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Hans oder Rehlinger : Was Sie über die Wahl im Saarland wissen müssen

  • -Aktualisiert am

Die beiden Spitzenkandidaten Anke Rehlinger (rechts, SPD) und Tobias Hans (links, CDU) vor einem TV-Duell im Februar Bild: dpa

Wie stehen die Chancen der Spitzenkandidaten? Welche Bedeutung hat die Landtagswahl an diesem Sonntag im Saarland für die Bundespolitik? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

          4 Min.

          Wer sind die Spitzenkandidaten?

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Bei der Landtagswahl an diesem Sonntag im Saarland stellt sich Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) erstmals den Wählern. Seit 8 Uhr sind die Wahllokale geöffnet. Hans ist 44 Jahre alt, 2018 machte ihn Annegret Kramp-Karrenbauer zu ihrem Nachfolger, zuvor war er Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag gewesen. Seine Herausforderin ist die stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD), die bereits seit 2012 in unterschiedlichen Funktionen Teil des Kabinetts ist, zuletzt als Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr. Beide regieren seit 2018 zusammen in einer großen Koalition. Auch die FDP, die Grünen, Die Linke und die AfD treten mit eigenen Spitzenkandidaten an, alle vier kleinen Parteien müssen jedoch zittern, ob ihnen der Sprung über die Fünfprozenthürde gelingt.

          Mit welchem Ergebnis ist zu rechnen?

          Umfragen sehen seit November vergangenen Jahres die SPD vor der CDU, zuletzt deutlich mit 41 zu 28 Prozent. An einen Umschwung glaubt man selbst in der CDU nicht mehr, zu konstant schlecht waren zuletzt die Umfrageergebnisse, zu deutlich werden auch in seiner eigenen Partei Hans' Fehler benannt, und zu klar ersichtlich ist auch, dass Hans bei den Wählern nicht gut ankommt. Grüne und FDP stehen in den Umfragen bei rund fünf Prozent, Die Linke bei vier, die AfD bei rund sechs Prozent. Sollte allen vier kleinen Parteien nicht der Sprung über die Fünfprozenthürde gelingen, könnte es zu einem Zweiparteienparlament kommen – so wie nach der Wahl 1999.

          Warum droht die CDU nach 22 Jahren die Staatskanzlei im Saarland zu verlieren?

          Landtagswahlen sind stark personenorientierte Wahlen, mit einem eigentlich deutlichen Bonus für den Amtsinhaber. Doch Hans konnte diesen Bonus nicht nutzen, zuweilen wirkte es, als wäre er der Herausforderer und Rehlinger die Amtsinhaberin. Das hat mehrere Gründe. So wirkte Hans' Kurs zum Teil sehr wechselhaft – etwa beim Thema einrichtungsbezogene Impfpflicht. Zweitens sind ihm Fehler im Wahlkampf passiert – etwa die Nominierung einer Beauftragten für Kultur für sein Wahlkampfteam, die unmittelbar danach zurücktreten musste wegen der Teilnahme an einer Demonstration gegen die Pandemie-Maßnahmen.

          Weiterhin kommt Hans bei den Menschen nicht so gut an wie Rehlinger, er wirkte im Wahlkampf distanzierter als seine sehr bodenständige Herausforderin – und die Nähe zu den Leuten ist in dem Land mit nicht einmal einer Million Einwohnern nicht zu unterschätzen. Zudem profitiert Rehlinger sicherlich auch von der Schwäche der Grünen und der Linken im Saarland.

          Welche Themen dominierten im Wahlkampf?

          Der Wahlkampf im Saarland verlief ohne größere Aufregung, was einerseits daran liegt, dass die beiden großen Parteien recht einträchtig koalieren und in vielen Punkten nicht auseinanderliegen, andererseits liegt das auch daran, dass die kleinen Parteien vor allem mit sich selbst beschäftigt waren. So warben CDU und SPD im Wahlkampf beide für eine Rückkehr zu G9 an den Schulen, für ein 356-Euro-Ticket, für kostenlose Kitas und eine Stärkung der heimischen Industrie. Allenfalls beim Thema Windkraft unterschieden sich CDU und SPD, hier will Rehlinger deutlich mehr Anlagen, Hans jedoch nicht.

          Die CDU im Saarland steht der SPD näher als andere Landesverbände dies tun, ihr fehlt das Bürgerliche, sie ist sehr gewerkschaftsnah und sozial-orientiert – was sich in der Geschichte des lange vom Bergbau und von der Stahlindustrie geprägten Landes begründet.

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