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Gore gegen Bush 2000 : 36 Tage Unsicherheit

Was will uns dieser Wähler sagen? Auszähler im Broward County in Florida versuchen am 23. November 2000 das Wahlergebnis zu bestimmen. Bild: Picture-Alliance

Donald Trump hat offengelassen, ob er eine Niederlage anerkennen wird. Seine Anhänger berufen sich auf die Wahl im Jahr 2000. Damals dauerte der Streit um das Ergebnis über einen Monat.

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          Donald Trump baut schon jetzt für den Fall einer Niederlage bei der Präsidentenwahl in Amerika vor. Der Kandidat der Republikanischen Partei schwadroniert bei fast all seinen Auftritten davon, dass er nur verlieren könne, wenn die Wahl manipuliert sei, und beschwert sich über systematische Benachteiligung durch die Medien. Das ganze System sei fehlerhaft, sagt er und bestärkt damit seine Anhänger in ihrer Ablehnung des politischen Systems.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Aus dieser gefühlten Gewissheit heraus war es auch nur folgerichtig, dass Trump ankündigte, das Wahlergebnis nur im Fall seines Sieges sofort  anzuerkennen. Andernfalls müsse er es sich erst einmal anschauen, was geschehen sei.

          Diese Ankündigung hat für einen Aufschrei in Amerika gesorgt. Trump erkenne die Grundlagen der Demokratie nicht an, wird ihm vorgeworfen. Seine Anhänger verneinen das und behaupten, besonders die Medien legten einen Doppelstandard an. Schließlich habe es bei der Wahl im Jahr 2000, die der demokratische Kandidat Al Gore gegen George W Bush verlor, nur Zustimmung dafür gegeben, dass Gore vor Gericht gegen das knappe Wahlergebnis im Bundesstaat Florida vorgegangen sei.

          Doch zwischen den beiden Fällen gibt es einen großen Unterschied. Trump hat angekündigt, das Ergebnis erst prüfen zu wollen und sich dann vorzubehalten, es anzuerkennen oder nicht. Im Fall Gore gab es jedoch noch gar kein Ergebnis, als der damalige demokratische Kandidat erst seinem republikanischen Rivalen zum Wahlsieg gratulierte, dieses Eingeständnis dann zurück und danach vor Gericht zog.

          Grund dafür war das unglaublich knappe Ergebnis im Bundesstaat Florida. Erst erklärten die großen Fernsehsender am Abend des 7. November Gore zum Gewinner im „Sunshine State“. Doch als immer mehr Ergebnisse aus den republikanischen Hochburgen im Westen des Staates eintrafen, zogen sie diese Einschätzung zurück und schlugen den Staat Bush zu, was ihn zum Präsidenten gemacht hätte. In dieser Situation rief Gore Bush an und gratulierte ihn zu seinem Sieg. Das war aber zu früh.

          Da Bush nach der Auszählung nur 1784 Stimmen vor Gore lag – und das bei fast sechs Millionen abgegebenen Stimmen –, griff ein Gesetz des Bundesstaates, welches bei einem Unterschied von weniger als 0,5 Prozent zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten eine Neuauszählung der Stimmen vorschrieb. Als Gore dieser Entwicklung gewahr wurde, zog er seine Gratulation zurück, um das endgültige Ergebnis abzuwarten.

          Die Neuauszählung sollte mittels Maschinen durchgeführt werden, doch Gore beantragte vor einem Gericht eine Handauszählung. Diese Überprüfung der Wahlzettel führte zu den berühmten Bildern, in denen mehrere Menschen sich um einen Wahlzettel versammelten und darüber berieten, ob der Wählerwille auf ihm zu erkennen ist. Diese Interpretationsarbeit lag vor allem am Design der Wahlzettel. In Palm Beach beispielsweise wurden sogenannte „Schmetterlings“-Wahlzettel genutzt. Links und rechts der Mitte standen die Namen der Kandidaten und die Wähler mussten neben dem gewünschten Kandidaten ein Loch machen oder ein kleines Stück Papier ausstanzen.

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