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Währungen : Kurswechsel mit Wechselkurs

  • Aktualisiert am

Schwankende Wechselkurse, schwankende Volkswirtschaften Bild: laif

Ob fester oder freier Wechselkurs oder irgendetwas dazwischen, diese Entscheidung ist existentiell für eine Volkswirtschaft. Jede Möglichkeit hat jedoch ihre Vor- und Nachteile.

          Vorbei sind die Zeiten des Bretton-Woods-Systems, in denen sich die ganze Welt an einer einzigen Währung orientierte. Man konnte sich gefahrlos an den Dollar binden, denn der Nachbar machte es genauso. Heute existieren verschiedene Modelle, und jedes Land muss entscheiden, ob freie oder feste Wechselkurse oder eine Mischung aus beidem der eigenen Volkswirtschaft zuträglich ist.

          Das Gute an festen Wechselkursen

          Feste Wechselkurse im Verhältnis zu einer anderen Währung wählen oftmals Nationen, die an hoher Inflation und geringer Glaubwürdigkeit in den Außenhandelsbeziehungen leiden. Bestes Beispiel ist Argentinien: Als seine Regierung 1991 den Peso im Verhältnis 1:1 an den Dollar band, setzte das der galoppierenden Inflation ein Ende. Die Währung blieb stabil und damit kalkulierbar für die Handelspartner. Handel und Kapitalverkehr dehnten sich aus, Wohlstand und Stabilität nahmen zu.

          Die argentinische Regierung installierte darüber hinaus ein Currency Board, um ihre Glaubwürdigkeit noch zu erhöhen: Die Notenbank verpflichtete sich damit, den gesamten inländischen Geldbedarf durch Dollars zu decken. Auch Hongkong hat ein Currency Board und macht damit erfolgreiche Wirtschaftspolitik.

          Das ist das Ideal. Es gibt allerdings Umstände, unter denen das Festhalten an einer fixen Wechselkursbindung in die Katastrophe führt.

          Das Katastrophenszenario

          Das ist der Fall, wenn die Fundamentaldaten der Partnerländer nicht zusammenpassen. Die USA erlebten in den späten neunziger Jahren einen Boom, während die Wirtschaft Argentiniens stagnierte. In diesem Szenario kommt es zu einer Überbewertung der Währung des Partnerlandes. Seine Wettbewerbsfähigkeit und damit die Exportchancen sinken beständig, die eigene Industrie wird durch billige Importe lahmgelegt, die Arbeitslosigkeit steigt. Die nationale Notenbank kann nicht gegensteuern, denn sie hat ihre geldpolitische Souveränität abgegeben.

          Dann doch lieber freie Wechselkurse

          Bei freien Wechselkursen hingegen ist ein Anpassungsmechanismus gewissermaßen eingebaut: Erbringt eine Volkswirtschaft eine relativ niedrige Leistungsbilanz, sinkt der Wert ihrer Währung. Das verbilligt die Güter des Landes, der Export steigt, die Leistungsbilanz verbessert sich.

          Solche Schwankungen kann allerdings nur eine stabile Volkswirtschaft verkraften, hinter der glaubwürdige wirtschaftspolitische Akteure stehen. Ein Land, dem das Vertrauen der internationalen Handelspartner fehlt, wird bei freien Wechselkursen wiederum Opfer der Inflation.

          Der bewährte Gemischtwarenladen

          Weder freie noch feste Wechselkurse sind also das Nonplusultra. Deshalb wählen viele Regierungen gemischte Systeme. Ein Beispiel ist das Europäische Währungssystem (EWS): Seine Mitglieder fixierten die Wechselkurse ihrer Währungen, ließen jedoch Schwankungen innerhalb einer festgelegten Bandbreite zu. Heute halten sich europäische Zentralbanken, genau wie die der USA oder Japan, mit Interventionen weitgehend zurück.

          Ein Korb mit Währungen

          Schwellen- und Entwicklungsländer orientieren sich oftmals an einem Währungskorb, ohne sich an die Währung eines einzigen Landes zu binden. Außerdem kann das jeweilige Land auf diese Weise seine Handelsströme berücksichtigen. Osteuropäische Länder werden sich kaum ausschließlich an den USA orientieren, sondern auch die EU-Länder einbeziehen. In lateinamerikanischen Ländern ist eine Kombination aus Dollar, Euro und den Währungen wichtiger Nachbarn denkbar. Indem sich die nationalen Notenbanken an solchen Währungskörben orientieren, können sie kontrollierte Auf- oder Abwertungen vornehmen.

          Für welche Alternative eine Regierung sich entscheidet, hängt vom Einzelfall ab. Ein wirtschaftspolitischer Kurswechsel wurde schon manches Mal vom Wechselkurs angestoßen.

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