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Wahl des Pontifex : Jeder Papst schuf neue Regeln

Bild: dpa

Die Wahl eines neuen Papstes orientiert sich an Regeln, die ständig verändert wurden. Bis auf Johannes Paul I., den „33-Tage-Papst“, hat bisher jedes Kirchenoberhaupt neue Bestimmungen für die Wahl seines Nachfolgers erlassen.

          Schon seit mehr als achthundert Jahren, genau seit dem Jahr 1179, ist es so: Nur das Kollegium der Kardinäle, die vom Papst ernannten „Senatoren“ der römisch-katholischen Kirche, dürfen das Kirchenoberhaupt wählen. Doch wie viele es sind, wie und wo sie es tun, all das ist seit mehr als achthundert Jahren einem beständigen Wandel unterworfen. Immer neuen Umständen angepaßt wurden auch die Normen für die Verwaltung der Kirche, die Kurie.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Daher mußten auch die Bestimmungen für die Tätigkeit der Kurie in der Zeit zwischen dem Tod des Papstes und der Wahl seines Nachfolgers, der Sedisvakanz, immer wieder verändert werden - bis dahin, daß in den vergangenen hundert Jahren jeder Papst mit Ausnahme von Johannes Paul I., dem 33-Tage-Papst, neue Bestimmungen für die Wahl seines Nachfolgers erließ.

          International und größer

          Das Kardinalskollegium etwa umfaßte ab dem Jahr 1586 bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts höchstens 70 Mitglieder, vorwiegend Italiener. Unter Pius XII. (193X bis 1958), Johannes XXIII. (1958-1963), Paul VI. (1963-1978) und Johannes Paul II. wurde das Kardinalskollegium nicht nur internationalisiert, sondern auch erheblich vergrößert. So zählt die katholische Kirche derzeit 183 Kardinäle. 66 von ihnen haben indes ihr 80. Lebensjahr vollendet, dürfen an der Wahl des Papstes also nicht mehr teilnehmen. So hat es Paul VI. im Jahr 1970 festgelegt.

          Gleichwohl sind sie in den Tagen zwischen dem Tod des Papstes und dem Zusammentreten der Papstwähler, dem Konklave, nicht zur Tatenlosigkeit verdammt. Soweit sie nicht rechtmäßig verhindert sind, müssen alle Kardinäle, wahlberechtigte wie nichtwahlberechtigte, seit Montag (4. April) täglich im Apostolischen Palast zu vorbereitenden Sitzungen, den „Generalkongregationen“, zusammenkommen - wobei es den nicht-wahlberechtigten Kardinälen erlaubt ist, den Versammlungen fernzubleiben.

          Keine freie Hand

          Unter Vorsitz des Dekans des Kardinalskollegiums, Kardinal Joseph Ratzinger, erfüllen die Kardinäle in der „Generalkongregation“ die Pflichten, die Johannes Paul II. ihnen 1996 in seiner Apostolischen Konstitution „Universi Dominici Gregis“ aufgegeben hat. Sie „leiten“ die Kirche - aber nur in den Grenzen der Vollmachten, die der Papst ihnen gegeben hat. So haben die 66 Kardinäle, die an der ersten Generalversammlung am Montag teilgenommen haben, etwa den Termin der Beisetzung des Papstes festgelegt.

          Keine Vollmacht hat das Kardinalskollegium freilich in allen Dingen, die zu entscheiden de jure oder nach gewöhnlicher Übung alleine dem Papst zusteht. Rechtsakte, die wie die Ernennung von Bischöfen oder auch Selig- oder Heiligsprechungen dem Papst vorbehalten sind, finden während der Sedisvakanz nicht statt. Erst recht darf das Kardinalskollegium nach dem Tod eines Papstes nicht das Recht der Kirche ändern, das der Papstwahl eingeschlossen.

          Leiter verlieren ihre Ämter

          In den Hintergrund treten während der Sedisvakanz auch die Kurienbehörden (Dikasterien). Denn mit dem Tod des Papstes haben alle Leiter, seien sie im Rang eines Kardinals oder eines Erzbischofs, ihre Ämter verloren. Kardinal Ratzinger ist nicht länger Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Sodano nicht mehr der Kardinal-Staatssekretär (Ministerpräsident) und Kardinal Kasper nicht mehr Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

          Nur zwei Kurienkardinäle behalten auch nach dem Tod des Papstes ihre Ämter. Der eine ist Großpönitentiar Kardinal Stafford, der als Leiter eines der drei obersten Gerichte der Kirche, der Apostolischen Pönitentiarie, für Gnadenerweise und das Ablaßwesen der Kirche zuständig ist.

          „Sonderkongregation“

          Der andere ist der Kämmerer (Camerlengo) der Heiligen Römischen Kirche. Dieses Amt hat seit mehr als zehn Jahren der spanische Kardinal Martinez Somalo inne. Als Leiter der päpstlichen Finanzbehörde muß er während der Sedisvakanz die Güter und Rechte des Heiligen Stuhls wahrnehmen, etwa vom Apostolischen Palast im Vatikan oder der Sommerresidenz in Castel Gandolfo formell Besitz ergreifen, alles jedoch nur insoweit, als die Vorrechte des Papstes nicht berührt werden.

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