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Wikileaks-Enthüllungen : Erkaltete Liebe zum Leck

  • -Aktualisiert am

Der Präsident zu Gast: Trump einen Tag nach seiner Amtseinführung in der Zentrale der CIA in Langley Bild: Reuters

Das von Trump einst gerühmte Wikileaks legt die Werkzeuge der CIA offen. Seit Wochen erklärt der Präsident undichte Stellen in den Diensten zum Skandal. Oder haben die Russen angegriffen?

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          Am Mittwochmorgen fiel in Washington am meisten der Tweet auf, den Donald Trump nicht schrieb. Zwischen Anmerkungen zum Weltfrauentag und zum Arbeitsmarkt verlor der Präsident nach dem Aufstehen kein Wort über den jüngsten Coup von Wikileaks. Am Dienstag hatte die Gruppe der Welt einen beispiellos tiefen Blick in den Cyber-Werkzeugkoffer der CIA gewährt. Nach Lektüre Tausender Seiten, die nur ein Anfang sein sollen, muss sich niemand mehr auf Hollywood-Thriller berufen, der überzeugt ist, dass Amerikas Spione mit Leichtigkeit Smartphones knacken oder Fernseher in Wanzen verwandeln können. Das FBI fahndet angeblich bereits nach der undichten Stelle. Offiziell hieß es dort wie bei der CIA und im Weißen Haus aber nur: kein Kommentar.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Ausgerechnet jetzt schwieg Trump, der in den vergangenen Wochen und Monaten so markige Worte zu Wikileaks, zur CIA, zum angeblich fahrlässigen Umgang der Obama-Regierung mit Staatsgeheimnissen und überhaupt zu Durchstechereien aus den Sicherheitsbehörden gefunden hatte. Trump steckt im Dilemma. Die Enthüllungen könnten die Fähigkeit der CIA schwächen, Terroristen und andere Verdächtige auszuspionieren. Im Silicon Valley empören sich wieder einmal die großen Kommunikationskonzerne darüber, dass Regierungsbehörden Hackern in aller Welt Informationen über Sicherheitslücken in ihren Betriebssystemen abkaufen und dann horten, ohne die Hersteller zu warnen. Als Apple sich voriges Jahr weigerte, dem FBI einen „Schlüssel“ für das Telefon des Attentäters von San Bernardino zu geben, hatte sich der Kandidat Trump klar auf die Seite der Strafverfolger gestellt.

          Cyberspionagebetreibung in Frankfurt am Main

          Doch später im Wahlkampf verkündete er: „Ich liebe Wikileaks.“ Denn da hatte die Gruppe gestohlene E-Mails von Demokraten veröffentlicht, die Hillary Clinton schadeten – und die den Verdacht amerikanischer Sicherheitsleute nährten, dass Wikileaks wissentlich oder unwissentlich zum Handlanger des Kremls geworden sei. Eine echte „Schatzgrube“ sei die Enthüllungsplattform, schwärmte Trump. Führende Meinungsmacher aus seinem Orbit wie der Fox-News-Moderator Sean Hannity oder die Tea-Party-Ikone Sarah Palin begannen plötzlich, den in Ecuadors Londoner Botschaft sitzenden Wikileaks-Gründer Julian Assange als aufrechten Demokratieretter zu bejubeln.

          Nach seinem Amtsantritt aber schlug Trump andere Töne an, wann immer es um „Lecks“ im Regierungsapparat ging. Der Präsident versprach eine gnadenlose Strafverfolgung von Informanten und bezeichnete sie als „unamerikanisch“. Vor allem von Enthüllungen über Kontakte zu Russland und vom Rauswurf seines Sicherheitsberaters Michael Flynn suchte Trump abzulenken, indem er verkündete: „Die eigentliche Story sind die illegalen Durchstechereien.“ Im Fall der jüngsten Wikileaks-Veröffentlichungen ist das eine Einschätzung, die viele Fachleute teilen. Die gesellschaftliche Sprengkraft wird viel kleiner eingeschätzt als die der Enthüllungen durch Edward Snowden. Die von ihm entwendeten Dokumente hatten das Ausmaß der NSA-Datensammlung beschrieben und offengelegt, dass auch amerikanische Bürger betroffen sind. Die neuen Dokumente dagegen besagen nichts über die Breite des Einsatzes der CIA-Instrumente; Anwendungsbeispiele fehlen. Sie bestätigen vielmehr die Einschätzung von Fachleuten, dass der Auslandsgeheimdienst über potente Werkzeuge zur Überwachung verdächtiger Personen verfügt.

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