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Landtagswahl im Saarland : Lafontaines Samthandschuhe

  • -Aktualisiert am

Mit knapp 87 Prozent auf Listenplatz zwei

Auch dass Lafontaine seine eigene Spitzenkandidatur an eine Bedingung geknüpft hatte, gefiel nicht jedem: Sein Vertrauter Jochen Flackus müsse einen sicheren Platz auf der Landesliste bekommen. Die beiden kennen sich seit Jahrzehnten. Flackus war Lafontaines Referent, Büroleiter, Regierungssprecher, er gehört zu den eher seltenen Exemplaren, die sein ehemaliger Chef für intellektuell satisfaktionsfähig hält. Derzeit ist Flackus in Saarbrücken kaufmännischer Geschäftsführer des Zentrums für Mechatronik und Automatisierungstechnik und als solcher weithin respektiert. Er soll sich in einer künftigen Linke-Fraktion als Nachfolger Bierbaums um die Wirtschaftsthemen kümmern – oder womöglich Wirtschafts- und Forschungsminister werden.

Oskar Lafontaine

Als Lafontaine Ende November 2016 mit gut 89 Prozent zum Spitzenkandidaten seiner Partei gewählt wurde und Flackus mit knapp 87 Prozent auf Listenplatz zwei, kam in dem Ergebnis beides zum Ausdruck: das Grummeln über ihn und die Überzeugung, dass es weit und breit keinen Besseren gibt. In seiner Rede sagte Lafontaine: „Wir sollten den Versuch unternehmen, uns an der Landesregierung zu beteiligen.“ 2009 stand das schon einmal zur Debatte. Es gibt unterschiedliche Darstellungen darüber, an wem Rot-Rot-Grün damals scheiterte. War es der grüne Frontmann Hubert Ulrich, der Lafontaine nicht über den Weg traut? Oder Lafontaine selbst, der mit seiner Rückkehr aus Berlin Ulrich womöglich bewusst einen Grund lieferte, um das Bündnis doch nicht zu machen? Klar ist, dass Lafontaine mit allen Wassern gewaschen ist. Klar ist aber auch, dass es spätestens seit seinem Rücktritt vom SPD-Vorsitz 1999 nicht an Leuten fehlt, die ihm – manchmal böswillig – alle möglichen machtpolitischen oder unlauteren Motive unterstellen, auch im Saarland.

Annäherungen an die SPD?

Die einen sagen, er trete noch einmal an, um seinen Dienstwagen zu behalten, die anderen, er brauche eine Operationsbasis, um seine Frau Sahra Wagenknecht, die Linke-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, zu unterstützen. Dass Lafontaine nach seinen Überzeugungen oder gar vernünftig handeln könnte, wenn er etwa die Besteuerung von Vermögen oder die Beteiligung der Belegschaft an Unternehmen verlangt, wird ihm selten zugestanden. Allenfalls, dass er mit manchem recht gehabt hat, etwa mit seiner frühen Forderung nach einer Bändigung der Finanzmärkte.

Umfrage zur Landtagswahl im Saarland

, Umfrage von:
Quelle: wahlrecht.de Alle Ergebnisse aus Bund und Ländern

Lafontaine sagt im Gespräch, die SPD habe „sich seit 2005 einem Bündnis mit der Linken auf Bundesebene verweigert. Sie wollte keine Konzessionen machen beim Mindestlohn, bei Hartz IV, Rente und Interventionskriegen.“ Sieht er jetzt, unter Martin Schulz, eine Chance, dass sich daran etwas ändert? Seine jüngsten Äußerungen dazu hörten sich skeptisch an. Trotzdem wird von vielen in der Saar-SPD gehofft – und von vielen in der Saar-CDU gestreut –, dass Lafontaine an einem triumphalen oder wenigstens versöhnlichen Ende seiner Laufbahn gelegen sein könnte, indem er bei Gelegenheit zumindest im Saarland der SPD zurück an die Macht verhilft. Sie hatte dort nach seinem Rücktritt als SPD-Bundesvorsitzender ihre absolute Mehrheit an die CDU verloren.

Bei der Elefantenrunde am vergangenen Donnerstag im Saarländischen Rundfunk war immerhin festzustellen, dass Lafontaine Anke Rehlinger, die Spitzenkandidatin der SPD, für seine Verhältnisse geradezu mit Samthandschuhen anpackte. Die Juristin gehört zu denen in der SPD, deren Verhältnis zu Lafontaine unbelastet ist. Ihre erste SPD-Veranstaltung besuchte sie just an dem Tag 1999, als Lafontaine die Partei ratlos zurückließ.

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