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Portland und Kenosha : Wer hat wen getötet?

Tatort Portland: Blumen erinnern an den erschossenen Aaron J. Danielson. Bild: AP

Ein Polizist schießt in Kenosha auf einen Afroamerikaner. Ein weißer Jugendlicher tötet Demonstranten. In Portland wird ein Trump-Anhänger erschossen. Was wir über die Vorfälle wissen, die jetzt den Wahlkampf bestimmen.

          4 Min.

          Der amerikanische Wahlkampf dreht sich derzeit vor allem um die Frage: Wer verspricht Sicherheit, wer führt das Land zu Gewalt und Anarchie? Dabei wird heftig um die Vorfälle in Kenosha und Portland gestritten. Dort lichtet sich der Nebel nur langsam. Wir fassen zusammen, was bisher bekannt ist.

          Ein Trump-Anhänger wird erschossen

          Oliver Kühn
          Redakteur in der Politik.

          Zum bislang jüngsten Fall tödlicher Gewalt auf einer Demonstration kam es am vorigen Samstag, dem 29. August, in Portland im Bundesstaat Oregon. Kurz nachdem ein Konvoi aus Pritschenwagen und anderen Fahrzeugen von Trump-Anhängern durch das Geschäftsviertel der Stadt gefahren war, kam es dort zu einer tödlichen Konfrontation. Auf einem Video ist zu erkennen, wie das Opfer offenbar ein Reizgas versprüht. Dann sind zwei Schüsse zu hören, der Mann bricht auf der Straße zusammen. Die Polizei gab später bekannt, dass es sich bei dem Opfer um Aaron Jay Danielson handelt. Er trug während des Vorfalls eine Mütze mit dem Abzeichen von „Patroit Prayer“, einer rechtsextremen Organisation, die sich in den vergangenen Wochen schon Auseinandersetzungen mit Demonstranten in der Stadt geliefert hatte. Einer der Anführer der Gruppe sagte, der Tote sei ein Freund und Unterstützer.

          Am Montag berichtete die Zeitung „The Oregonian“ unter Berufung auf anonyme Polizeiquellen, die Behörden hätten einen Verdächtigen identifiziert und untersuchten den Fall weiter. Auf einem Video des Vorfalls sind zwei Menschen zu sehen, die vom Ort des Geschehens weglaufen. Eine Schwester des Verdächtigen habe ihn auf Bildern erkannt und sich bei der Polizei gemeldet, heißt es. Es handle sich um einen 48 Jahre alten Mann, der seit längerem an Demonstrationen in Portland beteiligt ist und sich im Internet als „Antifaschist“ bezeichne. Der Verdächtige sei Anfang Juli von der Polizei angezeigt worden, weil er eine geladene Waffe bei sich gehabt habe. Die Ermittlungen wurden jedoch am Ende des Monats ohne Folgen für den Verdächtigen eingestellt.

          Ein „Freiwilliger“ erschießt zwei Demonstranten

          Nur vier Tage vorher, am 25. August, wurden in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin zwei Demonstranten gegen Rassismus und Polizeigewalt erschossen. Der 17 Jahre alte Kyle Rittenhouse war mit seinem Gewehr, das er in seinem Alter in Wisconsin gar nicht hätte tragen dürfen, aus dem gut 30 Kilometer entfernten Antioch in Illinois in die Stadt gekommen, um Geschäfte vor Plünderung und Zerstörung zu schützen, wie er sagte. Mehrere Videos zeigen ihn, wie er in der Nacht mit Journalisten spricht. In einem sagt er, er sei kurz vorher von einem Demonstranten mit Pfefferspray besprüht worden. Er habe sein Gewehr dabei, weil er sich schützen müsse, so Rittenhouse.

          Nach Angaben seiner Rechtsanwälte war Rittenhouse kurz vor Mitternacht auf dem Weg zu einem Geschäft, vor dem er Wache halten wollte, als er auf eine Gruppe von Demonstranten traf. Auf einem Video ist zu sehen, wie er über einen Parkplatz läuft und dabei von einem Mann verfolgt wird. Das war der 36 Jahre alte Joseph Rosenbaum. Der wirft einen Gegenstand nach Rittenhouse, der ihn jedoch verfehlt. Kurz danach sind Schüsse zu hören. Woher sie stammen, ist unklar. In der Anklageschrift ist die Rede davon, dass der unbewaffnete Rosenbaum versucht habe, den Lauf des Gewehrs von Rittenhouse zu greifen. Dieser tötete laut Autopsiebericht Rosenbaum schließlich mit mindestens fünf Schüssen.

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