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Wahlkampf in Amerika : Nicht aus unserer Welt

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Barack Obama am Dienstagabend zu Gast bei David Letterman

Barack Obama am Dienstagabend zu Gast bei David Letterman Bild: DOUG MILLS/The New York Times/Re

Mitt Romney verprellt nun auch Konservative. Das heimlich aufgezeichnete Video des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten will kaum einer rechtfertigen.

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          Jetzt fallen auch Konservative Mitt Romney in den Rücken. Den am Montag veröffentlichten, heimlich aufgezeichneten Film aus dem Mai, als sich der republikanische Präsidentschaftskandidat vor reichen Spendern in Florida abschätzig über jene 47 Prozent der Bevölkerung äußerte, die staatliche Zuwendungen beziehen, wollen sie nicht rechtfertigen.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Bill Kristol, Chefredakteur der konservativen Zeitung „Weekly Standard“, schalt Romneys Einlassungen als „dumm und arrogant“. Der konservative Kommentator der „New York Times“ David Brooks las Romneys Fehltritte als Folge eines missratenen Rollenspiels: Der Kandidat gebe sich als erzkonservativer Kraftbursche, der er in Wahrheit gar nicht sei.

          Wechselwähler tendieren immer öfter zu Obama

          Für zwei Republikaner, die in liberalen neuenglischen Bundesstaaten Sitze im Senat verteidigen beziehungsweise erobern wollen, könnte die neue Kontroverse der politische Todesstoß sein. „Das ist nicht meine Sicht der Welt“, versicherte deshalb Senator Scott Brown aus Massachusetts. Auch Linda McMahon, die in Connecticut um einen Senatssitz kämpft, erklärte eilig, sie sei anderer Meinung.

          Auch in anderen Staaten dürften die Stimmen weniger Wechselwähler den Ausschlag geben. Und zwar für Präsident Barack Obama, wie die Ergebnisse der jüngsten Umfragen zeigen.

          Danach verfestigt sich die Tendenz, dass der Präsident nicht nur im Landesdurchschnitt seinen Vorsprung auf Romney allmählich über den statistischen Fehlerbereich hinaus ausbauen kann, sondern dass er vor allem in wahlentscheidenden „Schlachtfeldstaaten“ mit gewöhnlich knappem Wahlausgang wie Virginia, Florida, Ohio, Wisconsin und Colorado in der Wählergunst den Abstand zwischen sich und seinem Herausforderer vergrößert.

          „Diese Worte stärken die Extremisten“

          Am Dienstagabend wurden auch noch weitere Ausschnitte des Videos bekannt. Darin äußert sich Romney in ähnlich robuster Weise zum Friedensprozess im Nahen Osten: Die gemäßigte Führung unter Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ramallah und die radikale Hamas in Gaza warf Romney auf der Veranstaltung in einen Topf.

          Die Palästinenser, so Romney, hätten sich dem Ziel „der Zerstörung und Auslöschung Israels verschrieben“ und gar kein Interesse an einem Frieden. Romney spricht sich gegen die Zwei-Staaten-Lösung im Nahostkonflikt aus, die weithin als einzig gangbarer Weg zu einem dauerhaften Frieden zwischen Israelis und Palästinensern anerkannt ist.

          „Die Idee, die Israelis dazu zu drängen, etwas aufzugeben, um die Palästinenser zum Handeln zu bewegen, ist die schlechteste Idee der Welt“, sagt Romney. Der Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wies die Einlassungen Romneys am Mittwoch zurück: „Diese Worte dienen dem Friedensprozess nicht und stärken die Extremisten“, sagte Nabil Abu Rudeineh der Zeitung „Al Ajam“.

          Präsident Obama reagierte mit der demonstrativen Gelassenheit des Staatsmannes. „Als Präsident habe ich gelernt, dass man das ganze Land repräsentiert“, sagte er am Dienstagabend im Fernsehen. Anders als Romney sei er nicht der Ansicht, dass es in Amerika ein verbreitetes Anspruchsdenken gebe und sich viele Menschen als Opfer einer ungerechten Wirtschaftsordnung betrachteten.

          Romney distanziere sich bisher allenfalls vom Stil, nicht aber von der Substanz seiner Äußerungen. Obama wolle eine Gesellschaft, in welcher die Regierung eine immer größere Rolle im Leben der Menschen spiele. Dagegen wolle er, Romney, allen Menschen die Möglichkeit eröffnen, aus eigener Kraft den amerikanischen Traum von Wohlstand und einer besseren Zukunft für die eigene Familie zu verwirklichen.

          Romneys Wahlkampfstab hat den Mitschnitt eines Auftritts von Obama aus dem Jahre 1998 veröffentlicht. Darin sagt Obama: „Ich bekenne mich zur Umverteilung.“

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