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Milliardär Sheldon Adelson : 100 Millionen Dollar für Mitt Romney

Sheldon Adelson, der Magnat von Las Vegas, würde 100 MIllionen Dollar zahlen, um einen Sieg Obamas zu verhindern Bild: ddp images/AP/Kin Cheung

Barack Obamas Wahlkämpfer wollen Anhänger mobilisieren, indem sie vorrechnen, wie viele Milliarden Dollar Sheldon Adelson dank Mitt Romneys Steuerplänen verdienen würde. Adelson hat indes noch ganz andere Interessen.

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          David Axelrod hat eine einfache Erklärung: Sheldon Adelson geht es ums Geld. Deshalb bittet Axelrod seinerseits um Geld, nämlich für den Wahlkampf von Präsident Barack Obama. David Axelrod ist seit vielen Jahren einer der engsten Weggefährten von Barack Obama, bei den Wahlen vor vier Jahren war er dessen Wahlkampfmanager. Nach Obamas Wahlsieg im November 2008 ging Axelrod zunächst mit nach Washington, wo er Chefberater im Weißen Haus wurde. Anfang 2011 kehrte er nach Chicago zurück, um dort abermals das Hauptquartier für die Kampagne zu Obamas erhoffter Wiederwahl am 6. November aufzuschlagen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Dafür braucht Axelrod Geld, viel Geld. Am Wochenende hat David Axelrod deshalb in einer Massen-E-Mail an Anhänger und potentielle Spender die Sache mit Sheldon Adelson vorgerechnet. Adelson, den Axelrod als „konservativen Milliardär“ beschreibt, würde demnach im Falle eines Wahlsieges des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney einen riesigen Profit machen, weil Romney die Steuern für Reiche und vor allem für im Ausland erzielte Gewinne senken wolle: „Wenn Mitt Romney gewinnt, bedeutet das zwei Milliarden mehr für Adelson. Wenn Barack Obama gewinnt, bezahlen auch Millionäre und Milliardäre ihren fairen Anteil.“ Dann bittet Axelrod noch rasch um eine großzügige Spende für Obama, um einen Sieg Romneys verhindern zu helfen.

          Wiederwahl Obamas verhindern

          Das Argument mit Adelsons Extraprofit passt in die Strategie Axelrods und Obamas, Romney als den reichen Kandidaten darzustellen, der im Falle eines Wahlsiegs die Superreichen begünstigen und die Not der Mittelschicht verschlimmern würde. Aber Adelson unterscheidet sich von den anderen superreichen Spendern Romneys, die sich im Hintergrund halten und versuchen, möglichst nicht aufzufallen: Er hat öffentlich angekündigt, dass er bis zu 100 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen dafür ausgeben wolle, um die Wiederwahl Obamas zu verhindern. Bei einer Verwirklichung von Romneys Steuerplänen wäre das keine schlechte Investition - aber ginge es Adelson nur darum, würde er es dann so offen machen?

          Dass Leute wie er überhaupt so viel Geld in den Wahlkampf ihrer Kandidaten pumpen können, liegt an einem Urteil des Obersten Gerichts vom Januar 2010. In dem Verfahren der konservativen Organisation „Citizens United“ gegen die Bundeswahlkommission entschied der Supreme Court mit der Mehrheit der fünf konservativen Richter, dass Geldspenden für politische Interessengruppen als Akt der freien Rede von der Verfassung geschützt seien und daher nicht eingeschränkt werden dürften. Zwar bleibt es bei der Beschränkung des Wahlgesetzes, wonach jeder Bürger pro Jahr höchstens 2500 Dollar an Kandidaten und deren offizielle Wahlkampagnen spenden darf. Aber Zuwendungen an die sogenannten „Super Political Action Committees“ (Super PACs) sind unbeschränkt möglich, sofern diese den Anschein der organisatorischen Unabhängigkeit von den Wahlkampagnen eines Kandidaten oder eine Partei wahren.

          Sheldon Adelson wurde 1933 als Sohn jüdischer Einwanderer aus der Ukraine geboren und wuchs in Boston auf. Der Vater war Taxifahrer, die Mutter betrieb ein Geschäft für Strickwaren. Noch vor dem Abschluss der Universität war Adelson als Hypothekenmakler sowie als Finanz- und Investitionsberater erfolgreich. Seinen Aufstieg zu einem der reichsten Männer Amerikas verdankt Adelson dem Gespür für künftige Wachstumsmärkte. 1979 entwickelte er mit einem Geschäftspartner die Computermesse „Comdex“, die bis weit in die neunziger Jahre hinein eine der international wichtigsten Fachmessen für Informationstechnologie bleiben sollte. 1995 verkaufte Adelson seine Anteile an der Messegesellschaft für rund 500 Millionen Dollar.

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