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Jacke der First Lady : Was genau ist Melania Trump egal?

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

„Es ist mir wirklich egal. Und Dir?“ steht auf der Jacke, die Melania Trump beim Besuch eines Heims für Migrantenkinder an der Grenze zu Mexiko trägt. Und Amerika rätselt: Meint die First Lady damit das Leid an der Grenze? Oder doch eher ihren Mann?

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          In einer medienträchtigen Inszenierung hat die amerikanische Präsidentengattin Melania Trump ein Heim für Migrantenkinder an der Grenze zu Mexiko besucht – ein Großteil der öffentlichen Aufmerksamkeit wurde dabei aber durch ihre rätselhafte Kleiderwahl absorbiert. Beim Besteigen des Flugzeugs in Richtung Texas trug die First Lady eine olivgrüne Khakijacke mit Kapuze, auf deren Rückseite der Spruch prangte: „Es ist mir wirklich egal. Und Dir?“

          In den Onlinetzwerken setzten sofort die Spekulationen ein, ob es sich einfach um eine unbedachte Kleiderwahl handelte oder die Präsidentengattin eine verschlüsselte Botschaft aussenden wollte. „Unbedacht“ sei Melanias Wahl, hieß es in Kommentaren, „herzlos“ und „gefühllos“. „Es war nur ihre Jacke“, sagte die Kommunikationsdirektorin der First Lady Stephanie Grisham nach einem Bericht der „New York Times“. „Es gab keine versteckte Botschaft.“

          Doch das wollen viele Beobachter nicht so recht glauben. Die First Lady wisse sehr genau, dass sie ständig unter Beobachtung stehe und jederzeit fotografiert wird, vermutet auch Vanessa Friedman, die Autorin in der „New York Times“. Und nicht erst die erboste Kritik nach ihrem Besuch bei den Flutopfern in Texas, als sie in High Heels ins Katastrophengebiet von „Harvey“ stöckelte, müsse Melania Trump doch gelehrt haben, dass die Frage, was die First Lady am Leib trägt, immer auch als politisches Statement interpretiert werden könne. „Es ist völlig unwahrscheinlich, dass sie einfach ihre ,Zara'-Jacke übergeworfen hat, weil sie gerade zur Hand und auch ziemlich cool war“, schreibt Friedman in der „New York Times“.

          Was aber war dann Melanias Jacken-Botschaft? Bezog sich der Spruch „Es ist mir wirklich egal. Und Dir?“ tatsächlich auf die menschlichen Tragödien der Migrantenkinder, die an der Grenze zu Mexiko von ihren Eltern getrennt werden, was Donald Trump erst nach massiven Protesten gestoppt hat? War die Aussage an die Kritiker ihres Mannes, des Präsidenten, gerichtet? Oder war gerade Donald Trump selbst gemeint, weil Melania mit der Politik ihres Mannes nicht einverstanden ist und angeblich maßgeblich dazu beigetragen haben soll, dass er das Ende der Familientrennungen an der Grenze angeordnet hat? Schon, dass Melania das Kinder-Aufnahmezentrum besuchte, lasen manche schließlich als öffentliches Statement, dass die First Lady mit dem Vorgehen ihres Mannes in dieser Frage nicht einverstanden sei.

          Die Spekulationen nach dem „jacket-gate“ kennen – mal wieder – keine Grenzen. Für Donald Trump ist das nicht ungefährlich. Wohl deshalb bemühte er sich am Donnerstagabend, seine Interpretation der Dinge zu verbreiten. Melania habe mit ihrer Jacke die Medien für falsche Berichte kritisieren wollen, twitterte der Präsident. Der Spruch „bezieht sich auf die Fake-News-Medien“, schrieb Trump. „Melania hat gelernt, wie unehrlich sie sind, und es ist ihr inzwischen wirklich egal!“ Kann sein. Doch die Frage, wer oder was der First Lady wirklich egal ist, bleibt.

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