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Wahl in Amerika : Wer sind Trumps treue Anhänger?

  • -Aktualisiert am

Viele weiße Amerikaner gehören dem „Block“ an. Bild: AP

Donald Trump kann sich auf eine feste Wählerschicht verlassen: Ökonomisch entwurzelte Weiße - der Block. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Amerika ist 2016 derart gespalten, dass die Hälfte der Wähler die andere Hälfte kaum zu verstehen vermag. Der Versuch, das Phänomen Donald Trump zu begreifen, ist inzwischen zum vorherrschenden Thema in der Berichterstattung über die amerikanischen Präsidentschaftswahlen geworden, weit vor den wirtschafts- und außenpolitischen Fragen, die solche Wahlen sonst aufwerfen mögen.

          Die Frage ist nicht der Kandidat selbst. Trump verhehlt nicht, wer er ist – er versteckt seine Einstellungen gegenüber Frauen und ethnischen Minderheiten nicht hinter geschickten Anspielungen, und wie er mit globalen Problemen umzugehen gedenkt, ist für alle offen erkennbar. Menschen, die ihn nicht wählen werden, wundern sich vielmehr, wie es möglich ist, dass zig Millionen ihrer Mitbürger bereit sind, ihn trotz allem zu unterstützen. Wer sind sie?

          Wenn wir das begreifen wollen, müssen wir verstehen, was „der Block“ ist, wie ich dies nennen möchte. Der Block, etwa 40 Prozent der Wahlberechtigten, stellt in den Vereinigten Staaten nicht die Mehrheit, aber er ist die größte einheitliche Wählergruppe des Landes. Er hat vier der letzten sechs Präsidentschaftswahlen verloren, sich aber weitgehend die Kontrolle über eines oder beide Häuser des Kongresses und viele Parlamente in den Bundesstaaten bewahren können, sodass es demokratischen Administrationen nahezu unmöglich war, das Land zu regieren.

          Der Block entstand nicht erst durch die große Rezession von 2008 oder die Anschläge vom 11. September 2001 oder das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 und nicht einmal durch den Buhmann des aktuellen Wahlkampfs: den 1994 abgeschlossenen Nordamerikanischen Freihandelsvertrag Nafta. Der Block verdankt seine Entstehung einer Reihe von Ereignissen, die der Republikanischen Partei wie in einem geologischen Prozess eine Wählerschicht nach der anderen eingebracht hat.

          Umfragen

          Solch eine neue Schicht lagert sich immer dann an, sagt Todd Gitlin, Professor für Soziologie und Journalismus an der Columbia University, wenn es zu einer „neuen Runde ökonomischer Entwurzelung“ kommt, wobei es sich bei den neuen Wählern in der überwiegenden Mehrzahl um Weiße handelt, die zuvor für die Demokraten gestimmt haben.

          Gitlin sieht die Anfänge dieser Entwicklung in der Dust Bowl der 1930er Jahre, als Farmer und deren Familien sich durch die Dürre gezwungen sahen, Oklahoma und Kansas zu verlassen. Die meisten landeten schließlich in Südkalifornien, und ihre Kinder gehörten zu den ersten Anhängern der ultrarechten John Birch Society und des republikanischen Präsidentschaftskandidaten von 1964 Barry Goldwater.

          In den späten 1960er Jahren schlossen sich auch viele Weiße in den Südstaaten dem Block an, und zwar nach der Verabschiedung des Civil Rights Act und des Voting Rights Act, die – hundert Jahre nach dem Ende der Sklaverei – den Afroamerikanern endlich die versprochene Gleichheit brachten.

          Als dann in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren im Nordosten und an den Großen Seen zahlreiche Fabriken geschlossen wurden, gingen Städte wie Johnstown in Pennsylvania zugrunde. Trotz starker Gewerkschaften verloren die Stahlarbeiter der Stadt ihre Jobs. Zahlreiche Menschen waren gezwungen, die Stadt zu verlassen und sich anderswo nach Arbeit umzusehen. Die neuen Jobs sind nicht annähernd so sicher wir die Arbeitsstellen in den Fabriken, die einst ganze Generationen ernährten und die Entstehung stabiler Gemeinden ermöglichten. Die Vertreibung war nicht weniger qualvoll als die der 1930er Jahre. „Der Rust Belt ist die Dust Bowl unserer Zeit“, sagt Gitlin.

          Andere, für die das Urteil des Obersten Gerichtshofs in Fall Roe versus Wade (das 1973 den Frauen das Recht auf Abtreibung zusprach) zur wahlbestimmenden Frage wurde, schlossen sich gleichfalls dem Block an.

          In den letzten fünfzig Jahren, in denen viele unzufriedene Demokraten gemeinsame Sache mit den traditionell wohlhabenderen Republikanern machten, nahm auch eine neue Demokratische Partei Gestalt an. Ihr Erscheinungsbild ist bunt, ihre Politik darauf ausgerichtet, die Bürgerrechtsgesetze zu nutzen, um jahrhundertealte Formen der Diskriminierung von Minderheiten und Frauen am Arbeitsplatz durch eine bewusste Bevorzugung abzubauen und eine gesellschaftlich liberale Sexualgesetzgebung durchzusetzen.

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