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Wahlen im Saarland : Doch noch ein Wunder an der Saar?

Es geht um Landespolitik

Ein größeres Problem könnte der CDU durch die Berufung von Martin Schulz zum SPD-Kanzlerkandidaten erwachsen sein. Diese war in der obengenannten Umfrage noch nicht eingepreist. Aber schon der Taumel, den am vergangenen Freitag ein Besuch von Schulz im Saarland auslöste – eine Menschentraube in der Fußgängerzone von Saarlouis, ein übervoller Parteitagssaal am Abend in Orscholz –, lässt erahnen, dass die Messe noch nicht gelesen ist. Anke Rehlinger hat das längst registriert. Jetzt könnte sich auszahlen, dass sie sich in den vergangenen Jahren auf den klassischen sozialdemokratischen Themenfeldern Industriepolitik, soziale Gerechtigkeit oder Rente profiliert hat – sie passen sehr gut zur Kleine-Leute-Klaviatur von Schulz. Mag sein, dass die CDU recht hat und sich der Reiz des neuen Mannes auch im Fall von Schulz irgendwann abnutzt; im Moment scheint die Wahrscheinlichkeit aber hoch, dass zumindest die Genossen im Saarland, die ersten im Reigen der Wahlen, noch kräftig von ihm profitieren können.

Wünscht sich, dass alles beim alten bleibt: Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).
Wünscht sich, dass alles beim alten bleibt: Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). : Bild: dpa

Kramp-Karrenbauer wird deshalb versuchen, den Wählern klarzumachen, dass es in der Landtagswahl nicht um Bundespolitik, sondern um Landespolitik geht, um die Frage, wer soll saarländische Ministerpräsidentin sein. Diese Personalisierungsstrategie scheint schon wegen der persönlichen Beliebtheitswerte von „AKK“ vielversprechend, ist aber nicht ohne Risiko: Kramp-Karrenbauer gilt als Vertraute von Angela Merkel, das könnte ihr je nach Verlauf der kommenden Wochen auch zum Nachteil gereichen.

Das Gegenteil einer Populistin

Wie die Bundeskanzlerin ist sie so ziemlich das Gegenteil einer Populistin. Im kleinen Kreis kann sie durchaus gewinnend sein, für große Wahlkampfversprechen oder elektrisierende Zukunftsvisionen ist sie aber eher nicht zu haben. Ihre Besonnenheit könnte in diesen irren Zeiten als beruhigend wahrgenommen werden. Wer allerdings Schulz am Freitag in Orscholz gehört hat, wie er die Seelen der Zuhörer streichelte und dafür gebanntes Schweigen und Jubel erntete, der neigt eher der Auffassung zu, dass Emotionen, Stimmungen, Dynamiken in den kommenden Monaten eine größere Rolle spielen werden als berechtigte Verweise auf eine nach wie vor schwierige Haushaltslage.

Auch Rehlinger ist nicht der Typ Menschenfängerin. Dass sie Teil der jetzigen Regierung ist, engt ihren Spielraum enorm ein. Sie wird trotzdem versuchen, mit eigenen Forderungen, etwa nach einem „Jahrzehnt der Investitionen“, Kramp-Karrenbauer als Kleinkrämerin darzustellen, die über der Sanierung des Haushalts die Sanierung des Landes aus dem Blick verloren habe. Ob das gelingt, wird sich wohl erst am 26. März, um 18Uhr, zeigen.

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