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Faktencheck zur TV-Debatte : Wo Trump log und Biden flunkerte

  • Aktualisiert am

Teils bizarrer Schlagabtausch: In einem Hotel in Hollywood/Kalifornien verfolgen die Gäste das erste TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden Bild: AFP

So ein Fernsehduell gab es in der amerikanischen Geschichte wohl noch nie: Donald Trump und Joe Biden kritisierten einander auf das Heftigste und warfen sich gegenseitig Versagen vor. Aber stimmte auch, was sie über den anderen sagten? Ein Faktencheck.

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          Zum ersten Mal im Wahlkampf sind der republikanische Amtsinhaber Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden direkt aufeinandergetroffen. Bei der ersten TV-Debatte am Dienstag (Ortszeit) in Cleveland im Bundesstaat Ohio ging es unter anderem um die Corona-Pandemie, das Oberste amerikanische Gericht, die Integrität der Wahl und die Lage der amerikanischen Wirtschaft. „Wir hatten eine Lawine an Lügen von Präsident Trump„, sagte der Faktenchecker des Senders CNN, Daniel Dale, im Anschluss. Biden dagegen habe zwar auch einige falsche und irreführende Aussagen getätigt, habe aber größtenteils richtig gelegen. Ein prüfender Blick auf die Aussagen.

          Trumps Behauptung: „Er (Biden) will unser Land schließen.“

          Bewertung: Das ist irreführend.

          Fakten: Biden verspricht, die Corona-Pandemie mit Hilfe einer nationalen Strategie einzudämmen. So sagte er etwa, dass er dabei dem Rat von Wissenschaftlern und Gesundheitsexperten folgen würde. Falls diese zur Eindämmung der Pandemie neue Ausgangsbeschränkungen empfehlen sollten, würde er dem Folge leisten, sagte Biden. „Ich wäre bereit, alles Nötige zu tun, um Leben zu retten“, sagte er im Gespräch mit dem Fernsehsender ABC. In den Vereinigten Staaten gibt es fast 7,2 Millionen bestätigte Corona-Infektionen und mehr als 205.000 Todesfälle – so viele wie in keinem anderen Land der Welt.

          Trumps Behauptung: Man wisse nicht, wie viele Corona-Tote es in China, Russland und Indien gebe.

          Bewertung: In der absoluten Formulierung stimmt das nicht.

          Fakten: Es gibt weltweite Vergleichszahlen, etwa von der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität. Diese nutzt für ihre Angaben zum Beispiel nationale Gesundheitsbehörden oder die Weltgesundheitsorganisation WHO als Quellen sowie lokale Medienberichte. Demnach sind etwa in Indien bislang mehr als 96.000 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Die Vereinigten Staaten mit mehr als 205.000 Toten stehen in relativen Zahlen weltweit an der Spitze. Experten gehen allerdings von hohen Dunkelziffern aus.

          Bidens Behauptung: Einer von Tausend Afroamerikanern ist im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

          Bewertung: Richtig.

          Fakten: Die unabhängige Forschergruppe APM Research Lab hat Daten aus fast allen amerikanischen Bundesstaaten ausgewertet. Sie zeigen, dass einer von 1020 schwarzen Amerikanern nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben ist. Das entspricht rund 98 Todesfällen auf 100.000 Menschen. Einen so großen Anteil gibt es bei keiner anderen ethnischen Gruppe in den Vereinigten Staaten. Bei Indigenen sind es rund 82 Todesfälle auf 100.000 Menschen, bei Weißen nur rund 47.

          Trumps Behauptung: Der Immunologe und Präsidentenberater Anthony Fauci habe gesagt, „Masken sind nicht gut“. Dann habe er seine Meinung geändert.

          Bewertung: Das ist eine vereinfachte Darstellung.

          Fakten: Fauci hat in einem Interview mit dem Sender CBS News Anfang März – also zu einem frühen Zeitpunkt der Pandemie in den Vereinigten Staaten – gesagt: „Derzeit sollten Leute in den Vereinigten Staaten nicht mit Masken herumlaufen.“ Fauci begründete dies mit dem Mangel an Schutzmasken für Kranke und medizinisches Personal. Zudem sagte er, dass Masken nicht den „perfekten Schutz böten, den Menschen annähmen. Die Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt seit Anfang April, dass im Kampf gegen das Coronavirus auch gesunde Menschen ohne Symptome Stoffmasken in der Öffentlichkeit tragen sollten. Fauci weist immer wieder darauf hin, dass sich der Kenntnisstand über das Virus und die Verbreitung über die Monate verändert habe und sich Empfehlungen dadurch auch ändern können.

          Hatte seine Mühe mit Trump: „Fox“-Moderator Chris Wallace
          Hatte seine Mühe mit Trump: „Fox“-Moderator Chris Wallace : Bild: PBS

          Bidens Behauptung: Die Regierung habe in der Corona-Krise „nichts getan, um kleinen Unternehmen zu helfen“.

          Bewertung: Das stimmt nicht.

          Fakten: Konjunkturpakete, auf die sich Republikaner und Demokraten geeinigt hatten, beinhalteten auch Kreditprogramme für kleine und mittlere Unternehmen. Es wurde aber Kritik laut, dass die Hilfen die am stärksten betroffenen Unternehmen nicht erreichen würden. Zudem ist es nicht der alleinige Verdienst der Regierung, dass die Hilfen durchkamen.

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