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Für die nächsten Debatten : Nach chaotischem TV-Duell soll es neue Regeln geben

Donald Trump während des TV-Duells gegen Joe Biden Bild: EPA

Nachdem das erste TV-Duell von Joe Biden und Donald Trump aus dem Ruder lief, sollen strengere Regeln bei künftigen Aufeinandertreffen für Ordnung sorgen. Der Präsident will derweil die von ihm selbst namentlich genannte rechte Gruppe „Proud Boys“ nicht kennen.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Nach einer chaotischen ersten Fernsehdebatte zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden sollen die nächsten beiden Rededuelle unter anderen Regeln stattfinden. Es werde neue Mittel geben, um für Ordnung zu sorgen, teilte die Kommission für Präsidentschaftsdebatten am Mittwoch mit. Das parteiunabhängige Gremium organisiert seit 1988 die Fernsehduelle vor Präsidentschaftswahlen.

          In einer Stellungnahme hieß es, das erste Duell habe deutlich gemacht, dass es zusätzliche Strukturen brauche, um eine geordnetere Diskussion zu ermöglichen. Welche dies sein sollen, werde man in Kürze verkünden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP ist unter anderem im Gespräch, dass der Moderator die Möglichkeit bekommen soll, die Mikrofone abzuschalten.

          Das Wahlkampfteam von Donald Trump kritisierte die Pläne und warf der Kommission vor, „die Regeln mitten im Spiel“ zu ändern. Trumps demokratischer Herausforderer Biden hatte die Hoffnung geäußert, dass man in Zukunft nur das Mikrofon des Sprechenden anschalten werde.

          Trump war Biden bei der Debatte am Dienstagabend immer wieder lautstark ins Wort gefallen. Dieser ging daraufhin zu Konterangriffen über. Beide überzogen sich zudem mit Beleidigungen. Moderator Chris Wallace gelang es nicht, für Ordnung zu sorgen.

          Am Mittwoch bezeichnete Biden vor Journalisten in Ohio den Auftritt Trumps als „Peinlichkeit für das Land“. Der amerikanische Präsident habe 90 Minuten lang alles versucht um abzulenken. „Trump hat keinen Plan, keine Ideen“, sagte Biden. Auf die Frage, was er unentschiedenen Wählern sage, die die Debatte gesehen hätten und genug von der Politik hätten, sagte der Demokrat: „Ich kann es verstehen.“

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          Trump ruderte derweil nach seinem scharf kritisierten Aufruf an eine rechtsradikale Gruppe, sich „bereit zu halten“, zurück. „Sie müssen sich zurückziehen und die Polizei ihre Arbeit machen lassen“, sagte Trump am Mittwoch in Washington. Zugleich beteuerte der Präsident, er kenne die gewaltbereite Gruppierung „Proud Boys“ nicht, die er noch am Vorabend namentlich erwähnt hatte: „Ich weiß nicht, wer die ,Proud Boys' sind.“

          Trump hatte sich beim TV-Duell mit seinem Wahl-Herausforderer Joe Biden direkt an die rechtsradikale Gruppe gewandt: „,Proud Boys' – haltet euch zurück und haltet euch bereit." Der Präsident reagierte damit auf die Frage des Moderators,  ob er bereit sei, sich von rassistischen Gruppen zu distanzieren – und löste empörte Reaktionen unter anderem von Bürgerrechtsaktivisten aus. Wofür sich die „Proud Boys“ (Deutsch: etwa stolze Jungs oder stolze Kerle) genau „bereit“ halten sollten, ließ Trump offen. Die am Dienstagabend geäußerten Worte („stand back and stand by") sind auf Englisch sehr ähnlich zu dem Ausdruck, den Trump am Mittwoch verwendete ( „stand down“), um rechte Gruppierungen aufzufordern, sich zurückzuziehen und die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen.

          Die nächsten beiden TV-Duelle finden am 15. und 22. Oktober statt. Die Debatte am 15. in Miami moderiert von Steve Scully vom Sender C-SPAN – soll im Townhall-Format ablaufen, in dem das Publikum Fragen stellen kann. Das würde es ohnehin schwieriger machen, dass sich die Politiker gegenseitig ins Wort fallen. Die dritte und letzte Debatte leitet Kristen Welker von NBC News. Am 7. Oktober treffen zudem Vizepräsident Mike Pence und Bidens Vize-Kandidatin Kamala Harris aufeinander.

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