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Wahl im Saarland : Das Erfolgsgeheimnis der Kramp-Karrenbauer

  • -Aktualisiert am

Sie verstehen sich: Kanzlerin Angela Merkel sagte über ihr Verhältnis zu Annegret Kramp-Karrenbauer, sie seien „im Grundsatz recht gut befreundet“. Bild: dpa

Sie brachte der CDU im Saarland den Sieg: Annegret Kramp-Karrenbauer ist die Frau der Stunde. Wie schafft sie es, mit ihrem Erfolg selbst die Kanzlerin zu beeindrucken?

          Manche Politiker kommen in einen Raum und beanspruchen sofort die komplette Aufmerksamkeit für sich. Bei Betriebsbesichtigungen oder in Bürgergesprächen stellen sie unentwegt Fragen, und wenn sie mal zuhören, dann, um zu zeigen, wie gut sie zuhören können. Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Politikerin, seit 2011 Ministerpräsidentin des Saarlands, ist anders. Sie verwandelt sich ihrer Umgebung an. Der Eindruck, dass sie dabei untergeht, der auch wegen ihrer zierlichen Gestalt durchaus entstehen kann, erweist sich aber schon beim zweiten Hinsehen als falsch. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Donnerstag auf der Abschlusskundgebung des CDU-Wahlkampfs in St. Wendel über die gebürtige Völklingerin, sie beide seien „im Grundsatz recht gut befreundet“, aber wenn es bei der Ministerpräsidentin um die Interessen ihres Landes gehe, zumal ums Geld, dann sei es mit der Freundschaft vorbei.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Das war natürlich der Versuch, Kramp-Karrenbauer Schützenhilfe zu geben, aber ein Kern Wahrheit steckte doch darin. Das können die anderen Ministerpräsidenten sowie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bezeugen, die mit dem Saarland im Herbst um die Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen rangen – mit respektablem Ausgang für Kramp-Karrenbauer.

          Sie rückt in der Parteihierarchie immer näher an Merkel

          Dass diese von Angela Merkel sehr geschätzt wird, ist nichts Neues. Es hat mehrere Gründe. Kramp-Karrenbauer ist immun gegen Schaumschlägerei und Lichtgestalten. Von der Linken wird ihr das gerne als Phantasiearmut ausgelegt. Sie ist keine Ideologin, was in ihrem Fall bedeutet: wirtschafts- und sozialpolitisch auf dem linken Flügel der CDU, gesellschaftspolitisch eher konservativ. Kramp-Karrenbauer ist außerdem eine akribische Arbeiterin und vielseitig einsetzbar: Die 54 Jahre alte Politik- und Rechtswissenschaftlerin war im Landtag parlamentarische Geschäftsführerin, danach, von 2000 bis 2004, die erste Frau an der Spitze eines Innenministeriums. Sie war Bildungs- und Sozialministerin, bevor sie 2011 nach einem parteiinternen Machtkampf gegen den heutigen saarländischen Finanzminister Stephan Toscani die Führung des Landesverbands und die Staatskanzlei übernahm, beides von ihrem Förderer Peter Müller.

          Was Merkel im Zweifel aber am meisten beeindruckt, ist politischer Erfolg, vor allem dann, wenn er gegen Widerstände und Stimmungen errungen wurde. Insofern ist Kramp-Karrenbauer, die vor einiger Zeit auch als Kandidatin für die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck gehandelt wurde, am Sonntag mit den fast 41 Prozent für die CDU in der Parteihierarchie noch näher an die Kanzlerin herangerückt.

          Dass es so kommen würde, daran hatte sie selbst zwischendurch gezweifelt, als sie die rasant steigenden Umfragewerte der SPD zunächst auf dem falschen Fuß erwischten. Umso gelöster war sie am Abend auf der Wahlparty, zu der sie begleitet wurde von ihren drei Kindern sowie ihrem Mann, einem früheren Bergbauingenieur, der sich zu Hause um deren Erziehung gekümmert hatte.

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