https://www.faz.net/-gpf-9w583

Blamage der Demokraten : Das nächste Geschenk für Trump

  • -Aktualisiert am

Von begeisterungsfähig bis leicht entflammbar: Anhänger von Bernie Sanders warten am Montagabend in Iowa auf den Auftritt ihres Favoriten Bild: AFP

Die Gegner des Präsidenten vermasseln ihren ersten großen Moment im Wahlkampf. Trump kann nun tun, was schon 2016 funktionierte: an der Demokraten-Basis Zweifel am Verfahren zu säen.

          2 Min.

          Was für ein Omen für das Wahljahr 2020! Im Weißen Haus sitzt Donald Trump und kann als mittlerweile unangefochtener Gebieter über die Republikanische Partei in Seelenruhe an seiner Rede zur Lage der Nation feilen, in der er an diesem Dienstagabend seine tatsächlichen und eingebildeten Erfolge bejubeln wird. Schließlich ist sein Freispruch im Impeachment-Verfahren am Tag danach ausgemachte Sache. Derweil die Demokraten in Iowa ihren ersten großen Auftritt im Vorwahlkampf verpatzt haben. Dass es am Morgen nach den „Caucuses“ in Iowa noch keinen Sieger, ja überhaupt kein halbwegs offizielles Ergebnis gibt, das hat es noch nicht gegeben.

          In den Wahlkampfstäben der maßgeblichen demokratischen Bewerber brodelt es. Sie haben zwischen 104 (Elizabeth Warren) und 191 (Amy Klobuchar) Auftritte in dem dünn besiedelten Agrarstaat absolviert, in dem noch die Wähler auf der abgelegensten Farm eine Art Gewohnheitsrecht beanspruchen, dass sich ihnen die politische Prominenz in ihrem nächsten Gemeindezentrum vorstellt.

          Die Bewerber haben nicht der Delegiertenstimmen wegen sechzig bis hundert Tage in einem Staat verbracht, der weniger als ein Prozent der amerikanischen Bevölkerung stellt: Iowa entsendet nur 41 der 3979 gewählten Delegierten zum Nominierungsparteitag im Juli. Die Bewerber haben sich dieser an sich liebenswerten Ochsentour unterzogen, um Schub zu kriegen. Sie haben es für ihre Fernsehauftritte am Montagabend getan.

          Bernie Sanders und Pete Buttigieg glauben aufgrund ihrer internen Zählungen offenbar jeweils, den Sieg in Iowa errungen zu haben. Sollte sich das bestätigen, werden sich auch ihre Anhänger um einen großen, einen womöglich prägenden Moment geprellt fühlen. Besonders die ohnehin leicht erregbaren Sanders-Aktivisten werden das nicht achselzuckend hinnehmen. Sie hatten schon vor vier Jahren im faktischen Zweikampf gegen Hillary Clinton in Iowa geargwöhnt, das „Establishment“ habe sie um einen Sieg betrogen.

          Darüber hatte sich die Partei in Iowa einen langjährigen, erbittert ausgefochtenen Bruderzwist geliefert und sich dann neu aufgestellt. Neue, aufwendigere Verfahren beim Caucus sollten zu mehr Transparenz führen. Stattdessen stifteten sie Chaos. Trumps Leute haben bereits begonnen, die Saat des Zweifels auszubringen. „Es wäre ganz natürlich, wenn die Leute nun die Fairness des Verfahrens bezweifeln“, twitterte der Wahlkampfmanager des Präsidenten. Schon 2016 hatte es sich für die Republikaner ausgezahlt, das Narrativ einer von Hillary Clinton beherrschten Partei zu verbreiten, gegen die ein Bernie Sanders von vornherein keine Chance gehabt habe.

          Die Demokraten wären gut beraten, diesem zersetzenden Diskurs geschlossen entgegenzutreten. Doch Eintracht ist nicht die Währung eines innerparteilichen Wahlkampfs; die Kandidaten und ihre Leute werden ihren Unmut kaum unterm Deckel halten. Gut möglich, dass Iowas Tage als Austragungsort der ersten Vorentscheidung im Vorwahlkampf nun gezählt sind. Ohnehin wurde diese Sonderstellung des Agrarstaats mit der überwiegend weißen Bevölkerung längst von einer Partei in Frage gestellt, die sich zunehmend im urbanen Milieu zu Hause fühlt und in Wahlkämpfen vor allem Angehörige ethnischer Minderheiten umwirbt. Auch das wäre freilich ein Geschenk für die Republikaner, die den Demokraten ohnehin gern vorwerfen, dem „guten, alten Amerika“ den Rücken gekehrt zu haben.

          Nicht nur für Iowa, für die ganze Partei ist der Imageschaden groß. Für den Spott werden die Demokraten nicht sorgen müssen. Sticheleien des Präsidenten bei der „State of the Union“ werden dabei noch nicht das Schlimmste sein.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spontane Proteste gegen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Madrid am Freitagabend.

          Corona in Spanien : Die Angst vor dem Notlazarett

          Die Infektionszahlen in der spanischen Hauptstadt explodieren und die Verwaltung weiß sich nur mit selektiven Ausgangssperren zu helfen. Das öffentliche Leben wird für einen Teil der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.
          Der erste Streich: Gnabry nimmt Maß und trifft.

          8:0 gegen Schalke : Die Acht-Tore-Ansage

          Der FC Bayern demonstriert zum Saisonauftakt der Bundesliga seine Überlegenheit und demontiert den FC Schalke nach allen Regen der Fußball-Kunst. Serge Gnabry trifft beim 8:0 drei Mal.
          Der Abteilungsleiter für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, Keith Krach, traf am 18. September in Taiwan mit Ministerpräsident Su Tseng-chang zusammen.

          Militärmanöver : Plant China einen Angriff auf Taiwan?

          Amerikas Beziehungen mit Taiwan werden immer enger. Nun plant Washington neue Waffenverkäufe an Taipeh – und verärgert damit China. Peking verschärft seine Drohgebärden in Richtung der Insel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.