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Saarländische Wahlsiegerin : Wer ist Anke Rehlinger?

Wahlsiegerin Anke Rehlinger am Sonntag auf der Wahlparty der SPD in Saarbrücken. Bild: Frank Röth

Im Saarland ist Anke Rehlinger schon lange ein bekanntes Gesicht – und zwar nicht nur in der Politik. Im zweiten Anlauf hat sie die SPD wieder zur stärksten Kraft gemacht und wird wohl die zweite Ministerpräsidentin des Landes.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Anke Rehlinger hat sich bis zum Sonntagabend jeden Ausdruck eines Triumphs verkniffen, auch dann, als die Umfragen immer deutlicher ei­nen klaren Sieg ihrer SPD bei der Landtagswahl im Saarland prognostizierten. Ob man sie bald als Ministerpräsidentin wiedersehe, wurde Rehlinger im Schlussspurt des Wahlkampfs gefragt. „Abwarten“, antwortete sie. Nach 22 Jahren lö­sen die Sozialdemokraten die CDU nun an der Saar als stärkste Kraft ab. Rehlinger gelingt der Sprung in die Staatskanzlei ­ – im zweiten Anlauf nach 2017. Sie führte ihre Partei durch einen Wahlkampf, der wie we­nige zuvor im Schatten weltpo­li­tischer Ereignisse stand und bei dem es für sie reichte, Angela Merkels „Sie kennen mich“ wiederzuverwerten – und eigene Fehler zu vermeiden. Denn die beging schon ihr Kontrahent, der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), der sich erstmals als Spitzenkandidat den Wählern stellte.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Tatsächlich ist die 45 Jahre alte Rehlinger schon deutlich länger Teil der Landesregierung als Hans; seit 2004 sitzt sie im Landtag, seit 2012 ist sie Ministerin, Hans wurde erst 2018 Ministerpräsident. Rehlinger stammt aus einem sozialdemokratischen El­ternhaus, der Vater war SPD-Ortsvorsteher. Im Umgang mit den Leuten ist die Mutter eines Sohnes direkter als Hans. Sie sei ein „bekennendes Landei“, sagte Rehlinger einst über sich selbst. Weiterhin hält die Juristin den saarländischen Rekord im Kugelstoßen, während Hans vom Habitus eher zu den Großstadtwählern zu passen scheint – von denen es aber im Saarland kaum welche gibt. Seine Beliebtheitswerte waren den gesamten Wahlkampf über drastisch schlechter als jene Rehlingers.

          Hoffnung auf ein „Jahrzehnt der Sozialdemokratie“

          Die hofft nun im Saarland auf ein „Jahrzehnt der Sozialdemokratie“, wofür die historische Erfahrung an der Saar spricht: CDU und SPD wechselten sich hier etwa alle 20 Jah­re ab als stärkste Kraft. Doch leichte Jahre dürften das kaum werden, auf Rehlinger warten große He­rausforderungen: Dem kleinen Land stehen wirtschaftlich wieder einmal harte Jahre bevor, denn die für das Saarland so zentrale Stahl- und Automobilindustrie steht vor ei­nem drastischen Wandel, bei dem unklar ist, wie viel von den Strukturen danach noch vorhanden sein wird. Zudem bleibt die Haushalts­lage prekär. Dabei ist dieses kleine Land mit seiner wechselvollen Ge­schichte wirtschaftlich ohnehin leidgeprüft.

          Fragt man Rehlinger, ob es für das Saarland nicht leichter wäre, etwa im Verbund mit Rheinland-Pfalz, dann widerspricht sie vehement: Es gebe eine ganze Reihe von Eigenheiten, denen man nur mit einer eigenen Stimme, etwa im Bundesrat, Rechnung tragen könne. Diese Stimme wird künftig die ihre sein.

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