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Digital campaigning in Amerika : Wahlwerbung für kaukasische Demokraten mit braunem Haar

  • -Aktualisiert am

Trump während eines Wahlkampfauftritts am Samstag in Phoenix Bild: AP

In den letzten Tagen vor der Wahl kämpfen Clinton und Trump um die Unentschlossenen. Neue Technologien sorgen dafür, dass sie so gezielt angesprochen werden können wie nie zuvor - doch die Unterschiede zwischen beiden Lagern sind gewaltig, sagt Politikberater Jim Walsh.

          4 Min.

          Jim Walsh arbeitet seit vielen Jahren für demokratische Wahlkampfteams in den Vereinigten Staaten und wurde vom Magazin „Campaigns & Elections“ vor einiger Zeit zum „Influencer 50“ gewählt, zu einem der einflussreichsten Berater im Bereich des digitalen Wahlkampfes. Als Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens „DSPolitical“ hat sich Walsh einen Namen gemacht, weil er neue Techniken entwickelte, mit denen Wahlbotschaften viel zielgenauer als bislang auf die jeweiligen Empfänger zugeschnitten werden können. Bei dieser Wahl, bei der der Kampf um die Unentschlossenen so hart geführt wird wie lange nicht mehr, könnte das bedeutend werden - und das Rennen am Ende vielleicht sogar entscheiden.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Mr. Walsh, Sie beschäftigen sich seit langem mit digitalen Wahlkampagnen. Wie geschickt nutzen Hillary Clinton und Donald Trump dieses Werkzeug?

          Hillary Clinton und ihr Team wissen sehr genau, wie digital campaigning funktioniert, und räumen ihm sicherlich einen hohen Stellenwert ein. Barack Obama, der immer für seine neue Art des Wahlkampfes gerühmt wird, verwendete 2012 rund 15 Prozent seines Medienbudgets für digitale Wahlwerbung, bei Clinton sind es sicher 30 bis 40 Prozent. Bei Donald Trump sieht die Sache hingegen anders aus, sein Wahlkampf wird generell wie von einem Verrückten geführt. Das gilt auch für seine digitalen Aktivitäten.

          Haben Sie ein konkretes Beispiel?

          Politikberater Jim Walsh
          Politikberater Jim Walsh : Bild: DSPolitical

          Ja, mich selbst. Wer sich nur ein bisschen mit mir beschäftigt, merkt schnell, dass ich in den letzten Jahren ausschließlich für demokratische Kampagnen gearbeitet habe. Meine politische Präferenz ist also alles andere als ein Geheimnis. Trotzdem war die einzige digitale Wahlwerbung, die ich bislang vom Trump-Lager erhalten habe, eine Spendenaufforderung. Das zeigt, wie planlos Trumps Team agiert. Ich glaube, es hat in der amerikanischen Geschichte noch nie eine Wahlkampagne gegeben, die so dumm und undiszipliniert war wie seine. Jede Schlagzeile ist eine gute Schlagzeile, das ist das Einzige, woran Trump glaubt. Was in der Schlagzeile steht, ist ihm herzlich egal.

          Mit Ihrem Unternehmen haben Sie in den vergangenen Jahren an personalisierter digitaler Wahlwerbung gearbeitet. Was ist das Neue daran?

          Früher kannten Wahlkämpfer von ihren Wählern nur die Postleitzahl. Das heißt, wenn es darum ging, die 5000  Unentschlossenen unter 100.000 Wählern zu überzeugen, musste man die Kampagne trotzdem für alle machen und verbrannte damit einen Haufen Geld. Noch dazu war die Werbung vielleicht nicht für alle die richtige, weil man zwar manche unentschlossenen enttäuschten Republikaner davon überzeugen konnte, jetzt demokratisch zu wählen, dafür aber nicht mehr die enttäuschten Demokraten, die vielleicht eine andere Ansprache gebraucht hätten. Mit der neuen Technik können wir die verschiedenen Gruppen nun viel genauer als früher identifizieren und sie individuell mit der passenden Wahlwerbung bespielen.

          Wie funktioniert das?

          Vereinfacht gesagt kaufen wir gewaltige Mengen an Cookie-Daten, die von speziellen Datenhändlern angeboten werden. Unserem Unternehmen gehören rund 800 Millionen Cookie-Daten, die Nutzer im Netz hinterlassen haben: Wer hat sich wann auf welchem Browser eingeloggt, welche Mailadresse hat er in Diensten wie Amazon oder Yahoo benutzt, welche Seiten hat er besucht? Diese Datensätze vergleichen wir dann mit den sehr detaillierten Wählerdaten, die in Amerika in vielen Bundesstaaten öffentlich sind, und suchen nach Gemeinsamkeiten.

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