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Leser fragen – wir antworten : Wie reagieren die Wahlverlierer in Amerika?

Eine Wahl, zwei Kandidaten, viele Fragen: Wir suchen Antworten für Sie. Bild: Reuters, dpa, Freepik, iStock (Bearbeitung F.A.Z.)

Wir beantworten Ihre Fragen zur Amerika-Wahl. In dieser Folge auch: Welche „checks and balances“ haben die Vereinigten Staaten Deutschland voraus? Und: Warum schicken die Demokraten gegen Trump einen alten, weißen Mann ins Rennen?

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          Wenn Trump gewinnt, verlassen seine Gegner dann in Massen das Land? Wenn er verliert, greifen seine Anhänger dann zu den Waffen?

          Dass einige Trump-Gegner ihre Zelte in den Vereinigten Staaten abbrechen, sollte Trump wiedergewählt werden, damit ist zu rechnen. Auch früher war es so; nach den Siegen von Ronald Reagan und George W. Bush waren linksliberal eingestellte Amerikaner nach Kanada ausgewandert. Es waren Prominente darunter, die ihren Akt entsprechend heroisierten. Eine Massenbewegung war das jeweils nicht. Trotz der Polarisierung und des vergifteten gesellschaftlichen Klimas im Lande ist es auch nicht sehr wahrscheinlich, dass es dieses Mal große Kolonnen nach Norden geben würde. Eher ist zu erwarten, dass die Gegensätze zwischen Bundesstaaten mit unterschiedlicher politischen Grundorientierung zunehmen und sich die Konflikte zuspitzen würden.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          Redakteur in der Politik.

          Anders könnte es sich verhalten, wenn Donald Trump die Wahl verlieren sollte, vor allem bei einem knappen Ergebnis. Er selbst hat ja wiederholt davon gesprochen, dass er nur dann die Wahl verlieren könne, wenn sie manipuliert werde. Die präemptive Delegitimierung des Wahlergebnisses könnte Hard-core-Anhänger dazu veranlassen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Es gab ja bereits Aufzüge militanter und schwerbewaffneter Leute, sogenannter Milizen, in verschiedenen Städten des Landes.

          Wissenschaftler, Analysten und Journalisten haben vor einiger Zeit unter Anwendung seriöser Methoden  mögliche Reaktionen bei unterschiedlichen Wahlausgängen simuliert. Sie kamen in der Tat zu dem Ergebnis, dass Gewaltausbrüche nicht auszuschließen wären, würde Trump die Wahl (knapp) verlieren, unabhängig davon, ob er seine Niederlage eingestünde. Gewaltsame Reaktionen werden sogar für wahrscheinlich gehalten.  

          Es fällt jedenfalls auf, wie häufig „bürgerkriegsähnliche Situationen“ an die Wand gemalt werden.  Angesichts der Hetze Trumps und der Dämonisierung seines Gegners und angesichts einer extrem waffenaffinen Wählerklientel wäre das zwar ein ebenso extremer dramatischer Verfall demokratischer Sitten, aber dann auch wieder keine Überraschung. Neuerdings wird auch über „Putschgefahren“ geredet. 

          Warum haben die Demokraten gegen Trump einen alten, weißen, konservativen Mann aufgestellt? 

          Auf einen knappen Nenner gebracht: weil die Mehrheit der demokratischen Vorwähler es so wollte. Und nicht nur das: Joe Bidens schärfster Konkurrent um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten war der 78 Jahre alte Bernie Sanders, der linkspopulistische und Anti-Establishment-Senator aus Vermont, der vor allem auf der Parteilinken und bei jungen Wählern gut ankam, aber dann doch deutlich unterlag.

          Nur zur Erinnerung: Kamala Harris, Bidens Kandidatin für das „Amt des Vizepräsidentin“ und einiges jünger als dieser, hatte auch nach der Krone greifen wollen. Sie schied aus der Konkurrenz der Demokraten aus, noch bevor die erste Vorwahl stattgefunden hatte. Warum? Das Geld der Spender floss nicht, Vorwähler fielen bei ihren Auftritten nicht gerade vor Begeisterung in Ohnmacht.

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          Die Wende zugunsten Bidens, der im November 78 Jahre alt wird, brachten die Vorwahlen im Südstaat South Carolina. Dort haben die afroamerikanischen Wähler großes Gewicht. Sie stimmten mit großer Mehrheit für den ehemaligen Vizepräsidenten unter Barack Obama. Die Schwarzen sind eine der wichtigen Gruppen in der Wählerkoalition der Demokraten. Bei ihnen ist allerdings immer der Grad der Mobilisierung ein Thema, mit dem sich demokratische Wahlkämpfer befassen müssen. Biden hat einen Draht zu ihnen. 

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