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Im Ausland lebende Amerikaner : Zurück in die Fremde

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Amerika : Gewinner und Verlierer von Trumps Umweltpolitik

Auch Megan Foster sieht das so. „Ich habe schon immer ein ausgeprägtes Gefühl von Patriotismus und Verpflichtung gegenüber meinem Land empfunden.“ Foster steht in ihrer Küche. Eine nette Altbauwohnung im Süden von Frankfurt. Ein wohlhabendes Viertel, Häuser aus der Gründerzeit. Auf der anderen Seite des Flusses stehen die gläsernen Türme der großen deutschen Banken. Foster kam erst vor kurzem nach Frankfurt. Sie hatte an den Universitäten von Yale und von Harvard Politikwissenschaften studiert. Sie machte ihren Abschluss, promoviert nun und wollte Diplomatin werden. Jedenfalls bis zur Wahlnacht.

„Natürlich war mir bewusst, dass ich in einer Blase lebe. Aber mit welcher Arroganz und Ignoranz viele meiner Freunde und Facebook-Freunde auf die Wahl reagierten, hat mich schockiert“, sagt Foster. Anstatt sich mit den Ursachen des Wahlausgangs auseinanderzusetzen, würden Trump-Wähler pauschal verurteilt, ja verunglimpft. „Das sind doch nicht alles unaufgeklärte Rassisten!“, sagt sie. „Ich habe das Gefühl, mein eigenes Land gar nicht wirklich zu kennen.“ Der geplante Schritt in die Diplomatie erscheint ihr nun wie eine Flucht vor dem normalen Leben. Statt der großen hat sie nun die kleinen, weniger glamourösen Dinge im Blick, die in ihren Zukunftsplänen zuvor nie eine Rolle gespielt hatten: die Lokalpolitik.

Keine pauschale Verurteilung von Trump-Wählern

Fosters Heimat ist der amerikanische Rust Belt, der Rostgürtel – jenes Gebiet im Nordosten der Vereinigten Staaten, wo einst die größten Betriebe und die ältesten Fabriken des Landes waren. Die Autowerke von Detroit; die Stahlwerke von Pittsburgh und Cleveland; der Industrie- und Verkehrsknotenpunkt von Chicago. Früher standen in der Region Millionen Menschen an den Hochöfen, Fließbändern und Werkbänken. Heute rosten die alten Betriebe vor sich hin. Der Abstieg der Industrie begann in den siebziger Jahren. Mit der Globalisierung gingen Tausende Unternehmen pleite, Zehntausende verlagerten die Fertigung nach China. Weiten Teilen der Mittelschicht Amerikas gingen Jobs und Wohlstand verloren. Mit dem Verlust wuchs ihr Frust. Donald Trump griff den auf und schlug daraus Kapital. Er sprach von Protektionismus und Isolationismus, von einer korrupten herrschenden Klasse, von Jobs, die er massenhaft zurück in die Staaten holen wollte, von Recht und Ordnung. Make America great again. Der Slogan kommt bei der gebeutelten Mitte der Gesellschaft gut an.

„Die Dringlichkeit, zurückzukehren und sich lokal zu engagieren, ist natürlich stärker, weil es eine rote Gegend ist“, sagt Foster. Rot ist die Farbe der konservativen Republikaner, auf deren Ticket es Trump ins Weiße Haus geschafft hatte. Foster will an die Basis der Gesellschaft. Sie will die Menschen in ihrer Heimat wieder besser verstehen. „Nimm zum Beispiel Religion“, sagt sie. „In meinem Umfeld trifft niemand politische Entscheidungen auf Basis des eigenen Glaubens.“ Viele Amerikaner aber würden vorgeben es zu tun. Warum?

„Davon bin ich vollkommen abgeschnitten“, sagt sie und sucht nach einer Antwort. „Ich kann noch so viel über das Wahlverhalten einzelner demographischer Gruppen lesen, aber es ist einfach zu komplex, um ein echtes Verständnis für die Sorgen zu entwickeln.“ Durch Amerika geht ein Riss: Stadt und Land; Arm und Reich; Demokraten auf der einen, Republikaner auf der anderen Seite. Der politische Diskurs zwischen den Lagern wird immer giftiger. Die Vereinigten Staaten sind gespalten.

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