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Klarer Wahlsieg : Kramp-Karrenbauer lässt die CDU jubeln

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Das Wahlergebnis im Saarland lässt nach Ansicht von SPD-Kanzlerkandidat Schulz jedoch keine Rückschlüsse auf die Bundestagswahl und mögliche Koalitionen im Bund zu. Das Saarland sei ein spezieller Fall, sagte Schulz im Berliner Willy-Brandt-Haus. Dass die Linkspartei eine zweistellige Prozentzahl in einem westdeutschen Bundesland erreiche, habe mit Oskar Lafontaine zu tun, der jahrelang Ministerpräsident des Saarlands war. „Deshalb glaube ich, kann dieses Wahlergebnis - auch das Ergebnis der Linken - keinerlei Rückschlüsse auf den Bund zulassen“, sagte Schulz.

Schulz gestand gleichzeitig die Niederlage der SPD ein. „Heute Abend hat die andere Seite ganz eindeutig ein Tor erzielt.“ Aber ein Gegentor heiße noch nicht, dass das Spiel entschieden sei. „Deshalb rücken wir jetzt zusammen, werden auch kämpfen.“

Die saarländische SPD-Spitzenkandidatin Rehlinger zeigte sich enttäuscht über das Abschneiden ihrer Partei. Man habe zwar eine Aufholjagd hingelegt, aber das Wahlziel nicht erreicht, sagte sie. Der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas gab zu: „Klar ist, wir hätten uns etwas mehr erwünscht.“ Maas fügte hinzu: „Ohne Martin Schulz wären wir gar nicht auf 30 Prozent gekommen. Martin Schulz hat uns da ganz erheblich geholfen. Die Person Lafontaine polarisiert bis weit in das SPD-Lager hinein. Das hat uns sicher nicht geholfen.“

Die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry bedauerte, „dass offenbar eine Mehrheit der Saarländer die große Koalition gewählt hat, die unserer Ansicht nach nur Stillstand verspricht.“ Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter sprach von einer „Enttäuschung“ und gab zu: „Wir haben das Wahlziel nicht erreicht.“ Der saarländische Grünen-Spitzenkandidat und Landesvorsitzende Hubert Ulrich kündigte als Konsequenz aus seinen Rückzug aus dem Landesvorstand an: „Wir werden uns in der Führung neu aufstellen, ich werde die Verantwortung natürlich für diese Wahlniederlage übernehmen.“ Der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir sagte: „Heute Abend beginnt auch der Kampf gegen die große Koalition. Denn das Wahlergebnis im Saarland zeigt: Die Alternative zu uns ist eine GroKo.“ Die Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping äußerte sich enttäuscht über das SPD-Ergebnis. „Man muss ja feststellen, dass offensichtlich der Schulz-Zug in Saarbrücken nicht so gehalten hat.“ Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner sagte über das abermalige Scheitern seiner Partei an der Fünf-Prozent-Hürde, das Saarland sei „ein schwieriges Pflaster für die FDP“. Weitere Reaktionen im FAZ.NET-Live-Blog zur Saarland-Wahl

Im Saarland stellt die CDU bereits seit 1999 den Ministerpräsidenten. Bis 2011 war es Peter Müller, seitdem führt Kramp-Karrenbauer die Regierung. Sie ist die erste Ministerpräsidentin in dem Bundesland. Zunächst regierte sie bis 2012 gemeinsam mit FDP und Grünen, danach in einer Koalition mit der SPD. Die erste Landtagswahl in diesem Jahr war mit Spannung erwartet worden, schließlich war es die erste Wahl seit der Kür von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten der SPD und dem damit verbundenen Aufstieg der Partei in den Umfragewerten, weshalb schon von einem „Schulz-Effekt“ gesprochen wurde. Es war zudem die einzige Landtagswahl vor der Bundestagswahl im September, bei der ein Ministerpräsident der CDU sein Amt zu verteidigen hatte: In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen – den anderen beiden Landtagswahlen vor der Bundestagswahl – regieren Ministerpräsidenten der SPD.

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