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Nach Schüssen auf Schwarzen : Zwei Tote bei Protesten gegen Polizeigewalt

Polizisten beim Einsatz in Kenosha am Dienstagabend Bild: AFP

In der dritten Nacht in Folge kam es zu Ausschreitungen in Kenosha. Eine Person sei von Schüssen in den Kopf, eine in die Brust getroffen worden, berichtet der Sheriff. Die Polizei suche nach einem Mann mit einem Gewehr.

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          Bei Protesten gegen Polizeigewalt in Kenosha im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin sind in der Nacht zu Mittwoch zwei Menschen erschossen worden. Eine weiterer Mensch sei angeschossen worden, berichtete die „New York Times“. David Beth, der Sheriff der Stadt, sagte in einem Interview, drei Personen seien bei der Demonstration von Kugeln getroffen worden, einer in den Kopf und einer in die Brust. Welche Verletzungen die dritte Person davongetragen hat, ist noch unklar. Bilder, die in den sozialen Medien verbreitet wurden, zeigen einen Mann, der offenbar in den Arm getroffen wurde.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Der Zeitung zufolge fielen die Schüsse, nachdem eine Gruppe Protestierender auf Bewaffnete traf, die angaben, eine Tankstelle vor Vandalismus zu schützen. Die „Washington Post“ schrieb, nachdem die ersten Schüsse gefallen seien, sei ein Mann mit einer Waffe von der Gruppe weggelaufen. Nachdem er hingefallen sei, habe er sich aufgerappelt und weitere Schüsse in Richtung der Gruppe abgegeben. Sheriff David Beth sagte im Gespräch mit der Zeitung „Milwaukee Journal Sentinel“, die Polizei suche nach einem Verdächtigen mit einem Gewehr.

          Die Proteste in Kenosha hatten begonnen, nachdem am Sonntag der Schwarze Jacob Blake von Polizisten mit sieben Schüssen schwer verletzt worden war. Unklar ist dabei weiterhin, was überhaupt genau geschah. Die Polizei teilte mit, sie sei zu einem „häuslichen Vorfall“ gerufen worden. Zeugen berichteten, Blake habe einen Streit zwischen zwei Frauen schlichten wollen, als die Polizei eintraf.

          Ein Polizist wurde vom Dienst suspendiert

          Auf einem Video ist zu sehen, dass Blake zu seinem Auto ging, während die Polizisten auf ihn einredeten. Während sich Blake durch die Fahrertür in sein Auto beugte – in dem drei seiner Söhne saßen –, zog ein Polizist an seinem Hemd, dann fielen sieben Schüsse. Wie viele davon Blake getroffen haben, ist unklar.

          Warum die Schüsse abgegeben wurden, ist nicht bekannt. Ein Zeuge will gehört haben, dass ein Polizist Blake aufgefordert habe, ein Messer fallen zu lassen. Der Zeuge habe jedoch kein Messer gesehen. Am Dienstag gab die Familie bekannt, dass Blake als Folge der Schüsse von der Hüfte abwärts gelähmt sei. Sein Anwalt sagte, es brauche ein Wunder, damit er jemals wieder gehen könne. Ein Polizist wurde vom Dienst suspendiert, die Behörde untersucht den Vorfall.

          Der Vorfall führte am Sonntag zu Protesten gegen Polizeigewalt. Die Stadtverwaltung verhängte daraufhin eine Ausgangssperre ab acht Uhr abends, die bis zum Mittwochmorgen ausgeweitet wurde. Wisconsins Gouverneur Tony Evers mobilisierte am Montag die Nationalgarde. Bis Montagabend blieben die Proteste friedlich. Als die Polizei jedoch die Sperrstunde durchsetzen wollte, schlugen sie in Gewalt um. Randalierer entfachten Feuer und schleuderten Gegenstände auf die Ordnungshüter. Die gingen mit Tränengas und Gummigeschossen dagegen vor.

          „Beenden Sie das Problem schnell!“

          Der amtierende Vize-Heimatschutzminister Ken Cuccinelli sagte am Dienstag dem Fernsehsender Fox News, der Gouverneur habe nicht genug gegen die Gewalt getan. Der amerikanische Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter an Evers: „Beenden Sie das Problem schnell!“

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          Die Polizei versuchte am Dienstag, Ausschreitungen zu unterbinden, indem sie mehrere Zufahrtsstraßen zur Stadt abriegelte und um das Gerichtsgebäude einen Zaun errichtete. Davor versammelten sich die Demonstranten. Als diese am Abend der Aufforderung, nach Hause zu gehen, nicht nachkamen und Wasserflaschen, Steine und Feuerwerkskörper auf die Beamten schleuderten, setzte die Polizei abermals Tränengas und Gummigeschosse ein. Die Menschen liefen daraufhin auseinander, einige auch zu der Tankstelle, an der es später zum Aufeinandertreffen mit den Bewaffneten kam.

          Noch im Laufe des Tages hatte die Mutter von Jacob Blake gesagt, ihr Sohn heiße die Gewalt in der Stadt nicht gut. Sie sprach sich auch gegen Rassismus aus: „Ich wende mich an alle, egal ob weiß, schwarz, japanisch, rot, braun. Niemand ist dem anderen überlegen“, sagte Julia Jackson. Sie und ihre Familie brachten aber auch ihre Skepsis über die Untersuchung der Gewalt gegen Jacob Blake zum Ausdruck.

          Blakes Vater Jacob Blake Senior sagte zu dem Vorfall: „Er schoss sieben Mal auf meinen Sohn. Sieben Mal! Als wäre er nichts wert. Aber er ist ein Mensch und er ist etwas wert.“

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