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Leser fragen – wir antworten : Wenn Trump verliert – was bliebe von der Republikanischen Partei?

Eine Wahl, zwei Kandidaten, viele Fragen: Wir suchen Antworten für Sie. Bild: Reuters, dpa, Freepik, iStock (Bearbeitung F.A.Z.)

Wir beantworten Ihre Fragen zur Amerika-Wahl. In dieser Folge auch: Man hört immer nur von den Evangelikalen – aber was legen die anderen Religionsgemeinschaften ihren Gläubigen nahe?

          4 Min.

          Welchen Kandidaten empfehlen welche Religionsgemeinschaften?

          In den Vereinigten Staaten ist es den Religionsgemeinschaften untersagt, für einen bestimmten Kandidaten Partei zu ergreifen oder ihn finanziell zu unterstützen. Hintergrund ist das „Johnson Amendment“ aus dem Jahr 1954, das sich auf den Status der Kirchen als steuerbegünstigte Non-Profit-Organisationen bezieht. Diese Regelung steht natürlich in einer gewissen Spannung zur Redefreiheit, deren Rang in Amerika noch höher ist als in anderen Ländern. Das „Johnson Amendment“ ist deshalb politisch seit langem umstritten. Präsident Trump hat 2017 versucht, die Regelung per Dekret zu kippen. Doch das war ein symbolischer Akt ohne rechtliche Wirkung.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Insofern geben die Kirchen und Religionsgemeinschaften vor der Präsidentschaftswahl 2020 anders als zum Beispiel viele Zeitungen keine Wahlempfehlungen ab. Die große Mehrheit der Amerikaner, nach neuen Daten 76 Prozent, empfände Wahlempfehlungen der Religionsgemeinschaften auch als unangemessen.

          Was es gibt, sind Stellungnahmen von Personen oder Personengruppen. Für Joe Biden hat sich vor kurzem eine Gruppe von mehr als 1600 Kirchenleuten ausgesprochen, darunter Protestanten und Katholiken. Und es steht den Pastoren natürlich frei, ihren Kandidaten mit anderen Methoden zu unterstützen: Als Donald Trump am vergangenen Sonntag eine Freikirche in Las Vegas besuchte, berichtete die Pastorin, dass sie kurz zuvor – „um 4:30 Uhr“ – eine göttliche Eingebung erhalten habe, dass Trump die Wahl gewinnen werde.

          Möchte man etwas über die politische Ausrichtung der großen religiösen Gruppen erfahren, kann man das Wahlverhalten ihrer Anhänger ansehen. Die weißen Evangelikalen wählen laut den Daten des Pew Research Center zu 78 Prozent Trump. Die katholische Kirche ist gespalten: Die weißen Katholiken sprechen sich mit knapper Mehrheit von 52 Prozent für Trump aus, die Latino-Katholiken zu 67 Prozent für Biden. Die jüdische Wählerschaft unterstützt sogar zu 70 Prozent Biden. Über die Muslime hat das Pew Research Center keine Daten veröffentlicht. 

          Ist die Republikanische Partei „nach Trump” nur noch eine leere Hülle?

          Es ist aus guten Gründen oft von einer „feindlichen Übernahme“ der Republikanischen Partei durch Donald Trump die Rede. Der New Yorker Baulöwe hatte kaum ein gutes Haar an maßgeblichen Politikern der Partei gelassen und sich in zentralen Programmpunkten völlig anders positioniert.

          Man denke nur an seine Attacken auf den von vielen Amerikanern als Kriegshelden bewunderten Senator John McCain oder auf die Familie Bush, aus der die letzten beiden republikanischen Präsidenten des Landes stammten. Programmatisch machte Trump die freihändlerischen Republikaner zu einer Partei des Protektionismus. Sein Versuch, Amerikas Rolle als „Weltpolizist“ abzuschütteln, setzte eher die Politik des Demokraten Barack Obama fort als die von Ronald Reagan und den Bushs. Sein anfängliches Ansinnen, die Partei gesellschaftspolitisch neu auszurichten und etwa für Homosexuelle interessanter zu machen, gab Trump allerdings schnell auf, um die Unterstützung der religiösen Rechten zu erlangen. 

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