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Coronavirus in Amerika : Trump heizt Proteste an

Will mit Blick auf die Präsidentenwahl im Herbst als guter Corona-Krisenmanager dastehen: Donald Trump Bild: EPA

In mehreren amerikanischen Bundesstaaten gab es Proteste gegen die Anti-Corona-Maßnahmen. Unterstützung dafür kommt vom Präsidenten. Er ruft zur „Befreiung“ von Minnesota, Michigan und Virginia auf – die von Gouverneuren der Demokraten regiert werden.

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat sich mit mehreren Twitter-Botschaften hinter Demonstranten gestellt, die ein Ende der Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus fordern. „Befreit Minnesota!“ und „Befreit Michigan!“, schrieb Trump am Freitag auf Twitter, gefolgt von: „Befreit Virginia, und rettet euren großartigen zweiten Verfassungszusatz. Er steht unter Belagerung!“ Der zweite Zusatz zur amerikanischen Verfassung garantiert das Recht auf Waffentragen.

          Alle drei Bundesstaaten werden von demokratischen Gouverneuren regiert, die strenge Schutzmaßnahmen erlassen haben. In mehreren Bundesstaaten war es in den vergangenen Tagen zu Demonstrationen gegen die Maßnahmen gekommen. Der demokratische Gouverneur von Washington, Jay Inslee, verurteilte die „illegalen und gefährlichen“ Äußerungen Trumps am Freitag. „Er bringt Millionen Menschen in Gefahr, an Covid-19 zu erkranken. Seine verstörenden Tiraden und seine Aufrufe, wonach Menschen Bundesstaaten ‚befreien‘ sollen, könnten auch zu Gewalt führen“, hieß es in einer Mitteilung Inslees. „Der Präsident ist entgleist.“

          Ebenfalls am Freitag griff Trump den demokratischen Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo an, mit dem er sich bereits mehrere Male einen Schlagabtausch geliefert hat. Trump twitterte während der täglichen Pressekonferenz Cuomos, dieser sollte „mehr Zeit auf das ‚Machen‘ und weniger Zeit auf das ‚sich Beschweren‘ verwenden“. Cuomo erwiderte mit Blick auf Trump: „Wenn er Zuhause sitzt und Fernsehen schaut, sollte er vielleicht aufstehen und zur Arbeit gehen.“

          Trump hatte am Donnerstag neue Richtlinien vorgestellt, um die Vereinigten Staaten schrittweise zur Normalität zurückzuführen und die Wirtschaft graduell wieder zu öffnen. In den Vereinigten Staaten ist die Arbeitslosigkeit wegen der Corona-Krise dramatisch angestiegen.

          Wegen der im November anstehenden Präsidentschaftswahl gerät Trump unter zunehmenden Druck. Nach einer Umfrage des Forschungsinstituts Pew Research Center meinen 65 Prozent der Amerikaner, Trump habe zu spät auf die Corona-Bedrohung reagiert. 66 Prozent sorgen sich, dass die Bundesstaaten Schutzmaßnahmen zu früh aufheben könnten.

          In mehr als 40 der 50 amerikanischen Bundesstaaten gelten derzeit Ausgangsbeschränkungen. Trump hatte mehrfach deutlich gemacht, dass er sich ein Ende der Beschränkungen wünscht, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. In seinen Richtlinien gab er jedoch keinen Zeitplan vor und überließ die Entscheidung den Gouverneuren der einzelnen Staaten.

          Erste Bundesstaaten kündigen Lockerungen an

          Nach den neuen Richtlinien kündigten erste Bundesstaaten vorsichtige Lockerungen der Schutzmaßnahmen an. Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sagte am Freitag in Austin, derzeit geschlossene Läden könnten von Freitag nächster Woche an wieder öffnen, wenn sie Waren lieferten, schickten oder zur Abholung bereitstellten. Mit der Wiedereröffnung von Parks unter Verwaltung des Bundesstaats werde bereits am Montag begonnen. Besucher müssten aber Schutzmaßnahmen befolgen. Schulen blieben in diesem Schuljahr geschlossen.

          Minnesotas Gouverneur Tim Walz kündigte am Freitag an, dass unter anderem Parks, Wanderwege, Golfplätze, Freiluft-Schießstände und Läden zum Verkauf von Angelködern wieder öffnen könnten, wenn Besucher Schutzmaßnahmen befolgten. „Es ist wichtig für uns, aktiv zu bleiben und die Natur zu genießen und gleichzeitig die Verbreitung von Covid-19 zu verhindern“, sagte Walz laut einer Mitteilung. In Vermont können unter bestimmten Bedingungen Händler wieder öffnen und Bauarbeiten wieder aufgenommen werden.

          Mindestens 7000 Corona-Tote in Seniorenheimen

          Laut einer Zählung der „New York Times“ vom Freitag sind in den Vereinigten Staaten mindestens 7000 Menschen in Seniorenheimen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Damit stehen rund ein Fünftel aller Todesfälle infolge der Corona-Pandemie landesweit in Verbindung mit einer solchen Einrichtung.

          Im am schlimmsten von der Pandemie getroffenen Bundesstaat New York seien in 72 Einrichtungen jeweils mindestens fünf oder mehr Todesfälle infolge des Virus registriert worden, berichtete die Zeitung weiter. Im benachbarten Bundesstaat New Jersey standen demnach insgesamt mehr als 1500 Corona-Todesfälle in Verbindung mit Pflegeeinrichtungen.

          In den Vereinigten Staaten gab es nach Erhebungen der Johns-Hopkins-Universität vom Freitagabend mehr als 36.000 Tote infolge einer Coronavirus-Infektion. Über 700.000 Menschen wurden positiv auf das Virus getestet – mehr als in jedem anderen Land der Welt.

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