https://www.faz.net/-gpf-9wc74

Reaktion auf Impeachment : Trumps Freitagabend-Massaker

  • -Aktualisiert am

Freigesprochen: Der amerikanische Präsident Donald Trump kommt am Freitag in Charlotte, North Carolina, an. Bild: Reuters

Nach Trumps Freispruch im Impeachment-Prozess rollen in Washington die Köpfe. Wer gegen ihn ausgesagt hat, muss gehen. Die Entlassungen könnten der Anfang einer größeren Aktion sein.

          3 Min.

          Die Nachricht, dass der amerikanische Präsident den Ukraine-Fachmann im Nationalen Sicherheitsrat entlassen hatte und den im Irak-Krieg für seine Tapferkeit ausgezeichneten Oberstleutnant des Heeres von Sicherheitsbeamten aus dem Weißen Haus führen ließ, war erst wenige Stunden alt. Da versammelten sich in Manchester in New Hampshire die demokratischen Präsidentschaftsbewerber zur Fernsehdebatte.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          In deren Mitte stand Joe Biden, also jener Mann, den Donald Trump in der Ukraine-Affäre im Visier hatte. Der frühere Vizepräsident ergriff das Wort: „Steht auf und klatscht für Vindman.“ Man möge zeigen, dass Amerika anders sei als Trump, sagte er. Alexander Vindman habe einen Orden verdient. Im Publikum erhoben sich die Leute und applaudierten.

          Erst der Anfang?

          Vindmans Anwalt hatte zuvor mitgeteilt, dass neben seinem Mandanten auch dessen Zwillingsbruder Jewgenij entlassen worden sei, der in einer anderen Abteilung des Nationalen Sicherheitsrats gearbeitet hatte. Ebenfalls am Freitag wurde Gordon Sondland, der amerikanische Botschafter in Brüssel, vom State Department unterrichtet, dass er mit sofortiger Wirkung von seinem Posten abgezogen werde.

          Die Entlassungen sind mutmaßlich erst der Anfang einer größeren Aktion Trumps. Wer den Präsidenten während der Ermittlungen des Kongresses belastet hat, muss gehen. In Washington ist von einem „Freitagabend-Massaker“ die Rede – in Anlehnung an Richard Nixons „Saturday night massacre“ in der Watergate-Affäre.

          Der Anschein einer Umstrukturierung

          Stephanie Grisham, die Sprecherin des Weißen Hauses, hatte nach dem Freispruch Trumps im Impeachment-Prozess angekündigt, dass einige Leute für das zahlen müssten, was sie getan hätten. Als der Präsident dann am Donnerstag seine Unterstützer um sich versammelte, darunter viele Kongressmitglieder, wurde eigentlich damit gerechnet, dass er eine Art Racheaktion verkündet. Er beließ es aber bei düsteren Andeutungen: Man müsse sicherstellen, dass so etwas nie wieder passieren könnte, sagte er.

          Als die Entlassung Vindmans tags darauf bekanntwurde, versuchte das Weiße Haus dies zunächst als Teil einer Umstrukturierung darzustellen, die Robert O’Brien, der Nachfolger John Boltons, unmittelbar nach seiner Berufung zum Nationalen Sicherheitsberater im September vergangenen Jahres angekündigt hatte: Der Apparat sei aufgebläht und gehöre verkleinert. In der vergangenen Woche fügte er hinzu, dass es auch darum gehe, Mitarbeiter um sich zu versammeln, die Trumps Linie folgten: Die Leute im Nationalen Sicherheitsrat sollten Trump dienen wollen.

          „Sehr ungehorsam“

          Der Präsident selbst gab sich keine Mühe, seine Motive zu verbergen: Vindman sei sehr „ungehorsam“ gewesen, schrieb er auf Twitter. Er habe den Inhalt seiner „perfekten“ Telefonanrufe mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj falsch wiedergegeben: „Mit anderen Worten: ,Raus‘.“

          Weitere Themen

          Das steckt hinter dem Rechtsstreit Video-Seite öffnen

          Polen und die EU : Das steckt hinter dem Rechtsstreit

          EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki kamen sich bei der Aussprache im EU-Parlament am Dienstag nicht entgegen.

          Topmeldungen

          Konkurrenten um das Amt des Finanzministers: Robert Habeck (links) und Christian Lindner

          Ampel-Verhandlungen : Wer was wird

          Welche Partei welches Ministerium bekommt, soll erst am Schluss der Koalitionsverhandlungen besprochen werden. Doch im Hintergrund hat das große Verteilen längst begonnen. Ein Überblick aus der Berliner Gerüchteküche.
          Den Auftritt in Amsterdam hatten sich Erling Haaland (Zweiter von rechts) und der BVB sicher anders vorgestellt.

          0:4-Debakel in Champions League : Der BVB wird regelrecht zerlegt

          Das Duell mit Ajax Amsterdam gerät für Borussia Dortmund zur Lehrstunde in Sachen Offensivfußball. Torhüter Gregor Kobel verhindert ein noch deutlicheres Ergebnis. Trainer und Spieler des BVB sind bedient.
          Julian Reichelt

          Der Fall Julian Reichelt : Was uns der Rauswurf des Bild-Chefs sagt

          Der Bild-Chefredakteur Julian Reichelt ist seinen Job los. Bei seinem Betragen ist das nur angemessen. Springer-Chef Döpfner hält ihn indes für einen „Rebellen“. Das ist der falsche Begriff.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.