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Impeachment-Verfahren beendet : Trumps Triumph-Tour

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Während seiner Ansprache zum gescheiterten Impeachment-Verfahren, hält Präsident Trump eine Zeitung in den Händen, die seinen Freispruch verkündet. Bild: AP

Donald Trump absolviert mehrere Termine in Washington, um seinen Freispruch im Amtsenthebungsverfahren maximal auszukosten. Dabei erzählt er seine Version der Geschichte – als nie endende „Hexenjagd“.

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          „Trump freigesprochen“: Es ist ausgerechnet die „Washington Post“, die Trump an diesem Mittag im East Room des Weißen Hauses hochhält, während die Republikaner im Publikum applaudieren. Eigentlich verachtet er die alt eingesessene Zeitung, subsumiert sie gern unter die „scheiternde Presse“. Vielleicht werde er sich dieses Exemplar einrahmen, scherzt der Präsident. Er ist gekommen, um eine Erklärung zu seinem gestrigen Freispruch im Amtsenthebungsverfahren abzugeben – und, um seinen Triumph auszukosten. „Wir sind durch die Hölle gegangen, unfairerweise, wir haben nichts falsch gemacht“, beteuert Trump. „Es war bösartig, es war korrupt, es waren Polizisten mit Dreck am Stecken, es gab Leaks und Lügner“, beschreibt er seine Sicht auf die Ermittlungen.

          Nicht nur Journalisten sind gekommen, auch mehrere Kabinettsmitglieder und konservative Politiker holen sich Trumps Lob für ihre Loyalität ab. Mitch McConnell sei ein „großartiger Mann“, sagt der Präsident. Der Mehrheitsführer im Senat sei von Anfang an auf seiner Seite gewesen und habe nie gezögert. Mitt Romney dagegen habe Religion als eine Krücke und einen Vorwand benutzt, als er als einziger Republikaner für einen der Anklagepunkte gegen Trump, den Missbrauch der Macht seines Amtes, stimmte. Romney hatte sich in seiner Rede am Vortag auf seinen Eid vor Gott berufen.

          „Aber wissen Sie, das ist ein gescheiterter Präsidentschaftskandidat. Und wenn man beim Kampf um die Präsidentschaft so schlimm scheitert, dann können Dinge mit einem passieren“, sagt Trump in Anspielung auf Romneys innerparteiliche und allgemeine Kandidaturen 2008 und 2012. „Sagen Sie ihnen, es tut mir leid wegen Mitt Romney“, setzt er hinzu, gewandt an die Wähler in dessen Heimatstaat Utah.

          Trump greift Verschwörungstheorien seiner Anhänger auf

          Trump erzählt die Geschichte der vergangenen drei Jahre dann noch einmal als Kampf gegen feindliche Kräfte – was immer in der Zeit schief lief, liegt aus seiner Sicht an den Demokraten. Und alle Auseinandersetzungen endeten dank der loyalen Republikaner an seiner Seite mit seinem „Sieg“. Bevor mit dem Amtsenthebungsverfahren das jüngste Kapitel der „Hexenjagd“ gegen ihn zu Ende gegangen sei, „haben wir erst Russland, Russland, Russland durchgemacht“, schimpft Trump. Er wiederholt auch einige Verschwörungstheorien, die viele seiner Anhänger unermüdlich im Netz verbreiten. So behauptet er, dass die Behörden die Ermittlungen gegen sein Wahlkampfteam bereits 2015 starteten.

          Die „Hexenjagd“ sei losgegangen, „von dem Tag an, als wir mit dem Fahrstuhl herunterkamen, ich und die spätere First Lady“, sagt Trump mit Bezug auf die Verkündung seiner Kandidatur im New Yorker Trump-Tower im Juni 2015. Seine Kampagne wurde aber erst seit dem Sommer 2016 daraufhin untersucht, ob Russen Einfluss zu nehmen versuchten. Trump spielt auch auf die unbewiesene Behauptung an, es habe innerhalb der Bundespolizei FBI vor seiner Wahl Pläne gegeben, diese zu verhindern.

          Am Ende wird es dann noch emotional: Trump dankt seiner Familie, dass diese „mit ihm durchgehalten“ habe. Er umarmt First Lady Melania und Tochter Ivanka Trump. „Ich möchte mich bei meiner Familie dafür entschuldigen, dass sie durch eine inszenierte, schmutzige Sache durch mussten, die von sehr bösartigen und kranken Menschen angezettelt wurde“, sagt er, und: „Das war nicht Teil des Deals.“ Die Republikaner im Saal applaudieren.

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