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Amerikanische Wechselwählerin : „Donald Trump hat mein Leben verbessert“

  • -Aktualisiert am

Amtseinführung am 20.01.2017 im Kapitol in Washington: Der neue Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump (r.), und sein Amtsvorgänger, Barack Obama, begrüßen sich. Bild: dpa

Donna Burgraff stammt aus einer amerikanischen Arbeiterfamilie. „Alles überzeugte Demokraten“, wie sie sagt. Erst wählte sie Obama, dann Trump. Und jetzt? Gespräch mit einer Wechselwählerin.

          6 Min.

          Ein entscheidender Faktor für Donald Trumps Wahlsieg im November 2016 waren ehemalige Demokraten-Wähler, die plötzlich für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten stimmten. Von den mehr als 650 Wahlbezirken, in denen 2008 und 2012 für Barack Obama gestimmt wurde, gewann Donald Trump 2016 rund ein Drittel, viele davon in wichtigen Staaten wie Ohio, Michigan und Wisconsin. Auch Donna Burgraff gab Obama einst ihre Stimme. Dann wählte sie Trump. Bereut sie heute, knapp zwei Jahre nach der Wahl, ihre Entscheidung?

          Frau Burgraff, Sie stammen aus der Grenzregion zwischen West Virginia und Kentucky. In was für einer Familie sind Sie aufgewachsen?

          Ich stamme aus einer Familie mit langer, langer Arbeiterklasse-Vergangenheit. Mein Vater, Großvater, und Urgroßvater waren Bergmänner in den Zechen der umliegenden Region. Das waren alles überzeugte Demokraten.

          Welche Themen waren wichtig, wenn bei Ihnen über Politik gesprochen wurde?

          Die drei haben sich als Bergmänner alle in der Gewerkschaft engagiert. Es waren typische Anliegen der Arbeiterklasse in den siebziger und achtziger Jahren, die sie damals beschäftigten: Ein fairer Lohn als Ausgleich für einen harten Arbeitstag. Sie wollten gute und sichere Bedingungen für sich und ihre Kumpel. Sie haben auch versucht, darauf zu achten, dass die Umwelt nicht allzu sehr beeinträchtigt wird – so gut das eben ging im Bergbau.

          Sie selbst haben die Arbeiterklasse hinter sich gelassen, arbeiten heute als Dozentin an der Ohio University. War es Ihren Eltern wichtig, dass aus Ihnen etwas wird?

          Sie wollten, dass ich zur Schule gehe, damit ich einen Abschluss habe und an die Uni gehen kann. Sie wollten, dass ich eine gute Erziehung genieße, damit ich eines Tages selbst für mich sorgen kann. Ich bin die ältere von zwei Schwestern und die erste, die aus der ganze Familie überhaupt studiert hat. Ich konnte damals an die Uni, weil ich ein akademisches Stipendium bekam. Meine Eltern wollten, dass ihre Kinder ein besseres Leben haben als sie selbst es hatten. Ich selbst habe mein Leben in gewisser Weise dieser Philosophie gewidmet: Das ist ein Grund, warum ich seit Jahren an der Uni unterrichte und versuche, anderen Menschen etwas mit auf den Weg zu geben für den Rest ihre Lebens.

          Wer wie wem hilft ist auch eine der großen Fragen in der Politik. 2008 haben Sie für Barack Obama in der Präsidentschaftswahl gestimmt. Was hat Ihnen an ihm zugesagt?

          Ich bin registriert als independent voter, gehöre also weder den Demokraten noch den Republikanern an. Ich habe immer für den gestimmt, den ich für den besten Kandidaten hielt. 2008 war ich begeistert von Obamas „hope and change“-Botschaft. Ich hatte wirklich gehofft, dass ein Wandel eintritt. Was er damals gesagt hat, war wahnsinnig inspirierend. 2012 war dann klar, dass er der Kohle-Industrie an den Kragen will, also habe ich schlussendlich für Mitt Romney gestimmt.

          Donna Burgraff gab Obama einst ihre Stimme. Dann wählte sie Trump.
          Donna Burgraff gab Obama einst ihre Stimme. Dann wählte sie Trump. : Bild: Daniel C. Schmidt

          Und 2016 haben Sie Donald Trump Ihre Stimme gegeben. Warum?

          Das kann ich Ihnen sagen, das hat einen einfachen Grund: Antonin Scalia.

          Der ehemalige Richter am Supreme Court, der mitten im Wahlkampf verstarb.

          Genau der. Nichts gegen meine deutsche Vorfahren und Ihre Leser, aber ich bin fest davon überzeugt, dass Amerika das großartigste Land der Welt ist und dass die Gründerväter ein nahezu perfektes Regierungssystem mit den drei Staatsgewalten geschaffen haben, als sie die Verfassung niederschrieben. Aber was ich in unserem Land in jüngster Vergangenheit beobachtet habe, ist, wie die Judikative plötzlich den Job der Legislative übernommen hat und anfing, Gesetze zu machen.

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