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Texas-Kommentar : Unter Waffengewalt

  • -Aktualisiert am

Ein Drittel aller Gewaltstraftaten in den Vereinigten Staaten wird laut FBI unter Missbrauch von Schusswaffen begangen. Bild: dpa

Was muss noch passieren, damit sich Amerika endlich von seinem lockeren Waffengesetz verabschiedet? Die Vergangenheit zeigt: Verweise auf verwirrte Einzeltäter reichen längst nicht mehr aus.

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          Damit kann man sich immer herausreden. Es sei die Tat eines „geistesgestörten Individuums“ gewesen, sagte der amerikanische Präsident am Tag nach dem Massaker von Texas, als 26 Menschen in einer Kirche von einem Täter erschossen wurden. Der Subtext dieser Aussage: Die Tat eines verwirrten Einzeltäters hat nichts damit zu tun, dass man in den Vereinigten Staaten weiterhin so leicht an Waffen gelangt.

          Das Problem auf die subjektive Ebene zu ziehen ist verführerisch, weil es natürlich auch wahr ist: Ein Gestörter hat diese Tat begangen. Aber was, wenn unsere narzisstische Gesellschaft so viele Zurückgesetzte hervorbringt, dass sich immer mehr „Gestörte“ über andere Menschen erheben? Was, wenn „das große Problem mit psychischer Gesundheit“, das Donald Trump zu erkennen glaubt, gar nicht so leicht zu beheben ist, weil die gesellschaftlichen Ursachen tiefer liegen?

          Mehr Schusswaffen als Einwohner

          Dann müsste man eben doch noch einmal nachdenken über den freien Zugang zu Schusswaffen in einem Land, in dem es mehr Waffen als Einwohner gibt. Denn was muss eigentlich noch passieren? Anfang Oktober erschoss ein Angreifer in Las Vegas 59 Besucher eines Musikfestivals.

          Im Juni 2016 riss ein Attentäter 49 Menschen in einem Tanzclub in Florida in den Tod. In South Carolina erschoss ein junger Weißer im Juni 2015 neun afro-amerikanische Kirchenmitglieder. Jeden Tag eine neue Tat. Ein Drittel aller Gewaltstraftaten in den Vereinigten Staaten wird laut FBI unter Missbrauch von Schusswaffen begangen. Bis zum Montag sind in diesem Jahr in dem Land 13.158 Menschen durch Waffengewalt umgekommen.

          Lange konnte man sich hinter dem zweiten Verfassungszusatz von 1791 verstecken, der das Tragen von Schusswaffen erlaubt. Aber damals musste man sich in weiten Teilen des Landes noch selbst vor Straftaten schützen. Man hatte noch keine automatischen Schusswaffen wie heute.

          Und es gab noch keine Medien und kein Internet, in denen man sich an anderen Tätern ein Vorbild nehmen kann. Nun scheint etwas in Bewegung zu geraten, wenn auch der Vorsitzende der römisch-katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, davon spricht, „sinnlose Schusswaffengewalt in allen Formen“ müsse verhindert werden. Durch einen erschwerten Zugang zu Waffen würde man nicht alle Taten verhindern können. Aber es wäre allemal besser, als weiter hilflos zuzusehen.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

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