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Wählerinnen in Amerika : Eine Probe auf die Männlichkeit

Der republikanische Vormarsch in den Südstaaten ist seit Richard Nixon in Gang; er wurde in diesem Jahr auch in Arkansas und Georgia nicht aufgehalten, obwohl in Arkansas Altpräsident Clinton so viele Wahlkampfauftritte absolvierte, als wollte er selbst wieder Gouverneur in Little Rock werden, und in Georgia der Enkel des Altpräsidenten und Altgouverneurs Jimmy Carter als Gouverneurskandidat antrat. In Texas lässt sich die Hinwendung des Südens zur Partei Abraham Lincolns nicht mit dem Ressentiment von Modernisierungsverlierern erklären. Texas ist reich und vital. Obwohl die Texaner immer wieder einmal ernsthaft mit dem Gedanken spielen, sich von der Union loszusagen, dürfte kaum ein Amerikaner leugnen, das Texas etwas Uramerikanisches zur Darstellung bringt. Die großen Sprüche von Ted Cruz, dem Idol der Tea Party: nicht unglaubwürdig, da man in Texas auf Schritt und Tritt Burschen antrifft, die vor lauter Einbildung ganz geschwollene Schädel haben. Umgekehrt hat Rick Perry mit seinen Auftritten an der Grenze zur Artikulationsunfähigkeit im Vorwahlkampf 2012 seine Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur nicht ein für allemal ruiniert, weil er nun einmal der Gouverneur von Texas ist.

Mit den eigenen Waffen geschlagen

Texas nicht kampflos verloren zu geben - das ist für die Demokraten eine Sache des Prestiges, drastisch gesagt: eine Probe auf ihre Männlichkeit. Es hatte nicht nur sachliche oder ideologische Gründe, dass der Kampf um das Gouverneursamt als Geschlechterkrieg inszeniert wurde. Im Senat in Washington ist der Filibuster durch eine von dem scheidenden Mehrheitsführer Harry Reid betriebene Geschäftsordnungsreform weitgehend eingeschränkt worden. Die Dauerrede ist als Blockadeinstrument verrufen. Indem Wendy Davis für elf Stunden das Wort nahm und nicht wieder hergab, hat sie die republikanischen Männer mit deren eigenen Waffen geschlagen. Sie siegte durch physische Ausdauer, die sonst der natürliche, also ungerechte Vorteil des Mannes ist. Die Vertreter der Mehrheitsfraktion, die ihr das Wort abzuschneiden versuchten, standen als Grobiane dar.

Veteranen der Obama-Wahlkämpfe gründeten zur Unterstützung von Wendy Davis eine Organisation namens Battleground Texas. Diese Schlacht musste nicht gewonnen werden. Es ging hier auch um Aufmerksamkeit, um die Mobilisierung um der Mobilisierung willen, um die Rüstung für die nächste Schlacht. Aber damit vom Kreuzzug der Wendy Davis eine solche moralische Wirkung hätte ausgehen können, hätte die Niederlage knapper ausfallen müssen. In der Sekunde, da die Wahllokale schlossen, rief der konservative Nachrichtensender Fox News Greg Abbott zum Sieger aus, den Mann, der als Justizminister dafür gesorgt hatte, dass das Gesetz über die neuen Hürden für abtreibungswillige Frauen, das Wendy Davis verhindern wollte, doch noch plangemäß in Kraft trat. 52 Prozent der texanischen Wählerinnen haben für Abbott gestimmt.

Mit ihrer Biographie hatte Wendy Davis für sich geworben, mit der Geschichte einer Frau, die sich in der Männerwelt ihren Weg bahnt. Ihre Niederlage enthält auch Lektionen für mögliche Kandidatinnen in der Bundespolitik wie Hillary Clinton und Senatorin Elizabeth Warren. Weibliche Solidarität ist keine Ressource, die sich anzapfen lässt wie eine Ölquelle.

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