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Vor neuen Kita-Streiks? : Verlierer sind die Kinder

  • -Aktualisiert am

Die Kita als Lernort – mit entsprechend ausgebildetem und bezahltem Personal. Noch haben aber nur fünf Prozent einen Hochschulabschluss. Bild: dpa

Wer von Gehaltserhöhungen von zehn Prozent träumte, der kann sich mit viereinhalb Prozent nicht zufrieden geben. Doch die viel zu hochfliegenden Träume der Erzieher und ihrer Gewerkschaften müssen dann die Kinder bezahlen.

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          Das Scheitern der Schlichtung im Kita-Streit war zu erwarten. Zu hoch waren die geschürten Erwartungen. Wer von Gehaltserhöhungen von zehn Prozent träumte, der kam sich mit den zwei bis viereinhalb Prozent des Schlichterspruchs billig abgespeist vor. Verdi-Chef Bsirske geht es generell um die Aufwertung des Berufsfeldes der kommunalen Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst und nebenbei um die eigene Wiederwahl als Gewerkschaftsvorsitzender. Es hatte schon im Juni wenig überzeugend geklungen, als er die Schlichtung lau verteidigte.

          Die Basis der drei Gewerkschaften Verdi, „Erziehung und Wissenschaft“ sowie „DBB Beamtenbund und Tarifunion“ hat sehr deutlich ihre Meinung gesagt: Die unter dem Dach des Deutschen Gewerkschaftsbundes organisierten Erzieherinnen und Sozialarbeiter brachten ihre Ablehnung mit fast siebzig Prozent zum Ausdruck; bei den unter dem Dach des Beamtenbundes organisierten Beschäftigen waren es mehr als sechzig Prozent. Deren Verhandlungsführer sagt nun, die betroffenen Familien hätten das Versprechen des Beamtenbundes, dass man „mit Bedacht vorgehen“ werde, falls es zu Aktionen komme.

          Bsirske: Weiterkämpfen oder Kandidatur vergessen

          Die Geister, die sie durch das Votum gerufen haben, werden die drei Gewerkschaften aber nicht mehr los. Sie werden sich wohl hinter Bsirske stellen, der entweder weiterkämpfen muss oder seine eigene Kandidatur vergessen kann.

          Das alles wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen, für die das Kita-Personal fürsorglich da sein will. Natürlich werden diese öffentlich Bediensteten nicht fürstlich bezahlt, genießen dafür aber einen sicheren Arbeitsplatz. Und natürlich sind ihre Aufgaben anspruchsvoll. Die Zeiten der Vormittagsbespaßung sind vorbei, Kitas gelten als Bildungseinrichtungen. Die Kindergärtnerin von gestern versteht sich als Akademikerin von heute. Allerdings haben erst fünf Prozent einen Hochschulabschluss. Schon allein deshalb empfiehlt sich nur eine allmähliche Anpassung der Vergütung.

          Zu bedenken ist außerdem das Gesamtgefüge des öffentlichen Dienstes, von den Mitteln der Kommunen ganz zu schweigen. Das unbotmäßige Verhalten der Gewerkschaften zeigt darüber hinaus, dass das Streikrecht für öffentlich Tarifbeschäftigte neu geregelt werden muss. Im Bereich der Daseinsvorsorge, zu dem Kitas zählen, müssen Arbeitskämpfe eingeschränkt werden, damit das Wohl der Kleinsten besser geschützt wird.

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