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Wahlkampf in Amerika : Wer den anderen erniedrigt, glaubt erhöht zu werden

  • -Aktualisiert am

Unwürdiges Verhalten? Präsident Barack Obama bei einem Wahlkampfauftritt in Oakland, Kalifornien Bild: dapd

Das Kräftemessen zwischen Barack Obama und Mitt Romney verkommt gut hundert Tage vor der Wahl immer mehr zur Schlammschlacht. Millionen werden investiert, ohne dass sich an den Umfragewerten merklich etwas ändert. Und Obama könnte demnächst das Geld ausgehen.

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          Hat sich die erste Sommeroffensive Barack Obamas gegen Mitt Romney gelohnt? Oder hat sie bei immensem Aufwand an Kraft und Geld kaum Geländegewinne gebracht? Nach einer kurzen Pietätspause angesichts des Massakers von Aurora haben die beiden Kandidaten am Montag den Präsidentschaftswahlkampf wiederaufgenommen. Am Montag und Dienstag sprachen zunächst der Präsident und dann Romney bei der Jahrestagung des größten Veteranenverbandes „Veterans of Foreign Wars“ (VFW) in Reno in Nevada, wobei der republikanische Herausforderer deutlich freundlicher empfangen wurde als der demokratische Oberbefehlshaber.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Bei der Präsidentenwahl 2008 erhielt der Republikaner John McCain 54 Prozent der Stimmen aus dem Veteranen-Lager, Obama 44. Der Präsident strich in seiner Rede vom Montag in Reno heraus, er habe wie versprochen den Krieg im Irak zu einem raschen und geordneten Ende gebracht und zudem einen Zeitplan für den Abzug aus Afghanistan festgelegt. Romney warf Obama in seiner VFW-Rede am Dienstag vor, der Präsident habe aus Ahnungslosigkeit und Naivität die Führungsposition Amerikas in der Welt geschwächt, er verschließe die Augen vor Russlands geopolitischem Machtanspruch und habe die syrische Führung unter Präsident Baschar al Assad noch als Reformer gepriesen, als dieser schon sein Volk haben zusammenschießen lassen.

          Obama könnte in der entscheidenden Phase das Geld ausgehen

          An diesem Mittwoch bricht Romney zu seiner ersten Auslandsreise auf, seit er sich die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten faktisch gesichert hat. Seine sechstägige Reise führt ihn zunächst nach Großbritannien, wo er in London Gespräche mit der britischen Regierung führen und die Olympischen Spiele besuchen will. Die zweite Station ist Israel. Dort kommt er mit den politischen Führern Israels und der Palästinenser zusammen. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat Obama von Beginn an als eine Art Übergangsfigur behandelt und sich buchstäblich seit dessen Amtsantritt auf dessen Abwahl nach einer Amtsperiode eingestellt; mit Romney dagegen verbindet Netanjahu seit seinem Studium in Amerika vor mehr als drei Jahrzehnten eine persönliche Freundschaft.

          Etwas zu verbergen? Herausforderer Mitt Romney bei einer Wahlkampfveranstaltung in Costa Mesa, Kalifornien
          Etwas zu verbergen? Herausforderer Mitt Romney bei einer Wahlkampfveranstaltung in Costa Mesa, Kalifornien : Bild: AFP

          Schließlich folgt Romney einer Einladung des ehemaligen polnischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers von 1983 Lech Walesa. Dieser hat aus seiner Skepsis gegenüber Obama nie einen Hehl gemacht: Washingtons Politik des „Neustarts“ der Beziehungen zu Moskau hält er für töricht, und als Obama 2009 den Friedensnobelpreis erhielt, fragte Walesa: „Obama? Das ist zu früh. Er hat doch noch gar keine Zeit gehabt, irgendetwas zu tun!“ Romney wird sich freilich während seiner Reise gemäß den Gepflogenheiten des politischen Geschäfts mit Kritik am Präsidenten zurückhalten. Nach seiner Rückkehr in der kommenden Woche werden es dann noch weniger als hundert Tage bis zu den Wahlen am 6. November sein. In den jüngsten Umfragen liegen die beiden Kandidaten etwa gleichauf. Das muss eher den Strategen des Präsidenten Sorge bereiten als dem Stab Romneys. Denn im Monat Juni hat Obama weit mehr Geld ausgegeben als er an Wahlkampfspenden eingenommen hat, und er hat mehr Geld ausgegeben und weniger eingenommen als Romney. Während der Republikaner im vergangenen Monat weitere 73 Millionen Dollar sammelte, gingen bei Obama 66 Millionen Dollar ein.

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