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Wie konnten sie nur?

Von ANDREAS ROSS, Grafik: JENS GIESEL
17. November 2020

Der abgewählte Präsident bekam gut zehn Millionen Stimmen mehr als 2016. In fast der Hälfte aller Landkreise gewann Trump mit mehr als 40 Prozentpunkten Vorsprung vor Biden. Warum halten ihm so viele Amerikaner die Treue? Zehn Erklärungen.

Noch wird gezählt, aber schon steht fest: Nie bekam ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat mehr Stimmen als Joe Biden. Bisher sind fast 79 Millionen Stimmen für den Demokraten gezählt worden, nahezu 13 Millionen mehr, als Hillary Clinton 2016 bekommen hatte. Auf Platz zwei der Bestenliste aller Zeiten: Donald Trump. Bei ihm setzten am 3. November nach aktuellem Stand mehr als 73 Millionen Amerikaner ihr Kreuz, immerhin zehn Millionen mehr als 2016. Damit hat sogar der Verlierer den bisherigen Rekord weit übertroffen: 2008 holte Barack Obama knapp 70 Millionen Stimmen. Trump dürfte sich mit diesem Resultat großen Einfluss auf die Republikanische Partei gesichert haben.

Biden hat Trump zwar fünf Bundesstaaten „abgenommen“. Doch das ging kaum auf Wechselwähler, sondern auf eine rege Beteiligung der urbanen Demokraten-Klientel zurück. Von den 3141 Landkreisen (Counties), die unsere Karte zeigt, wechselte nur eine Handvoll die Farbe vom republikanischen Rot zum demokratischen Blau. Biden reichte der oft überdeutliche Sieg in etwa 550 meist dicht besiedelten Landkreisen, während Trump etwa 2600 Counties zählt.

Trotz seiner Niederlage, die Trump noch eingestehen muss, stellt sich also die Frage: Warum bleiben ihm so viele Amerikaner treu? Oder, moralisch aufgeladen: Wie konnten mehr als 70 Millionen Amerikaner einen Präsidenten behalten wollen, dem Abertausende Lügen nachgewiesen wurden, der die Corona-Krise mit bald einer Viertelmillion Toten eher verschärft als entschärft hat, der Rechtsradikale ermutigt und der feindliche Diktatoren den Nato-Verbündeten vorzieht?

Vier Jahre Trump Von Covfefe bis Covid

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