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Trump-Fans in Scranton : Hupen und Hoffen in Pennsylvania

Autocorso für Trump: Eddie, 68 Jahre alt, Armee-Veteran, pensionierter Bauarbeiter und Trump-Superfan Bild: Daniel C.Schmidt

Scranton ist Joe Bidens Heimatstadt. Aber auch Präsident Trump hat hier besonders überzeugte Anhänger. Unser Reporter hat sie am Wahltag in einem Bundesstaat begleitet, der am Ende den Ausschlag geben könnte.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Im Inneren eines Trucks, der knapp 80 Stundenkilometer macht, klingen die Wörter „fuck off“  eher wie „faaaaahhh-aaaaff“. Ein langgezogener Vokal-Brei, trotzdem unmissverständlich. Eddie, 68 Jahre alt, Armee-Veteran, pensionierter Bauarbeiter und Trump-Superfan, sitzt in seinem Wagen, er kurvt durch den Nachmittagsverkehr, redet über die guten alten Zeiten, und zwischendurch zischt es an seinem offenen Fenster, wenn mal wieder ein Demokrat vorbeirast und „fuck off!“ reinbrüllt, „Verpisst Euch“.

          Der kleine Autokorso, bestehend aus drei bulligen Trucks, unzähligen  „Trump 2020“-Flaggen am Heck und einer Menge Testosteron, schlängelt sich durch die kurvigen Straßen von Scranton in Pennsylvania, der Geburtsstadt von Joe Biden, und hupt, hupt und hupt – jedes Mal, wenn ein entgegenkommendes Auto grüßend loshupt. Was nicht selten passiert.

          Eddie, der seinen Nachnamen nicht in der Presse lesen will, hat seinen linken Arm aus dem Fenster gehängt, manchmal winkt er, weil er nicht zurückhupen kann. Am Montag noch war Donald Trump in der Region zu einem seiner letzten Auftritte vor der Wahl in Wilkes-Barre gewesen, 30 Autominuten von Scranton entfernt. Beim anschließenden Triumphcorso hat Eddie einmal zu viel auf die Hupe gedrückt, seitdem funktioniert sie nicht mehr.

          In Scranton sind die Leute Demokraten und Katholiken

          Der Mann mit dem grauen Schnauzbart stammt aus einer demokratischen Familie, wie so viele hier in Scranton. Demokraten und Katholiken, das sind hier die meisten. „Ich erinnere mich noch daran, dass ich Kennedy gesehen habe, Anfang der Sechziger, als kleiner Junge. Meine Eltern haben ihn verehrt“, sagt Eddie. Nach der Schule ist er nicht aufs College gegangen, sondern ließ sich verpflichten. 1972 war er zehn Monate in Vietnam stationiert, wo Amerika sich eine blutige Nase holte, um das eigene Wertesystem zu verteidigen. „Für mich geht Freiheit vor Sicherheit“, sagt Eddie. Das Virus sei zwar echt, aber die Vorschriften und Einschränkungen, das sei nicht normal.

          Wenn Biden ins Weiße Haus einziehen sollte, würde es eine nationale Maskenpflicht geben, hat der Demokratische Herausforderer verkündet. Für Eddie wäre das nichts, für ihn wäre es ein weiterer Beweis, dass Biden abgehoben sei und nicht verstehe, worum es wirklich geht.

          Worum es in Pennsylvania geht, ist eigentlich klar: um 20 sehr, sehr wichtige Wahlmännerstimmen auf dem Weg ins Weiße Haus, aber eben auch um eine gewisse Deutungshoheit. Wer, bitteschön, ist denn nun wirklich der Politiker, der für den Rustbelt, die industrielle Wiege der Vereinigten Staaten, das wahre Amerika, steht? Biden oder Trump, wer ist der König des einfachen Mannes? Hier in Pennsylvania soll die Antwort warten und eine Vorentscheidung getroffen werden. Beide Parteien haben den Bundesstaat an der Ostküste zu einer ihrer Top-Prioritäten erklärt.

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