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Debatte um Denkmäler : Bildersturm vor der Haustür des Präsidenten

Das Jefferson Memorial in Washington Bild: AP

Washingtons Bürgermeisterin ließ eine Liste mit Denkmälern erstellen, die im Zuge der Rassismus-Debatte „umbenannt, entfernt oder kontextualisiert“ werden sollen. Darunter auch das Jefferson Memorial. Das Weiße Haus ist nicht erfreut.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Wer schon einmal zur Kirschblüte in Washington war, kennt wahrscheinlich das auffällige neoklassizistische Gebäude mit der runden Kuppel südlich der National Mall, dessen Eingang an das Pantheon in Rom erinnert: Im Inneren steht eine fast sechs Meter hohe Bronzestatue von Thomas Jefferson, der einen langen Mantel trägt, sein linkes Bein ist ausgestellt, im Gesicht kann man so etwas wie ein Lächeln erkennen.

          Über seiner Schulter ist in einer der Marmorwände der berühmteste Satz eingemeißelt, der Jefferson jemals eingefallen ist. Es ist die Präambel der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung: „Wir halten die folgenden Wahrheiten für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geschaffen wurden, dass ihr Schöpfer sie mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet hat, dass sich unter diesen Leben, Freiheit und das Streben nach Glück befinden.“

          Das Jefferson Memorial, wie das Denkmal offiziell heißt, ist ein imposantes Gebäude, in seiner Größe und Wucht standesgemäß für einen der einflussreichsten amerikanischen Politiker. Im Jahr hat es rund drei Millionen Besucher. Es ist aber auch ein Denkmal der anderen Art: eine Erinnerung an die teils unaufgearbeitete rassistische Vergangenheit der Vereinigten Staaten. Jefferson war nicht nur der dritte Präsident der Vereinigten Staaten, er war genauso Sklavenhalter.

          Ein Auftrag von Washingtons Bürgermeisterin

          Und so fand sich das Jefferson Memorial diese Woche nicht überraschend auf einer Liste wieder, die eine Kommission im Auftrag von Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser erstellt hat: Denkmäler, öffentliche Plätze und Einrichtungen sind dort aufgeführt, die nach berühmten, aber problematischen Persönlichkeiten benannt wurden. Neben Jefferson werden auch Woodrow Wilson und Alexander Graham Bell genannt, der eine wegen seiner rassistischen Aussagen, der andere wegen seiner Ansichten zur Eugenik.

          Die Einleitung zum Abschlussbericht der Kommission spricht nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd durch einen weißen Polizisten in Minneapolis von einem „beispiellosen Aktivismus im Kampf um Einbeziehung, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit“ in diesem Sommer und empfiehlt, die identifizierten Objekte und Orte „entweder zu entfernen, umzubenennen oder zu kontextualisieren“.

          Die fast sechs Meter hohe Bronzestatue von Thomas Jefferson im Jefferson Memorial in Washington
          Die fast sechs Meter hohe Bronzestatue von Thomas Jefferson im Jefferson Memorial in Washington : Bild: Picture-Alliance

          Neben einigen Schulen und öffentlichen Plätzen in der Stadt fanden sich auf der Liste, die nach mehreren Monaten Arbeit Anfang der Woche veröffentlicht wurde, auf Seite 22 auch acht Statuen und Denkmäler, darunter das Jefferson Memorial, das berühmte Washington Monument, eine Statue von Benjamin Franklin sowie ein Brunnen zu Ehren von Christopher Kolumbus.

          Trumps Sprecherin antwortete prompt

          Das Problem dabei: sie befinden sich zwar in der Stadt Washington, D.C., gehören aber der Regierung. Prompt veröffentlichte Kayleigh McEnany, Donald Trumps Pressesprecherin im Weißen Haus, ein Statement zu den Empfehlungen der Kommission. Diese wiederholten dasselbe linksextreme Narrativ, „das benutzt wird, um gefährliche Krawalle anzuheizen: der Abriss und die Zerstörung unseres großartigen Kulturerbes“.

          „Solange Präsident Trump im Weißen Haus sitzt, werden die verantwortungslosen Empfehlungen der Bürgermeisterin ins Leere laufen“, sagte McEnany. „Sie sollte sich schämen, diese Vorschläge überhaupt in Betracht zu ziehen.“ Auch David Bernhardt, Innenminister in Trumps Kabinett, reagierte unmittelbar. Auf Twitter schrieb er kurz und knapp: „Nicht unter meiner Aufsicht. Wird niemals passieren.“

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