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Wählerinnen in Amerika : Eine Probe auf die Männlichkeit

Es gibt Siege, über die man nicht froh werden kann: Die demokratische Mobilisierung der weiblichen Wählerschaft stößt in Staaten wie Colorado offenbar gerade deshalb an Grenzen, weil die demokratische Haltung zum Abtreibungsrecht mit den Intuitionen einer großen Mehrheit der Bevölkerung harmoniert. Der kulturelle Konsens macht die politische Polarisierung schwierig; die Gefahr für die Abtreibungsfreiheit bleibt abstrakt.

Joni Ernst ist am Dienstag zur Senatorin für Iowa gewählt worden, obwohl sie den Embryo als Person anerkannt sehen möchte. Als Mitglied der zweiten Parlamentskammer ihres Staates setzte sie ihren Namen unter einen entsprechenden Gesetzesentwurf, und während der Vorwahlen im Frühjahr erklärte sie, ein solches Gesetz solle Handhabe für die Bestrafung der Betreiber von Abtreibungskliniken bieten. Das ländlich geprägte Iowa gehört wie Colorado zu den Staaten, die zwischen rot und blau changieren. Da hier im Kampf um die Präsidentschaftskandidaturen traditionell die ersten Delegiertenversammlungen („caucuses“) stattfinden, richten sich die Augen der Nation alle vier Jahre auf Iowa. Joni Ernst empfahl sich ihren Wählern mit einem Fernsehwerbespot, in dem sie sich ihrer Erfahrung im Schweineschlachten rühmte.

Ihrer entschiedenen Meinung zum Lebensschutz entsprechen andere Standpunkte aus dem Handbuch des kämpferischen Konservatismus. So liest sie dem Recht auf individuellen Waffenbesitz eine politische Bedeutung ab: Im Notfall wäre die Schusswaffe in Privatbesitz zur Verteidigung des Volkes gegen eine tyrannische Regierung geeignet. Von liberaler Seite wird auch diese Meinung als extremistisch denunziert, obwohl dahinter die revolutionären Erinnerungen an die Gründung der Vereinigten Staaten stehen. Die „New Republic“ beklagte, dass im Wahlkampf zu wenig von Joni Ernsts Programmpunkten die Rede gewesen sei, und machte dafür das Sterben der Lokalzeitungen verantwortlich. Erst kurz vor Ende der Kampagne wurde in Iowa die feministische Moralkarte ausgespielt - von Joni Ernst. Tom Harkin, der 74 Jahre alte Senator, dessen Sitz sie nun übernehmen wird, hatte sich im Altherrentonfall über ihr Aussehen geäußert und sie mit der Countrysängerin Taylor Swift verglichen.

Die Geschichte der demokratischen Gouverneurin Wendy Davis war zu schön, um wahr werden zu können. Als die Demokraten zuletzt die Macht in Texas besaßen, führte eine Frau die Staatsgeschäfte: Ann Richards, 2006 verstorben, die in geflügelten Worten und sogar als Heldin eines in New York aufgeführten Theaterstücks fortlebt. Vergeblich bewarb sie sich 1994 um die Wiederwahl. Der Sieger hieß damals George W. Bush. So hängt für die Demokraten am Verlust von Texas das Trauma der in ihren Augen illegitimen Bush-Präsidentschaft.

Diese Schlacht musste nicht gewonnen werden

Die Kandidatur von Wendy Davis war von Anfang an eine wenig aussichtsreiche Wette auf das Wählerglück. Aber sie schien den Einsatz wert, die erhebliche moralische und finanzielle Unterstützung der Bundespartei - wegen der singulären symbolischen Bedeutung des Bundesstaates mit dem einsamen Stern in der Flagge.

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