an den Obersten Gerichtshof.

          Moderator Chris Wallace von Fox News, der zuletzt durch ein pointiert geführtes Interview mit Trump aufgefallen war, kam zunächst auf die Nominierung der Konservativen Amy Coney Barrett als Richterin am Obersten Gericht zu sprechen. Trump bestand darauf, dass er das Recht habe, sie als Nachfolge der verstorbenen Ruth Bader Ginsburg zu benennen. Er sei schließlich für vier, nicht für drei Jahre gewählt. Biden wiederum wandte sich direkt an die Zuschauerinnen und Zuschauer, als er betonte, eigentlich sollten sie erst wählen und danach solle ein neuer Richter oder eine neue Richterin benannt werden. Die Wahl sei ja längst im Gange, so der ehemalige Vizepräsident mit Bezug auf das Frühwahl-Verfahren und die Briefwahl.

          „Meine Partei bin ich“

          Ziel von Trumps Vorgehen sei es, Frauen das Recht auf Abtreibung zu nehmen und die Krankenversicherung „Obamacare“ abzuschaffen. Trump bestritt das – niemand wisse, was in Sachen Abtreibung passieren werde und was Barretts Positionen seien, behauptete er. Biden wiederum verteidigte sich gegen Trumps Vorwurf, seine Partei wolle „sozialistische Medizin“, die noch weiter gehe als „Obamacare“. Zur Bekräftigung sagte Biden: „Meine Partei bin ich. Ich bin im Moment die Demokratische Partei. Das Parteiprogramm ist das, dem ich zustimme.“ Damit wollte Biden Stärke zeigen und den Vorwurf entkräften, dass die Linke ihn vor sich hertreibe. Auch jenseits des Aufschreis in der linken Twitter-Sphäre dürfte dieser Satz die Partei noch beschäftigen.

          Beim Thema Coronavirus befand sich dann Trump in der Defensive. Biden erinnerte die Amerikanerinnen und Amerikaner daran, dass der Präsident anfangs beteuert hatte, das Virus werde zu Ostern verschwunden sein – und dass er gleichzeitig gewusst hatte, wie ansteckend und tödlich es ist. Trump selbst hatte eingeräumt, die Gefahr heruntergespielt zu haben und behauptet, er habe dies getan, um keine Panik zu erzeugen. Kürzlich hatte der Journalist Bob Woodward dies mit einer Tonaufnahme belegt – Biden erinnerte auch daran. „Nicht ihr seid in Panik geraten“, sagte er in die Kamera, „sondern er ist in Panik geraten.“ Trump wiederum behauptete wieder einmal, trotz der inzwischen über 205.000 Toten, seine Regierung habe einen „phänomenalen Job“ gegen die „Pest aus China“ gemacht. Er erneuerte auch die durch nichts belegbare Behauptung, man werde schon „in einigen Wochen“ einen Corona-Impfstoff haben. Das Land müsse seine Wirtschaft überall öffnen, sagte Trump. Was in „Geisterstädten“ wie New York vor sich gehe, sei entsetzlich.

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