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Zwei Wochen vor Wahltag : Fast 30 Millionen Amerikaner haben schon gewählt

  • Aktualisiert am

Unterstützer von Joe Biden verfolgen seine Rede in North Carolina. Bild: Robert Schmidt/AFP

„Wartet nicht, stimmt heute ab“, ruft Joe Biden seinen Unterstützern bei einem Drive-In-Auftritt zu. Ein Berater von Donald Trump verbreitet derweil Falschaussagen über den Nutzen von Masken – und erntet eine Sperre von Twitter.

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          Gut zwei Wochen vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen haben so viele Bürger wie noch nie bereits vor dem Wahltag ihr Stimmrecht genutzt. Einem Wahlprojekt der Universität in Florida zufolge haben bislang rund 27,7 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimmzettel per Post oder persönlich abgegeben.

          „Wir müssen den unglaublichen Schwung beibehalten, wir können nicht lockerlassen“, sagte Herausforderer Joe Biden am Sonntag bei einem „Drive-In“-Wahlkampfauftritt in North Carolina. Die Teilnehmer in ihren Autos hupten zustimmend. „Wartet nicht, stimmt heute ab“, rief Biden seine Anhänger auf. Je höher die Wahlbeteiligung, desto größer schätzen Wahlforscher die Chancen des Kandidaten der Demokraten ein.

          Bei seinem Auftritt kritisierte er wiederholt Amtsinhaber Donald Trump für dessen Umgang mit der Coronavirus-Pandemie. Gegen Trumps Behauptung vom Wochenende, Amerika sei „über den Berg“, führte Biden an, die Zahl der Neuerkrankungen sei auf dem höchsten Stand seit Monaten. „Wie mein Großvater sagen würde: ‚Dieser Kerl hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, wenn er glaubt, dass wir über den Berg sind‘“, sagte Biden. „Es wird schlimmer und er lügt uns weiterhin über die Gegebenheiten an.“

          Die Kandidatin an der Seite von Biden für die Vize-Präsidentschaft, Kamala Harris, sagte vorsichtshalber Veranstaltungen am Wochenende ab, nachdem ein Berater positiv auf Covid-19 getestet worden war. Harris sei am Sonntag negativ auf das Virus getestet worden, teilte ihr Wahlkampfteam mit.

          Trump warnt vor „Biden-Depression“

          Präsident Trump verteidigte seinen Widerstand gegen den Rat von Wissenschaftlern in der Pandemie. „Hätte ich komplett auf die Wissenschaftler gehört, hätten wir jetzt ein Land, das in einer massiven Wirtschaftskrise wäre“, sagte Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Carson City im Bundesstaat Nevada am Sonntag. „Stattdessen sind wir wie ein Raketenschiff.“

          Trump machte sich über Biden lustig, weil dieser verspricht, sich im Kampf gegen das Coronavirus am Rat der Wissenschaftler zu orientieren. Wenig später warf Trump seinem Herausforderer vor, einen „unwissenschaftlichen Lockdown“ zur Eindämmung des Coronavirus zu verhängen, wenn er gewählt werde.

          Am 3. November hätten die Amerikaner die Wahl zwischen einer „Trump-Super-Erholung“ der Wirtschaft und einer „Biden-Depression“, sagte Trump. Er warnte, mit Biden würden die Steuern steigen und Jobs ins Ausland abwandern. Tatsächlich verspricht Biden, im Fall seines Sieges amerikanische Firmen mit Strafsteuern von der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland abzuhalten und für niemanden Steuern zu erhöhen, der weniger als 400.000 Dollar (340.000 Euro) im Jahr verdient.

          Twitter sperrt Maskenleugner-Tweet von Trump-Berater

          Twitter sperrte einen Tweet eines Beraters von Trump, der Falschinformationen über die Wirksamkeit des Tragens von Masken gegen das Coronavirus verbreitet hat. Der Tweet von Scott Atlas mit den Worten „Masken funktionieren? Nein“ wurde am Sonntag blockiert, weil er gegen die Richtlinien verstoßen habe, teilte ein Sprecher von Twitter am Sonntag mit.

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          Die Richtlinien verbieten Aussagen, die von Gesundheitsbehörden als falsch oder missbräuchlich eingestuft wurden. In solchen Fällen blockiert Twitter den Account, bis der Tweet gelöscht wird. Forscher haben herausgefunden, dass das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen die Verbreitung des Virus eindämmen kann. Atlas reagierte in einer E-Mail mit Unverständnis auf die Blockade durch Twitter.

          Die Pandemie ist in Amerika nach wie vor außer Kontrolle. Mehr als 8,1 Millionen Ansteckungen wurden seit Beginn nachgewiesen, fast 220.000 Menschen starben nach einer Infektion. Derzeit ist wieder ein Aufwärtstrend bei der Anzahl der Neuinfektionen pro Tag zu erkennen. Ungeachtet dessen rief Trump die Bundesstaaten am Sonntag zur vollständigen Öffnung auf.

          Der prominente amerikanische Gesundheitsexperte Anthony Fauci sagte in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem Sender CBS: „Ich glaube, im tiefsten Innern glaubt der Präsident an die Wissenschaft. Wenn er es nicht täte, hätte er seine Gesundheit nicht den sehr kompetenten Ärzten im Walter-Reed-Militärkrankenhaus anvertraut.“ Trump war Anfang Oktober positiv auf das Coronavirus getestet und anschließend für drei Tage im Krankenhaus behandelt worden. Dennoch spielt er nach wie vor die Wirksamkeit von Masken herunter.

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