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Republikaner im Gespräch : „Trump wird sich wahrscheinlich zusammenreißen“

Er macht ernst: Donald Trump unterzeichnet am Tag seiner Amtseinführung seine erste Anordnung, „zur Erleichterung der Lasten durch Obamacare“. Bild: dpa

Der Vorsitzende der Republicans Overseas Germany rät im FAZ.NET-Gespräch zu mehr Gelassenheit gegenüber Donald Trump – und erinnert an einen anderen unbeliebten Präsidenten, dem Deutschland viel zu verdanken hat.

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          War Trumps Amtseinführung am vergangenen Freitag wirklich das Ende einer Ära?

          Anna-Lena Ripperger
          (alri.), Politik

          Es wird große Veränderungen geben, das ist klar. Aber die Deutschen sollten nicht so negativ an Trumps Präsidentschaft herangehen. „Trumps Wahl ist für uns Europäer eine Katastrophe“, heißt es in den Medien. Das mag die allgemeine Wahrnehmung sein, aber es könnte genauso gut anders kommen. Die Deutschen sollten daran denken, dass auch Ronald Reagan anfangs nicht beliebt war. Aber wenn es einen gab, der viel für Deutschland getan hat, dann ist es er – meiner Meinung nach sogar mehr als jeder andere amerikanische Präsident seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Reagan war maßgeblich am Fall der Mauer und an der Wiedervereinigung beteiligt. Jetzt müssen wir einfach abwarten, was Trump in den kommenden vier Jahren tun wird.

          Trump scheint im Gegensatz zu Reagan aber eher spalten als einen zu wollen – der Brexit werde sich als „großartige Sache herausstellen“, sagte Trump in einem Interview.

          Warum Trump den Brexit gutheißt, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Denn er wird sich keinen Gefallen damit tun, Europa zu spalten. Das wird überhaupt nicht funktionieren. Das sage ich aus der Perspektive von jemandem, der hier schon seit einigen Jahren lebt und versteht, wie die Dinge zwischen Amerika und Europa laufen.

          Thomas W. Leiser ist Vorsitzender der Republicans Overseas Germany e.V.
          Thomas W. Leiser ist Vorsitzender der Republicans Overseas Germany e.V. : Bild: Thomas W. Leiser

          Trump hat Großbritannien ja schon mit einer Vorzugsbehandlung gelockt.

          Trump mag es, „gute Deals zu machen“, wie er es nennt – und dann der ganzen Welt davon zu erzählen. Deshalb muss man sich eines klarmachen: Letztlich will Trump nach seiner Präsidentschaft sagen können, dass alles super gelaufen ist. Damit das auch klappt, wird er verstehen müssen, dass man nicht einen „special deal“ mit England und einer anderen mit Spanien haben kann. Trump wird verstehen müssen, dass er mit der Europäischen Union als ganzer verhandeln muss – oder er riskiert, nicht das zu bekommen, was er will. Hoffentlich sagen ihm seine Berater das.

          Sie teilen also nicht die Sorge vieler Politiker, dass sich die Beziehungen zwischen Amerika und Europa dramatisch verschlechtern könnten?

          Trump kann wüten und drohen, so viel er will, letzten Endes muss er sich darum bemühen, zu Deutschland ein gutes Verhältnis zu pflegen. Und logischerweise auch zum Rest Europas, aber Deutschland ist nun mal die führende Kraft auf dem Kontinent. Wenn Trump das ignoriert, wird Amerika darunter sehr leiden. Schließlich gehören Deutschland und die EU zu unseren wichtigsten Handelspartnern. Da kann man nicht einfach sagen: Alles soll in den Vereinigten Staaten produziert werden oder gar nicht.

          Warum verspricht Trump es dann trotzdem?

          Die Strategie hinter solch provokanten Äußerungen könnte sein, alle so zu verwirren, dass sie nicht wissen, woran sie mit einem Präsidenten Trump sind. Dann hätte Trump möglicherweise einen Trumpf in der Hand, wenn es zu konkreten Verhandlungen kommt. Nehmen wir zum Beispiel China: Trump scheint die Ein-China-Politik nicht akzeptieren zu wollen – und hat China damit in Alarmbereitschaft versetzt. Es ist dasselbe mit Europa und der Nato. Ob Trump wirklich glaubt, dass die Nato obsolet ist, weiß ich nicht. Ob die Bundeskanzlerin in der Flüchtlingspolitik fatale Fehler gemacht hat oder nicht – ich werde das nicht kommentieren, ich bin Gast in Deutschland. Aber Trump hat die Deutschen mit seinem Interview in der „Bild“-Zeitung aufgeschreckt und verwirrt. Und das gleiche gilt für die Nato, die gerade nicht weiß, wie die Karten stecken. Das könnte Trumps Verhandlungsposition stärken.

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