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Wahl im Saarland : Lafontaines Poker um die Macht

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Die nach und nach immer begeisterteren Zuhörer waren zunächst ein wenig irritiert, so, als hätten sie dem Diplomphysiker und Machtprotz Lafontaine so viel Empfindsamkeit gar nicht zugetraut. Tatsächlich war er in dieser Hinsicht immer schon musikalisch, und das dürfte noch verstärkt worden sein durch die traumatische Erfahrung des Attentats im Bundestagswahlkampf 1990. Bei einem Auftritt in Köln-Mülheim hatte ihm eine psychisch kranke Frau ein Messer in den Hals gerammt, Lafontaine überlebte knapp.

Auf die Frage, welchem heutigen Politiker er gerne zuhöre, antwortete Lafontaine: „meiner Frau“.  Seit 2014 ist er mit Sahra Wagenknecht verheiratet.
Auf die Frage, welchem heutigen Politiker er gerne zuhöre, antwortete Lafontaine: „meiner Frau“. Seit 2014 ist er mit Sahra Wagenknecht verheiratet. : Bild: dpa

Aus jener Zeit seiner Spitzenkandidatur, sagt er im Gespräch, stamme „der erste schwere Bruch mit der SPD, weil keiner bereit war, mir die Aufgabe abzunehmen, obwohl ich darum gebeten hatte“. In seinem Buch „Das Herz schlägt links“ schrieb er 1999 über die Tage nach dem Attentat: „Ich fühlte mich wie ein Wanderer, der das Meer erreicht hat und nichts sieht als die unendliche Weite des Wassers und das Blau des Horizonts. Ich hatte erfahren, wie wenig verlässlich Macht, Anerkennung und politischer Erfolg sind.“

Lafontaine kann auch „Danke“ sagen

Er hat darüber weder Ehrgeiz noch Bissigkeit verloren. Auf dem legendären Mannheimer Bundesparteitag 1995 brachte er mit seiner Rede den taumelnden Parteivorsitzenden Rudolf Scharping endgültig zu Fall. Er focht Machtkämpfe innerhalb der Linkspartei, in der ihm bis heute viele gram sind, Gregor Gysi voran. Lafontaine ist jederzeit in der Lage, Menschen weh zu tun – so formuliert es ein alter Sozialdemokrat aus dem Saarland. Aber er ist im Lauf der Jahre milder und wohl auch müder geworden. Das zeigte sich Ende Oktober in einer Sondersitzung des Saarländischen Landtags. Kramp-Karrenbauer hatte in einer Regierungserklärung gerade vorgetragen, was sie für das Land bei den Bund-Länder-Finanzverhandlungen in Berlin erreicht hatte, ganz wie vier Monate später am Aschermittwoch.

Lafontaine begann seine Erwiderung mit einer Vorbemerkung: „Das Saarland bekommt also mehr Geld ab dem Jahre 2020, das ist für uns alle ein Anlass zur Freude. Deswegen möchte ich all denjenigen Dank und Anerkennung aussprechen, die dieses Ergebnis erreicht haben.“ Der Fraktionsvorsitzende der SPD, die derzeit mit der CDU in einer großen Koalition verbunden ist, sagte dazu: Er ziehe den Hut vor dem „Kollegen Lafontaine“, der die Größe gehabt habe, danke zu sagen.

Viele Verdienste als Oberbürgermeister Saarbrückens

Über das sonstige Wirken des Abgeordneten Lafontaines wird in Saarbrücken viel gespöttelt. Der junge und wortwitzige CDU-Generalsekretär Roland Theis, mit dem sich Lafontaine gerne kabbelt, sagt: „Der Saarländische Rundfunk überträgt die Plenarsitzungen bis zum Mittag live, danach nicht mehr. Dem passt Lafontaine seine Präsenz in der Regel an.“ Auch durch die Mitarbeit in parlamentarischen Gremien habe sich Lafontaine nicht hervorgetan. „Ob man das einem 73-Jährigen vorwerfen muss, ist eine andere Frage“, sagt Theis.

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