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Wahlkampf in North Carolina : Das Ende der Weinerlichkeit

  • -Aktualisiert am

Zu hymnischen Klängen: Ein Trump-Anhänger salutiert, als der Kandidat der Republikaner am Mittwoch in Kinston landet. Bild: AP

In North Carolina wird es ein enges Rennen zwischen Trump und Clinton geben. Ausschlaggebend für die Wahl wird sein, wer die afroamerikanische Bevölkerung des Bundesstaats für sich gewinnen kann.

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          Die Sonne ist gerade untergegangen, Flutlichter beleuchten nun das Rollfeld des kleinen Regionalflughafens in Kinston, einer Kleinstadt im Osten North Carolinas. Das Vorprogramm der „Trump Rally“, das aus einigen Reden örtlicher Republikaner, dem Singen der „Stars-and-Stripes“-Hymne und besinnlichen Worten eines Pastors („Gott möge uns Hillary Clinton ersparen“) besteht, ist längst vorbei.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Am Horizont leuchten nun die Lichter eines Flugzeuges. Jubel brandet auf, der noch einmal lauter wird, als das Flugzeug mit der Aufschrift „Trump/Pence“ aufsetzt. Doch der Kandidat erscheint nicht. Eine halbe Stunde vergeht, da erleuchtet ein zweites Flugzeug den Himmel. Die Kombination aus Flutlicht und hymnischen Klängen, die ertönen, als Donald Trump am Mittwochabend auf die Bühne vor den Hangar tritt, bringt die Menge in Stimmung: „Trump, Trump, Trump, Trump“, erschallt es.

          Wie passt die Szene zur Weinerlichkeit der vergangenen Tage? Zu den Klagen, dass die Wahlen durch Hillary Clinton und die „Mainstream-Medien“ manipuliert würden? Und sich die eigene republikanische Führung höchst illoyal verhalte? Trump demonstriert Kampfeslust: „Wir werden North Carolina gewinnen und wir werden ins Weiße Haus einziehen“, ruft er gleich zu Beginn seinen Anhängern zu.

          Zwei Prozentpunkte liege er in einer Umfrage für Florida wieder vorn. Aber darüber berichteten die linken Medien ja nicht. Er wiederum berichtet nicht, dass andere Institute Clinton weiterhin vorne sehen. Und in North Carolina werde er auch gewinnen, sagt Trump. Man müsse sich nur die Schlangen vor seinen Veranstaltungen anschauen.

          Zunächst herrscht keine aggressive Stimmung

          Die Schlange in Kinston hatte sich bereits gegen Mittag gebildet. Mit Campingstühlen und Sonnenschirmen ausgerüstet haben Hunderte von Anhängern lange Wartezeiten in Kauf genommen. Dass Wahlkampf ein Geschäft auch für kleine Leute ist, zeigt sich an diesem sonnigen Nachmittag. Ein Trump-Devotionalienhändler ruft: „Ich habe Hüte und Fahnen“ – dann fügt er hinzu: „Ich habe auch ,Hillary for prison‘-Hüte“.

          Eine junge Frau hat sich eine blonde Perücke aufgesetzt und ist in einen orangefarbenen Overall geschlüpft. Am linken Unterarm hängt eine Handschelle herunter, mit der rechten Hand hält die falsche Hillary ein Schild hoch: „Lock her up!“ – Sperrt sie ein! Die Stimmung ist aber – anders als später vor dem Hangar – gar nicht aggressiv. Das Ganze hat einen spielerischen Show-Charakter. Die geschmackloseste Anti-Hillary-Kostümierung wird mit medialer Aufmerksamkeit belohnt. Es dauert nicht lange, bis die Kamerateams die schrille Perückenfrau entdeckt haben.

          Einige der Devotionalienhändler gehören zum örtlichen Trump-Team, andere sind einfach geschäftstüchtig und haben für ein paar Dollar T-Shirts bedrucken lassen – mit Sprüchen wie: „Hillary sucks – but not as well as Monica“. Das Sortiment inventarisiert die politische Kultur des Landes, die an einem Tiefpunkt angekommen ist. Über Bill Clintons Affäre vor zwanzig Jahren empört man sich hier noch immer. Trumps zotige Sprüche und übergriffiges Verhalten werden ignoriert oder als Teil der vermeintlichen linken Verschwörung abgehakt.

          „Unter Trump werden sich die Dinge ändern“

          Während in der Schlange hauptsächlich weiße Männer und Frauen in Jeans mit Übergröße stehen, sind die Devotionalienhändler fast ausschließlich Afroamerikaner. Antoine ist einer von ihnen. Er ist 34 Jahre alt und kommt aus dem Nachbarstaat South Carolina. Die Frage, was ihn ins Trump-Team gebracht hat, beantwortet er ganz offenbar nicht zum ersten Mal. Er lächelt milde und sagt: „Ich bin die leeren Versprechungen einfach leid.“ Er meine Washington im Allgemeinen und Hillary Clinton im Besonderen. „Und ich mag es auch nicht, dass Barack Obama mir vorschreibt, wen ich zu wählen habe, nur weil ich schwarz bin.“

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