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Heiko Maas : Der Ausdauernde

  • -Aktualisiert am
Triathlet mit langem Atem: Heiko Maas, hier beim Politischen Aschermittwoch in Siersburg, winkt als Lohn nun wohl zumindest die Regierungsbeteiligung
          5 Min.

          Die roten Rosen stehen dem Kandidaten gut. Mit einem schüchternen Lächeln und im schmal geschnittenen, dunklen Anzug gibt Heiko Maas in der Fußgängerzone von Saarbrücken den Rosenkavalier. Nur Frauen will der saarländische SPD-Spitzenkandidat an diesem Nachmittag eine Blume überreichen, um ins Gespräch zu kommen.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          Doch wie im Wahlkampf 2009 wirkt der 44 Jahre alte SPD-Spitzenkandidat trotz der charmanten Geste beim direkten Zugang auf die Menschen hölzern. Als ob er sich jedes Mal einen kleinen Ruck geben muss, steuert Maas auf junge Mütter mit Kinderwagen oder auf Rentnerinnen zu, denen er mit einer angedeuteten Verbeugung die Blume überreicht. Erst als ein Junge sich vor ihm aufbaut und Maas spontan die Hand schüttelt, ist das Eis gebrochen: „Hallo, ich hab’ sie gesehen, da bin ich hergerannt.“ Und als der Teenager nach einem kurzen Plausch frech „Tschüs, mein Heiko Maas“ ruft, strahlt und lacht der SPD-Vorsitzende endlich.

          Dass er sich zumindest als Oppositionswahlkämpfer in diesem politischen Leben wohl nicht mehr zum Volkstribun verwandeln wird, scheint ihn nicht zu stören. Sein Porträtfoto auf den Wahlplakaten mit Dreitagebart und entschlossenem Blick kommt jedenfalls bei Wählerinnen an. „Ein ganz cooler Typ“, schwärmt eine junge Frau. Eine andere Passantin entdeckt bei Maas sogar Ähnlichkeiten mit der Fernsehfigur Barney Stinson, dem überdrehten Frauenhelden aus der Teenager-Kultserie „How I met your mother“. Ein Vergleich, der Maas amüsiert.

          Ohne SPD - keine Regierung

          Die Umfragen in diesem merkwürdigen Wahlkampf geben ihm bis jetzt recht. Erstmals in 13 Jahren Opposition und nach zwei Landtagswahlen mit historisch schlechten SPD-Ergebnissen liefern sich die Sozialdemokraten in Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der regierenden CDU von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Zwischen 33 und 34 Prozent lauten die letzten Prognosen für die SPD, gut zehn Punkte mehr als bei der Wahl 2009. Zum ersten Mal in der Geschichte bundesdeutscher Wahlkämpfe haben die Bürger diesmal auch die Chance, mit ihrer Stimmabgabe den neuen Ministerpräsidenten fast direkt zu bestimmen. Denn am kommenden Sonntag heißt es: er oder sie. Der Oppositionsführer Maas und die Regierungschefin Kramp-Karrenbauer haben sich nach dem Ende des Jamaika-Experimentes in Sondierungsgesprächen schon vor der Landtagswahl auf eine große Koalition festgelegt - auch das ein Novum.

          Deshalb geht es aus Sicht von CDU und SPD am 25. März im Grunde nur darum, welcher der beiden Partner in spe die Nase vorn hat und damit den Ministerpräsidenten stellt. Ohne die SPD, auch das ist angesichts der Schwäche von Grünen und FDP ein neues, schönes Gefühl für Maas, wird diesmal keine Regierung im Saarland gebildet werden können.

          Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer
          Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer : Bild: dapd

          “Wir nehmen es so, wie es kommt. Es läuft nicht schlecht“, kommentiert Maas mit gespieltem Understatement bei der Fahrt im Wahlkampfbus die sichere Machtoption. Die Zurückhaltung entspricht seinem vorsichtigen Naturell und der traumatischen Erfahrung aus dem Herbst 2009. Damals schien der Einzug in die Saarbrücker Staatskanzlei mit Hilfe von Linkspartei und Grünen zum Greifen nah. Doch der Grünen-Vorsitzende Hubert Ulrich nahm überraschend das Angebot des schon fast abgewählten CDU-Ministerpräsidenten Peter Müller an, mit ihm und der FDP eine Jamaika-Koalition zu bilden. Lafontaines Ankündigung, statt in Berlin wieder dauerhaft im Saarland mitzumischen, lieferte Ulrich den Anlass, die Seite zu wechseln.

          Maas empfand das als Wortbruch. Dass er nach diesem Tiefschlag in der Politik blieb, nötigt selbst seiner Mitbewerberin Kramp-Karrenbauer Respekt ab. Vielleicht hat auch seine Leidenschaft für den Triathlon das Durchhaltevermögen des Juristen gestärkt: „Ich wollte 2009 nicht aufgeben. Ich fand es auch nicht verlockend, nach einer schwierigen Wahl für die SPD aus der Politik auszuscheiden. Das konnte es doch nicht gewesen sein.“ Maas hielt durch und sah mit Vergnügen, dass sich das „Jamaika“-Modell vor allem wegen der FDP zerlegte.

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