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Trumps Hausjurist : Der loyale Anwalt

Jahrzehntelange Treue: Trump will seinen Anwalt Jason Greenblatt mit Regierungsposten belohnen. Bild: Picture-Alliance

Noch ist Donald Trumps Kabinett nicht vollständig besetzt. Bei der Vergabe der Regierungsposten belohnt er die Loyalität ranghoher Mitarbeiter. Für seinen langjährigen Anwalt Jason Greenblatt hat der designierte Präsident etwas Besonderes ausgesucht.

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          Auf Donald Trump lässt Jason Greenblatt nichts kommen. Der langjährige Hausjurist im Immobilienimperium des künftigen Präsidenten hat seinen Chef in den vergangenen Monaten regelmäßig öffentlich verteidigt. Zum Beispiel, als Trump vorgeworfen wurde, etwas Judenfeindliches getwittert zu haben. Greenblatt beklagte sich in der „Washington Post“ über ein „Charakter-Attentat“ auf seinen Chef, der kein Antisemit sei.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Als Jude, der seinen Glauben strikt praktiziere und seit fast zwei Jahrzehnten für Trump arbeite, müsse er das wissen. Trump habe immer Verständnis gezeigt, wenn er wegen jüdischer Feiertage sein Büro verlassen habe, selbst wenn dadurch Verhandlungen über große Transaktionen zum Stillstand gekommen seien. Nach der Wahl im November jubelte Greenblatt, Amerika habe sich für einen „bemerkenswerten und brillanten Mann“ entschieden.

          Nun wird Greenblatts Loyalität zu Trump mit einem Posten in der künftigen Regierung belohnt: Trump hat seinen 49 Jahre alten Anwalt zum Sonderbeauftragten für internationale Verhandlungen ernannt. Es ist eine neu geschaffene Position, die zunächst nur vage umrissen wurde. Trump sagte, Greenblatt solle sich um „Verhandlungen aller Art“ wie zum Beispiel globale Handelsabkommen kümmern. Es dürfte davon auszugehen sein, dass auch die Nahostpolitik zu seinem Aufgabengebiet gehören wird, denn Greenblatt hatte schon im Wahlkampf eine prominente Rolle in einem von Trump eingerichteten Beratungsgremium für Fragen rund um Israel. Er führte das Gremium zusammen mit David Friedman, einem ebenfalls für Trump tätigen Anwalt, der kürzlich zum amerikanischen Botschafter in Israel berufen wurde.

          Starke Anzeichen für Kurswechsel im Nahostkonflikt

          Dass nach Friedman nun auch Greenblatt in Trumps Mannschaft geholt wird, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass Amerika vor einem Kurswechsel in seiner Nahostpolitik steht. Trump hat sich in diesen Fragen wiederholt vom scheidenden Präsidenten Barack Obama abgegrenzt. Ihn hat Obamas Weigerung in der vergangenen Woche geärgert, eine gegen den Siedlungsbau im israelisch besetzten Westjordanland gerichtete UN-Resolution zu verhindern. Trump hat auch einen Umzug der amerikanischen Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem versprochen.

          Der designierte Sonderbeauftragte Greenblatt hat schon vor der Wahl gesagt, Trump werde ein „echter Freund“ Israels sein und mit dem „Israel-Bashing“ der gegenwärtigen Regierung Schluss machen. Greenblatt ist der Sohn von Flüchtlingen, die aus Ungarn nach Amerika kamen, ebenso wie Trump wuchs er im New Yorker Stadtteil Queens auf. Er studierte an der jüdischen Yeshiva University und an der New York University und arbeitete zunächst in einer Anwaltskanzlei, bevor er sich von Trump anheuern ließ. Neben seinen Aufgaben betreibt der Vater von sechs Kindern mit seiner Frau einen Blog mit familienrelevanten Themen. Die Seite erhebt den Anspruch, Eltern dabei zu helfen, Kindern ethische Grundsätze und Empathie gegenüber anderen Menschen beizubringen. Das sind freilich Dinge, für die Greenblatts Arbeitgeber nicht gerade ein Musterbeispiel ist.

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