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Reaktionen auf Trumps Rede : „Besser hätte es Putin nicht machen können“

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Donald Trump gab sich in seiner ersten Rede vor Senat und Abgeordnetenhaus versöhnlich. Bild: EPA

Die Kommentatoren sind sich einig: Donald Trump zeigte sich in seiner Rede staatsmännischer als je zuvor. Interessant ist aber auch, was der Präsident nicht sagte.

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          In einer Sache scheinen sich die Kommentatoren einig zu sein: Donald Trump habe bei seiner Rede staatsmännischer gewirkt als je zuvor. Er habe versöhnlich gewirkt und diszipliniert. Das Magazin „Politico“ formuliert es so:„Trump versucht, normal zu sein.“

          Trump habe sich der Herausforderung seiner ersten Rede vor dem Kongress gestellt und dabei „so präsidentiell geklungen wie nie zuvor, seit er seine Amtszeit angetreten hat“, schreibt die amerikanische Zeitung „New York Times“. Doch trotz aller Verweise auf die Geschichte Amerikas oder das Versprechen „einer Erneuerung des amerikanischen Geistes“ bliebe nach Trumps Rede „ein Paradox bestehen“: Trump diskreditiere politische Gegner, während er zur Zusammenarbeit der verschiedenen Lager aufrufe. Er habe sich „einen öffentlichen Twitter-Krieg mit Arnold Schwarzenegger“ geliefert und erkläre gleichzeitig, er wolle triviale Kämpfe hinter sich lassen.

          Damit und mit seinem kurz zuvor abgeschossenen „Versuchsballon zur Einwanderung“ habe „Donald Trump, der Showman, die Aufmerksamkeit genau dahin gelenkt, wo er sie haben wollte – auf sich“. Indem er weiterhin offen lasse, was er über zentrale Punkte seiner Agenda wirklich denke, und die „Aufmerksamkeit von einer Kontroverse abzieht, indem er eine neue eröffnet“, verwirre er sowohl seine Verbündeten als auch seine Gegner, schreibt die „New York Times“. Und Washington zu verwirren und aus dem Gleichgewicht zu bringen, „ist genau nach Herrn Trumps Geschmack“.

          Die amerikanische Zeitung „Washington Post“ geht vor allem auf das ein, was der amerikanische Präsident nicht gesagt hat. Trump habe in etwa 60 Minuten ungefähr 5000 Worte gesprochen, aber nicht einmal Russland erwähnt. „Keine Minute war der bereits erfolgreichen Anstrengung unseres geopolitischen Feindes gewidmet, die amerikanische Demokratie zu schwächen.“

          Damit geht der Kommentator auf die Russland-Debatte ein. Die Geheimdienste beschuldigten Wladimir Putins Regierung, den amerikanischen Wahlkampf zugunsten Trumps beeinflusst zu haben; die Verbindungen zwischen Trump, dessen Team und Russland seien offenkundig, und der Präsident habe Moskau „einen freundlichen neuen Kurs“ versprochen. Dieses Thema sei unausweichlich gewesen, aber Trump habe es trotzdem ausgespart, „so wie Trotzky von sowjetischen Fotografien“ getilgt worden sei. „Putin hätte es nicht besser machen können“, schreibt die „Washington Post“.

          Rede vor dem Kongress : Was Trump gesagt hat

          Auch der frühere demokratische Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders geht in seinem viertelstündigen Video-Kommentar zur Trump-Rede auf das ein, was der Präsident nicht gesagt hat. „Denn manchmal ist beim Analysieren einer Rede das wichtiger, was jemand unausgesprochen lässt“, sagt Sanders. Während mehr als die Hälfte der älteren Amerikaner keine Rücklagen für die Rente gebildet hätten, habe Trump „nicht ein einziges Wort über soziale Sicherheit oder die staatliche Gesundheitsvorsorge“ gesagt, obwohl beide Themen Teil seiner Wahlkampfversprechen gewesen seien.

          Sanders Bemerkung ist nicht ganz korrekt: Trump ging in seiner Rede kurz auf das Thema Gesundheitsversorgung beziehungsweise das Programm Obamacare ein – allerdings ohne konkrete inhaltliche Aussagen zu machen.

          Der frühere Präsidentschaftsbewerber Sanders kritisierte weiter, dass Trump auch das Thema Einkommensungleichheit übergangen habe. Dabei sei die „heute so hoch wie seit den 1920er Jahren nicht mehr“.

          Der konservative und der Trump-Regierung nahestehende Fernsehsender „Fox News“ schreibt, Trump habe mit der Rede eine „optimistischere Vision für die Zukunft des Landes angeboten“, im Gegensatz zu der „teilweise düsteren Ansprache bei seiner Amtseinführung“. Die grundsätzlich mit Wohlwollen aufgenommene Rede könnte für Trump eine Möglichkeit sein, „seine junge Präsidentschaft nach einem schwierigen Start (...) noch einmal neu zu beginnen“. Für den Fox-News-Moderator Chris Wallace ist Trumps Rede sogar „eine der besten, die ich in diesem Rahmen je gesehen habe“.

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