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Trump nimmt Nominierung an : Apokalyptisches vom Teleprompter

Müde: Donald Trump akzeptiert seine abermalige Kandidatur. Bild: EPA

Zum Abschluss seines Parteitags gönnt sich Donald Trump die große Show, die er wollte. Vor einem Publikum aus Maskenmuffeln wirft er Joe Biden vor, den nächsten Lockdown zu planen. Doch Amerikas Präsident wirkt matt.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Donald Trump hatte sich durchgesetzt. In Charlotte durfte er nicht. In Jacksonville auch nicht. Also feierte er den Abschluss des republikanischen Parteitags einfach im Weißen Haus. 1500 Leute hatten sich am Donnerstagabend auf der Südwiese hinter seinem Amtssitz versammelt – so, als hätte es das Coronavirus nie gegeben: Stuhl an Stuhl saßen die Gäste, nur wenige von ihnen trugen Masken. Hier nahm Trump förmlich die abermalige Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat an – allen Konventionen zum Trotz.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Und von hier aus blickte er nach 70 Minuten Richtung „Washington Monument“, über dem ein Feuerwerk den Himmel erleuchtete. Dann drehte Trump, der seine Familie zu sich auf die Bühne geholt hatte, sich um und lauschte einem Opernsänger, der auf einem Balkon „Ave Maria“ vortrug. Genauso waren immer seine stets berüchtigten Kundgebungen in den Arenen des Landes zu Ende gegangen. Es war nun fast Mittelnacht. Trump, der seine Rede kraftlos vorgetragen hatte, wirkte ermattet. Dann verschwand er im Weißen Haus.

          Trump hatte vorgetragen, was er schon seit Wochen sagt: Brav hielt er sich an den Teleprompter. Schließlich hieß die Devise, bloß nicht überziehen. Ein Ziel des Präsidenten war es, Leute aus der politischen Mitte zurückzugewinnen. Seine Hauptbotschaft lautete: Joe Biden sei nicht der Mann, für den er gehalten werde. Er sage den Arbeitern, er fühle mit ihnen, dann aber verhökere er ihre Jobs in China Biden werde gesteuert von Linksradikalen, die Amerika für seine Sünden bestrafen wollten, die Anarchisten Amerikas Städte zerstören ließen, während sie selbst sicher in ihren geschlossenen und bewachten Wohnkomplexen lebten, sagte Trump.

          „Biden ist nicht der Retter Amerikas“, so der Präsident weiter. Er sei vielmehr der „Zerstörer der amerikanischen Größe“ und die Wahl im Herbst die wichtigste in der amerikanischen Geschichte. Die Bürger könnten wählen, ob sie den amerikanischen Traum retten wollten. 

          Noch einmal breitete Trump seine Lesart seiner Amtszeit aus: Er habe die „großartigste Volkswirtschaft in der Weltgeschichte“ geschaffen. Er habe unfaire Handelsabkommen aufgekündigt, sei aus schlechten internationalen Verträgen ausgestiegen, habe Arbeitsplätze nach Amerika zurückgeholt, die Grenzen gesichert und Amerikas Botschaft nach Jerusalem verlegt. „Ich habe meine Versprechen gehalten“, sagte der Präsident unter dem Jubel seiner Anhänger. Dann aber habe der „unsichtbare Feind“ zugeschlagen.

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          Trump redete über die Corona-Krise fast wie über eine Erfolgsgeschichte. Gewiss, viele Amerikaner hätten Angehörige und Freunde verloren – auch er. Doch habe er frühzeitig ein Reiseverbot für China-Reisende und gegen Europa verhängt. Biden habe das kritisiert. Hätte man auf seinen Herausforderer gehört, wären Hunderttausende gestorben. Dann habe man die größte wirtschaftliche Mobilisierung seit dem Zweiten Weltkrieg organisiert: Beatmungsgeräte, Masken, Krankenhauskapazitäten. Bis Ende des Jahres werde es einen Impfstoff geben – vielleicht früher, sagte Trump. Er habe die Wirtschaft geöffnet, Biden indes wolle einen zweiten Lockdown. Immer wieder kreiste er um China und Biden. China, sagte er, setze auf den Demokraten, weil Amerika dann Peking gehöre.

          Nichts Neues auf Trumps Teleprompter

          Der Teleprompter wäre nicht nötig gewesen. Was der Präsident so sagte, hatte er alles schon x-mal gesagt, früher sogar druckvoller. Es handelte sich, in seinen eigenen Worten gesprochen, um eine „low energy“-Performance. Vielleicht war es doch keine gute Idee, an jedem der vier Parteitagsabende selbst aufzutreten. So nahm er dem großen Finale das Besondere.

          Eine Woche lang hatte er sich gezähmt präsentiert: Er hatte an einer Einbürgerungszeremonie im Weißen Haus teilgenommen – selbstredend mit  dunkelhäutigen Einwanderern. Er hatte einen Straftäter begnadigt – selbstredend einen afroamerikanischen. Und er hatte Frauen Geschichten darüber vortragen lassen, wie sehr sie von Trump gefördert worden seien. Alles verbunden mit der Botschaft: Glaubt nicht die hässlichen Geschichte der Mainstream-Medien – Trump ist in Wirklichkeit ganz anders.

          Offenbar hatten seine Leute ihm gesagt, es reiche nicht, nur die eigene Basis zu mobilisieren. Er dürfe die Mitte nicht Biden überlassen. Der Demokrat blieb auch nicht untätig. Biden warf Trump kurz vor dessen Rede vor, die Gewalt im Land anzufachen, um daraus politischen Nutzen zu ziehen. „Er gießt mehr Benzin ins Feuer. Er hofft auf mehr Gewalt, nicht auf weniger Gewalt“, sagte Biden mit Blick auf die Lage in vielen amerikanischen Städten. Es war die bislang schwerste Attacke auf Trump, sieht man von dem Vorwurf ab, sein schlechtes Krisenmanagement in Corona-Krise habe Menschenleben gekostet.

            

          Den Vorwurf von Vizepräsident Mike Pence, die Bürger wären in Bidens Amerika nicht sicher, konterte er mit der Bemerkung: „Das Problem ist, wir befinden uns gerade in Donald Trumps Amerika.“ Auf dem Parteitag der Republikaner habe es vor allem eines gegeben: „Lügen, Lügen, Lügen.“ Und: „Ich denke, wir alle wissen, dass dieser Mann eine etwas pathologische Neigung hat, nicht die Wahrheit zu sagen.“

          Trumps Umgang mit Fakten beziehungsweise „alternativen Fakten“ hat inzwischen unter Demokraten zu einer Diskussion geführt, ob Biden an den vereinbarten drei Fernsehdebatten Ende September und im Oktober teilnehmen soll. Nancy Pelosi, die „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses hatte gesagt, aus ihrer Sicht sollte es keine Debatte der Präsidentschaftskandidaten geben – angesichts des schändlichen Verhaltens Trumps gegenüber Hillary Clinton vor vier Jahren. Biden stellte aber klar: „Ich werde mit ihm debattieren. Ich werde der Fakten-Checker auf der Bühne sein.“

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