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Jetset und Politik : Das süße Leben des Barack O.

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Gipfel der Entspannung oder der Inszenierung? Anfang des Jahres flog Barack Obama zum Kitesurfen auf die Britischen Jungferninseln – auf Einladung des Unternehmers Richard Branson Bild: AP

Was macht eigentlich Barack Obama? Der frühere Präsident genießt sein glamouröses Leben und hohe Beliebtheitswerte. Auch in politische Diskussionen mischt er sich wieder ein, zuletzt fand er deutliche Worte zur Abschaffung von Obamacare. Doch es gibt Kritik.

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          Ein Bodyguard steht vor der Tür, Hunderte Menschen blockieren die Straße, sie jubeln und machen Fotos. So sieht es aus, wenn sich der frühere amerikanische Präsident Barack Obama einen Kaffee zum Mitnehmen holt, zum Beispiel im Februar in New York.

          Viele Amerikaner lieben Obama, und sie gönnen ihm den Spaß, den er am „Leben danach“ hat. Egal, ob er im Smoking oder in Khakihosen fotografiert wird, seine Fans rufen ihn und Ehefrau Michelle in den sozialen Netzwerken zu Modeikonen aus. Sie jubeln auch dann, wenn Obama Golf spielt oder mit Milliardär Richard Branson im Yachturlaub ist – denn das hat er sich schließlich verdient. Obama kann kaum etwas falsch machen. Seine Beliebtheitswerte sind bei 63 Prozent Zustimmung. Der ehemals mächtigste Mann der Welt muss keine unpopulären Entscheidungen mehr treffen – und er und seine Frau Michelle sehen extrem gut aus auf Fotos.

          „Niemand in der Geschichte hat die Rente besser hinbekommen“, jubelte die sonst nicht besonders menschenfreundliche Promi-Postille „TMZ“. Im Süden von Los Angeles wird gerade diskutiert, ob man noch zu seinen Lebzeiten eine Straße nach Obama benennen sollte. Und die American Association for the Advancement of Science listet neun neu entdeckte Lebewesen, die nach Obama benannt wurden – darunter bunte Fische und ein Vogel, aber auch Spinnen und Würmer. Immerhin, Theodore Roosevelt sei nur auf sieben gekommen.

          Obama zeigt seinen Fans gern, wie er das Leben nach dem Weißen Haus genießt. Seine Twitter-Fotos zeigen ihn strahlend, entspannt, im Porträt und mit seiner jüngeren Tochter Sasha vor einem Bergpanorama, dazu die Bildunterschrift: „Vater, Ehemann, Präsident, Bürger“. Michelle Obama sieht man öfter im Fitness-Outfit, und mit ungeglättetem Haar. Dann jubelt das Internet, besonders die Frauen: Eine von uns.

          Die Obamas machen indessen keinen Hehl daraus, dass sie nicht gerade Durchschnittsbürger sind. Und kaum jemand findet, dass sie sich dafür rechtfertigen müssten. Obama bekommt den Satz für Ex-Präsidenten, über 200.000 Dollar im Jahr plus Hunderttausende für Büro und Angestellte, hinzu kommen Honorare, Buchverträge, sonstiges Privatvermögen. Im Washingtoner Nobel-Vorort Kalorama bewohnen die Obamas eine Villa zur Miete, sie hat acht Schlafzimmer. Ivanka Trump und Jared Kushner wohnen in der Nähe.

          Obama will Bürger unter Bürgern sein

          Dass Obama so beliebt ist, liegt auch daran, dass er sich keineswegs aus dem öffentlichen Leben zurückziehen will. Vom Ende seiner Präsidentschaft an erklärte er, dass er sich auch künftig einmischen wolle – als Bürger. Und viele Menschen nehmen ihm das ab. Dabei ist Obama meist recht zurückhaltend. Klare Angriffe auf Donald Trump und die Republikaner vermied der frühere Präsident bisher. Bei seinem Besuch in Berlin sagte er vor Kurzem: „In dieser neuen Welt, in der wir leben, können wir uns nicht isolieren. Wir können uns nicht hinter Mauern verstecken.“ Das wurde auch in den Vereinigten Staaten als einer der deutlicheren Sätze in Richtung des Nachfolgers gewertet.

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