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Aktienverkauf wegen Corona : Insider-Geschäfte im Senat?

  • -Aktualisiert am

Unangenehme Zeiten für Richard Burr: Die Ermittler werfen dem amerikanischen Senator vor, mit Insider-Informationen über das Coronavirus an der Börse gehandelt zu haben. Bild: AFP

Senator Richard Burr ist als Vorsitzender des Geheimdienstausschusses zurückgetreten. Er soll mit seinem Wissen über das Coronavirus Insider-Geschäfte an der Börse gemacht haben. Der Republikaner ist nicht der Einzige, der sich gegen diesen Vorwurf wehrt.

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          Die Aktion war direkt mit dem Justizministerium abgesprochen: Am Donnerstag standen FBI-Agenten vor der Tür von Richard Burr und beschlagnahmten sein Handy. Für den Senator aus North Carolina wird es damit jetzt unangenehm. Die Ermittler werfen ihm vor, mit Insider-Informationen über das Coronavirus an der Börse gehandelt zu haben. Burr gehörte als Vorsitzender des Geheimdienstausschusses zu den wichtigsten Politikern in Washington. Am Donnerstag trat er von dem Posten zurück.

          Burr war Anfang des Jahres einer der bestinformierten Männer in Washington. Als viele Menschen das Coronavirus noch für eine regionale Epidemie in China hielten, hatte er bereits besorgniserregendere Informationen. Durch tägliche Briefings hielten die amerikanischen Geheimdienste die Senatoren im Ausschuss auf dem Laufenden.

          Dienste wie die CIA und die NSA verfolgten nicht nur genauer als die allgemeine Öffentlichkeit, wie sich das Virus ausbreitete. Sie entwarfen auch schon im Januar und Februar Szenarien, wie es sich in einzelnen Ländern entwickeln könnte. Besonders Länder wie Iran und Indien gäben Anlass zur Sorge, hieß es in den Berichten. Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in anderen Ländern das Risiko für eine globale Verbreitung einschätzten, erfuhren die Politiker in Washington davon mit als Erstes. Aber das Letzte, was sie wollten, war, Panik zu verbreiten.

          Einbrüche in Gastronomie vorhergesehen

          Auch Präsident Donald Trump behauptete Ende Januar noch, alles sei gut und man habe die Verbreitung des Virus unter Kontrolle. Noch am 10. Februar, als es bereits einige wenige Fälle in den Vereinigten Staaten gab, versicherte Trump, das Virus werde „wundersam verschwinden“, sobald es wärmer werde.

          Dass es zu großen Einbrüchen der amerikanischen Wirtschaft kommen würde, glaubten damals nur wenige Menschen. Burr dachte schon weiter. Er hatte unter anderem in die Hotelbranche und in Restaurants investiert. Und mit seinem Informationsvorsprung war es wohl leicht vorstellbar, dass die Reiselust der Amerikaner in den kommenden Monaten abnehmen würde. Eine Recherche der Plattform „Pro Publica“ ergab, dass Burr und seine Frau Dutzende Aktien oder Aktienpakete verkauften, die bis zu 1,72 Millionen Dollar wert gewesen seien. Er brauchte dafür 33 Transaktionen und war schon am 13. Februar Beteiligungen los, die ihm sonst wohl erhebliche Verluste eingebracht hätten.

          Wenige Tage zuvor schrieb Burr noch einen Kommentar für die Webseite des Senders Fox News und versicherte den Amerikanern, die Regierung sei auf eine Epidemie „besser vorbereitet als jemals zuvor“. Doch am 27. Januar nahm er an einem Mittagessen mit wichtigen Lobbyisten und Spendern teil, denen er eine ganz andere Botschaft verkündete. In einem Mitschnitt, den der Radiosender NPR veröffentlichte, warnte Burr davor, dass das Virus wesentlich aggressiver sei „als alles, was wir in der jüngeren Geschichte jemals gesehen haben“. Auch der Schwager des Senators soll laut „Pro Publica“ in der Zwischenzeit in großem Stil Aktien verkauft haben. 

          Keine Unterstützung von Trump

          Bislang hat Burr die Vorwürfe wohl aussitzen wollen – aber mit der Bundespolizei im Haus war das nicht mehr möglich. Der Senator will Berichten zufolge weiter dem Geheimdienstausschuss angehören und nur den Vorsitz abgeben. Im Jahr 2012 hatte Burr zusammen mit nur drei anderen Senatoren dagegen gestimmt, die Restriktionen gegen Insider-Handel im Kongress zu verschärfen. Senatoren und Abgeordnete können seit dem „Stop Trading on Congressional Knowledge Act“ keine Informationen mehr nutzen, die der Öffentlichkeit nicht bekannt sind. Burr nannte die neuen Vorschriften damals „lächerlich“, berichtete die „Washington Post“.

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